David Griessner wurde mit Yannik Fübrich Gesamtmeister der VLN Langstreckenmeisterschaft 2019. Der 25 Jahre junge Mann aus Innsbruck bleibt auch in der Saison 2020 seinem Team Adrenalin Motorsport treu. Im BMW M4 GT4 mit der Startnummer #1 und dem Teamnamen Adrenalin Motorsport Team CFN greift er gemeinsam mit Florian Naumann und Meisterkollege Fübrich dieses Jahr in der Klasse SP10 an.

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Ausgangs- und Versammlungsbeschränkungen dreht sich zurzeit kein Rad im Motorsport. Wir unterhielten uns mit David, wie er seine Tage zuhause verbringt.

Hallo David, wir freuen uns zu hören, dass es dir gut geht. Du verbringst deine Zeit – wie nahezu alle – im Moment überwiegend in den eigenen vier Wänden. Wie sieht dein Tag aus?

Hallo an euch zuhause. Meinen Tag verbringe ich aktuell selbstverständlich zuhause. Hier bin ich in der letzten Zeit ein bisschen mehr auf das SimRacing eingegangen, das kam bei mir bisher ein Wenig zu kurz. Ich richte mir ein richtiges Rig ein, denn das hatte ich noch nicht. Das ist meine Motorsport-Beschäftigung aktuell.

Natürlich bin ich auch fleißig dabei für mein Jura Studium zu lernen. Um körperlich fit zu bleiben bin ich gerne mit dem Fahrrad unterwegs, mache daheim Fitness oder gehe mal Joggen. Damit vertreibe ich meine Zeit.

Du bleibst Matthias Unger und Adrenalin Motorsport dieses Jahr treu, gab es Angebote anderer Teams?

Klar gab es Gespräche mit anderen Teams, das ist aber in der Wintersaison üblich, um sich zu orientieren. Ich hatte auch Teamchefs, die auf mich zugekommen sind. Letztendlich war und ist die Zusammenarbeit mit Matthias Unger die beste und rundeste. Die Harmonie passt super, bei Adrenalin Motorsport fühle ich mich wirklich wohl und professionell betreut. Das dies funktioniert zeigten ja die Ergebnisse in der Vergangenheit. Somit freue ich mich über die gemeinsame sehr gute Lösung.

Bei den Einstellfahrten der Nürburgring Langstrecken-Serie hattest du immerhin ein paar Runden die Chance dich mit dem BMW M4 GT4 auf der Nordschleife vertraut zu machen. Wie gefällt dir das „neue“ Auto?

Der BMW M4 GT4 gefällt mir wirklich sehr gut. Da hat BMW Motorsport ein Spitzenauto hingestellt. Ich bin beeindruckt, was du aus einem doch noch seriennahen Fahrzeug dann für die Rennstrecke entwerfen kannst. Natürlich bedarf es immer ein wenig Zeit, bis du das Gefühl für das Auto aufbaust. Doch das klappte bei den Testfahrten dann schon richtig gut, ich denke ich komme „einigermaßen“ klar mit dem GT4.

David Griessner Adrenalin Motorsport Team CFN 2020 Nürburgring Langstrecken-Serie BMW M4 GT4 #1
Foto: L. Rodrigues

Welcher Unterschied, abgesehen von mehr Leistung, ist dir zum BMW M240i Racing zuerst aufgefallen?

Die Unterschiede sind sehr groß, das beginnt mit der anderen Sitzposition, dem Lenkrad und der Ergonomie, die ist schon anders. Auch die Maße spielten in der Eingewöhnung eine Rolle. Der M4 ist länger und breiter, da passiert es zu Beginn schnell, dass du einen Curb aus Versehen doch heftiger mittnimmst oder überfährst wie du es eigentlich solltest. So etwas spielt sich aber flott ein und du kennst dann dein Auto intuitiv.

Viele Teams kündigten bereits an, ebenfalls in der SP10 zu starten. Vermutlich wird das Feld mit Porsche, Mercedes-AMG, BMW, Aston Martin und dem ein oder anderen GT4-Exoten gefüllt sein. Mit wieviel Gegnern rechnest du? Wird die Starterzahl genügen, um in der Gesamtmeisterschaft die #1 zu verteidigen?

Das Starterfeld entwickelt sich ganz gut, doch realistisch rechne ich mit etwa zehn Gegner in der Klasse, was schon sehr gut wäre. Mehr sind da jedoch nicht zu erwarten – somit wird es für die Gesamtmeisterschaft zu wenig sein. Hier habe ich mit Matthias bereits die Option vereinbart auch im BMW M240i Racing Cup-Klasse CUP5 weiter mitzukämpfen, dort sollte das Starterfeld noch ausreichend genug besetzt sein, um theoretisch die #1 zu verteidigen.

Welche weiteren Klassen können 2020 um die Krone der Nürburgring Langstrecken-Serie ein Wörtchen mitreden und warum?

Da wird die V4 weiterhin die am stärksten gefüllte Klasse sein. Auch wenn so manches Team in die boomende VT2 wechselt sind in der V4 vermutlich noch immer 20 Autos pro Rennen dabei. Diese beiden Klassen – und hoffentlich die CUP 5 – werden am Ende wohl die Gesamtmeister hervorbringen. Warten wir das erste Rennen ab, dann lässt sich abschätzen wie die Klassen besetzt sind.

Du sagtest bereits, dass du inzwischen auch SimRacing betreibst. Dieser anerkannte Sport bietet viele Möglichkeiten, was brachte dich dazu?

Offen zugegeben mache ich zuhause SimRacing intensiver erst aufgrund der aktuellen Situation. Vergangenes Jahr hatte ich mir einen einfachen Simulator gekauft, jedoch nur um mich damit auf neue Strecken vorzubereiten auf welchen ich real noch nie gefahren bin. Gerade die Strecken der GT4 European Series vergangenes Jahr waren mir neu. So konnte ich mir das Layout von Monza, Le Castellet oder Brands Hatch gut vorab einprägen. Rein zum Lernen, Rennen bin ich damit nicht gefahren.

David Griessner SimRacing  Penker Racing Simulator
Foto: Archiv David Griessner

Im richtigen Simulator war ich in der Vergangenheit regelmäßig bei Walter Penker, das ist ein tolles Gerät.

Natürlich bietet die momentane Ausnahmesituation die Gelegenheit sich intensiver damit zu beschäftigen. Es ist eine sehr coole Sache – besonders ohne reale Rennen. Je intensiver ich mich damit befasse, umso mehr gefällt es mir und ist als eigenständige Sportart durchaus ernst zu nehmen.

Die digitale Nürburgring Langstrecken-Serie wird nach der erfolgreichen Premiere noch acht weitere Rennen veranstalten. Bist du weiterhin dabei?

Ja, mit Adrenalin eMotorSport plane ich an den weiteren Rennen teilzunehmen, da freue ich mich schon darauf. Das erste Rennen hat mega Spaß gemacht.

Hast du Tipps für Einsteiger ins SimRacing? Womit und wie sollte man beginnen?

Ich bin hier ganz ehrlich noch lange nicht der Profi, um nun die großen Tipps zu geben. Im Gegenteil, da ich selbst erst so richtig anfange kommen doch sehr viele Fragen auf. Welche Ausstattung kaufe ich mir? Wieviel Geld möchte und kann ich investieren? Selbst meine ausgewählten Geräte kommen erst in den nächsten Tagen an, daher kann ich euch noch nicht einmal ein Foto von meinem Equipment zuhause zeigen.

David Griessner SimRacing  Penker Racing Simulator
Foto: Archiv David Griessner

Dann überlegst du, welches Programm nutzt man? Assetto Corsa, Assetto Corsa Competizione, RaceRoom oder iRacing? Hast du dich dann entschieden geht es mit Fragen weiter. Wie gehen die Installation und die Registrierung?

Auf welches Auto spezialisiere ich mich, um competitive zu sein? Welches Fahrzeug-Setup ist für mich das richtige – wie finde ich das heraus? Das ist schon kompliziert und komplexer als bei der Playstation. Hier bin ich dankbar, dass ich mit Adrenalin eMotorSport zusammenarbeiten kann, die Hilfe und Erfahrung der Profis war sicher goldwert. Das hat es mir selbst sehr erleichtert. Somit wäre mein Tipp: Schaut, dass ihr euch Beratung und Hilfe von den Spezialisten holt, das spart letztendlich viel Zeit, Mühe und erspart so manche Frustration.

Zurück zum realen Motorsport. Planst du – wenn irgendwann das öffentliche Leben wieder möglich ist – auch Starts in anderen Serien? In welchen?

Der Wunsch in weiteren Serien zu starten ist da, es gab auch bereits Gespräche. Doch konkret geplant ist noch nichts – aber ebenso ist es nicht auszuschließen. Schön wäre sicher ein Gaststart in der ADAC GT4 Germany oder wieder in der GT4 European Series. Es wäre cool, wenn sich hier noch etwas ergibt.

Wir danken dir für die Zeit und die offenen Antworten. Möchtest du unseren Leserinnen und Lesern noch etwas mit auf den Weg durch die nächsten Tage und Wochen geben?

Gerne geschehen! Schaut auf euch, bleibt zuhause und vor allem: Bleibt gesund!

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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