Von der Pole-Position zu einem großartigen Sieg: Das Team Redline und die Fahrer Dominik Färber, Tom Michelmore, Patrick Wolf und Matt Farrow sind die Sieger des iRacing 24h Le Mans powered by VCO 2020. Im VCO Victory Lane Interview spricht das Quartett über die Bedeutung dieses Siegs, den Schlüssel zum Erfolg und die Herausforderungen während des 24-Stunden-Klassikers. Die vier Fahrer erklären außerdem, warum das Team Redline eine so starke Mannschaft ist und blicken auf die weitere Saison voraus.

Herzlichen Glückwunsch zu eurem Sieg beim iRacing 24h Le Mans powered by VCO. Was bedeutet dieser Erfolg für euch?

Tom Michelmore: Ich denke, das ist ein enorm wichtiger Sieg. Für jemanden, der auf Prototypen spezialisiert ist, ist Le Mans natürlich das große Ziel. Deshalb ist es fantastisch, diesen Sieg zu holen und diesen Punkt auf der To-Do-Liste abhaken zu können. Es ist wirklich wichtig.

Patrick Wolf: Es war das zweite Mal, dass ich dieses Rennen gewonnen habe, und der Sieg fühlt sich dieses Mal noch besonderer an als beim ersten Mal. Denn diesmal mussten wir über die gesamten 24 Stunden darum kämpfen. Nach ein paar kleineren Fehlern zu Beginn sind wir zurückgekommen, und ich habe das Gefühl, dass wir wirklich um den Sieg kämpfen mussten.

Dominik Färber: Das ist definitiv mein wichtigster Sieg, seit ich Sim-Racing betreibe. Ich wollte dieses Rennen immer schon gewinnen, denn ich bin ein großer Le Mans Fan, schon vom realen Rennen her. Deshalb ist das wirklich der größte Sieg für mich.

Matt Farrow: Ich konzentriere mich seit fast zwei Jahren vor allem auf die LMP1. Nun den Sieg im größten Rennen für diese Autos geholt zu haben, ist ein tolles Gefühl.

Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Michelmore: Für mich war der Schlüssel zum Erfolg, ohne Probleme durchzukommen, sicherzustellen, dass das Auto heil bleibt und zu vermeiden, langsamer zu werden. Auch war wichtig, gut vorbereitet zu sein. So wussten wir, was wir tun werden und wer wann fährt, damit wir uns etwas ausruhen und gut gerüstet in unsere jeweiligen Stints gehen konnten. Und ich denke, der finale Schlüssel zum Erfolg war, die nötige Pace zu haben – das hilft!

Färber: Wir waren vier Fahrer, die sich in diesem Auto und auf dieser Strecke sehr wohl gefühlt haben. In dieser Hinsicht hatten wir wirklich keinerlei Schwächen. Und unsere Vorbereitung auf dieses Rennen war einfach perfekt. Alles hat genau so funktioniert, wie wir es wollten. Es war also eine Kombination aus allem, die das möglich gemacht hat.

Farrow: Erfahrung war ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Ich denke, wir hatten eines der erfahrensten, wenn nicht sogar das erfahrenste Fahrer-Line-up. Jeder von uns ist ist hunderte von Stunden mit diesen Autos gefahren, und das hat sich im Rennen gezeigt. Wir haben uns keine großen Fehler geleistet, und wir sind mit dem Auto ohne Zwischenfälle durchgekommen.

Ihr habt die perfekte Vorbereitung angesprochen. Könnt ihr uns hier nähere Details nennen?

Michelmore: Einen großen Teil der Vorbereitung haben wir damit verbracht, zusammen Set-ups zu testen und viel zu trainieren, entweder allein oder in Hosted Sessions, um herauszufinden, wo unsere jeweiligen Stärken und Schwächen liegen. So habe ich mir zum Beispiel sehr oft Matts Telemetriedaten angesehen, denn es gab Bereiche, ich denen ich nicht zu sicher war. Das hat mir geholfen, mich hier zu verbessern. Ich war schneller als vorher. Wir haben vor dem Rennen auch viel mit dem Burst Esport Team zusammengearbeitet. Wir hatten also die Stärken von zwei Teams, um zusammen das beste Set-up zu finden. Das hat uns ebenfalls gefunden, die letzten Zehntelsekunden zu finden, die über die 24 Stunden entscheidend waren.

Das Team Burst Esport hat hinter euch den zweiten Gesamtrang belegt – ihr wart also wirklich die beiden stärksten Teams…

Wolf: Ja, dass Burst Platz zwei geholt hat, war großartig. Nicht nur für uns, sondern auch für sie. Denn sie hatten über die Saison in der LMP1-Klasse ein paar Schwierigkeiten. Ich denke, dass sie von uns profitiert haben, aber genauso war es in die andere Richtung. Am Ende hat die Vorbereitung unseren beiden Teams geholfen, unsere Performance für dieses Rennen noch einmal zu steigern.

Farrow: Die Zusammenarbeit mit Burst war großartig. Wir konnten verschiedene Herangehensweisen miteinander kombinieren und noch ein paar Zehntel mehr finden. Dass mehr Leute zusammengearbeitet haben, hat es uns einfacher gemacht, Set-up-Änderungen zu testen und zu vergleichen, wie sie sich auf dem Longrun auf das Auto ausgewirkt haben.

Färber: Wenn man sich anschaut, wo die anderen Teams außer uns und Burst ins Ziel gekommen sind, kann man den Unterschied deutlich sehen. Die Drittplatzierten hatten eine Runde Rückstand, und bei allen weiteren dahinter waren es mehrere Runden. Man sieht also klar, welchen Unterschied diese Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Teams ausgemacht hat. Wir haben praktisch alles geteilt, was wir hatten, in Sachen Set-up, Strategie und so weiter. Und so haben nicht nur wir vier alles angeschaut, sondern acht Leute haben daran gearbeitet. Ich denke, so konnten wir unsere Performance für dieses Rennen maximieren. Denn wir waren mehr Leute, die ein Auge darauf hatten, und das hat die Wahrscheinlichkeit verringert, dass wir etwas übersehen. So war auch die Wahrscheinlichkeit, Fehler zu machen, wesentlich geringer, und unsere Vorbereitung besser.

Wie sah eure Strategie für das Rennen aus? Und wann habt ihr sie festgelegt – vor oder während des Rennens?

Färber: Im Prinzip stand alles schon vor dem Rennen fest. Wir haben geschaut, wie viele Runden wir mit dem Benzin fahren können, ob Benzin gespart werden muss – was dieses Mal nicht der Fall war – und wie viele Stints wir bei welchen Temperaturen mit den Reifen machen können. Das haben wir alles vorher erarbeitet, und der Plan ist während des Rennens sehr gut aufgegangen. Wir mussten also nicht viel anpassen, sondern höchstens vielleicht ein paar kleinere Änderungen vornehmen – auch, weil uns während des Rennens nichts Größeres passiert ist.

Farrow: Während des Rennens hatten wir bei der Strategie jedoch eine gewisse Flexibilität, wann wir Vierfachstints mit den Reifen fahren. Dank der niedrigeren Temperaturen konnten wir früher damit anfangen.

Was waren während des Rennens die größten Herausforderungen?

iRacing 24h Le Mans powered by VCO 2020
Foto: VCO

Michelmore: Für mich persönlich lag eine der Herausforderungen darin, dass ich schnell für Dominik einspringen musste, als dieser einen Stromausfall hatte. Ich hatte ein paar Runden, um mich schnell im Auto vorzubereiten. Das war eine recht interessante Herausforderung, denn ich hatte mich nicht so warm gefahren, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber trotzdem ist es mir gelungen, das Auto sicher auf der Strecke zu halten, und nach ein paar Runden war ich wieder auf Pace. Vor einer weiteren Challenge stand ich, als ich nach meinem zweiten oder letzten Stint am Morgen versucht habe, wach zu bleiben. Denn ich hatte zuvor nicht viel schlafen können, da ich wegen des Rennens zu nervös war.

Färber: Für mich bestand die größte Herausforderung darin, reibungslos durch das Rennen zu kommen und keine Zwischenfälle oder Ähnliches zu haben. Denn mit so vielen verschiedenen Autos auf der Strecke ist es sehr schwierig, nicht irgendwo einen leichten Kontakt zu haben oder das Risiko zu minimieren, von jemandem getroffen zu werden. Selbst wenn das nicht dein Fehler ist, aber manchmal kann man nicht viel dagegen tun. All dies zu vermeiden, war wahrscheinlich die größte Herausforderung.

Farrow: Eine der Besonderheiten des 24h Le Mans ist, dass so viele Fahrer dabei sind, und manche, die nicht an den Verkehr mit mehreren Klassen gewöhnt sind. Versuchen herauszufinden, welche Teams oder Fahrer einen oder zwei Meter mehr Platz brauchen, war eine permanente Herausforderung.

Wolf: Meine größte Herausforderung war in den Morgenstunden, als Burst bei Herausfahren aus der Box den kleinen Zwischenfall hatte und mir plötzlich ein Vorsprung von etwa zwei Minuten angezeigt wurde. Es war dann wirklich schwer für mich, konzentiert zu bleiben und weiter gute Rundenzeiten zu fahren, ohne dabei zu viele unnötige Risiken einzugehen.

Das Rennen selbst dauert 24 Stunden, aber wie lang ist so ein „Renntag“ für euch wirklich? Wann habt ihr am Samstag angefangen und wann am Sonntag aufgehört? Und hattet ihr zwischendrin die Möglichkeit, ein bisschen zu schlafen?

Wolf: Ich bin am Samstag gegen 10.00 Uhr vormittags aufgestanden. Ich hatte genug Schlaf, um meine beste Performance abzuliefern, und nachdem ich meinen ersten Vierfachstint beendet hatte, bin ich ins Bett gegangen. Auch wenn es mir recht schwergefallen ist, habe ich dann doch rund vier Stunden geschlafen. Aber wenn man nach vier Stunden wieder aufsteht, fällt es einem nicht leicht, sich gleich wieder zu konzentrieren. Von da an bin ich bis zum Ende des Rennens einfach wach geblieben, und ich weiß nicht einmal mehr, wann ich am Sonntag ins Bett gegangen bin – wahrscheinlich viel zu spät.

Färber: Ich bin am Samstag gegen mittag aufgestanden, einfach um vor dem Rennen etwas mehr Schlaf abzubekommen. Ich absolviere üblicherweise vor dem Start ein paar Aufwärmrunden, um nicht ganz unaufgewärmt ins Rennen zu gehen. Wir haben unsere Stints ein bisschen an die normalen Schlafrhythmen unserer Fahrer angepasst. Manche Jungs bleiben normalerweise länger auf, andere wachen früher auf. Also haben wir versucht, das zusammenzubringen, damit jeder in seinem normalen Rhythmus bleiben kann und keiner zu einer Zeit fahren muss, zu der er normalweise nicht wach wäre. Ich bin also einen großen Teil der Nacht bis in den frühen Morgen gefahren. Dann bin ich ins Bett und habe tatsächlich recht lang geschlafen, etwa fünf Stunden, bevor ich für das Rennende zurück gekommen bin. Das hat sehr gut funktionert und ich war wieder vollkommen fit, um den finalen Stint zu fahren.

Michelmore: Ich habe versucht, am Samstag vor dem Rennen so spät wie möglich wach zu werden. Ich bin so etwa ein oder zwei Stunden vorher aufgestanden, um sicherzustellen, dass ich so viel Schlaf bekomme wie möglich. Und ja, dann versuche ich, zwischendrin zu schlafen, denn ich könnte mit wenig Energie nicht fahren. Es ist mir gelungen, ein paar Stunden zu schlafen. Am Sonntag habe ich dann versucht, bis abends wach zu bleiben, denn ich wollte meinen Schlafrhythmus nicht komplett durcheinander bringen. Deshalb bin ich bis etwa neun Uhr aufgeblieben, und alles war gut.

Farrow: Zum Glück hatten wir vier Fahrer und konnten die Fahrzeiten entsprechend einteilen. Ich konnte etwa eine Stunde vor dem Start aufstehen und haben meinen geplanten Einsatz beendet, nachdem ich etwa 18 Stunden wach war. Von daher war es nicht extrem. Ich hatte vor, danach ins Bett zu gehen, aber das ist nicht so einfach, wenn man weiß, dass man eine Chance hat, das Rennen zu gewinnen! Ich habe vor der Zielflagge wahrscheinlich nur ein oder zwei Stunden geschlafen.

Ihr habt den Gesamtsieg geholt, und eure Teamkollegen wurden Zweite in der LMP2-Klasse. Was macht das Team Redline so stark?

iRacing 24h Le Mans 2020
Foto: VCO

Wolf: Auch wenn jeder von uns Fahrern in unserem Team unterschiedlich an jedes Rennen herangeht, der Wille zu siegen ist in unserem Team einfach riesig. Und das treibt uns an, unser Bestes zu geben.

Färber: Ich denke, einen großen Anteil am Erfolg hat die Professionalität des Teams. Jeder nimmt die Sache extrem ernst, jeder möchte jedes Rennen gewinnen, an dem er teilnimmt. Und deshalb wird ein Redline Auto immer vorn mit dabei sein, wenn es in einem Rennen an den Start geht. Denn alles andere zählt für uns nicht. Also: Wir wollen jedes Rennen gewinnen, und so gehen wir es auch an.

Dominik, du hast bereits bestätigt, dass du am nächsten iRacing Special Event powered by VCO teilnimmst, dem 24h Spa Mitte Juli. Spa ist wie Le Mans ein echter Klassiker. Was macht dieses Rennen so reizvoll?

Färber: Ja, ich habe definitiv vor, dort zu fahren, denn die iRacing Special Events sind für mich immer die größten Rennen, und ich möchte so viele von ihnen bestreiten wie möglich. Spa ist wie jedes 24-Stunden-Rennen etwas Besonderes, einfach weil es so faszinierend ist, einen ganzen Tag lang zu fahren, zwei Mal rund um die Uhr. Am meisten gefällt mir daran, dass man zusammen mit Teamkollegen fährt. Wenn ich allein ein Rennen bestreite, ist das nicht so faszinierend für mich. Wenn man zusammen in einem Team fährt, ist das ganz anders. Das gilt für alle 24-Stunden-Rennen, und Spa ist natürlich eine sehr historische und traditionsreiche Strecke. Das Rennen hat ebenfalls eine lange Tradition, es wird also ähnlich wie Le Mans etwas Besonderes. Was Spa zudem noch speziell macht, ist, dass es ein Ein-Klassen-Rennen ist. Du hast nur die 55 GT3-Autos und nicht so viele verschiedene Autos in drei Klassen, wie wir es in Le Mans hatten. Das Feld ist also ganz anders.

Auf welche weiteren Highlights freut ihr euch in der restlichen Saison?

Michelmore: Eines der Highlights wird das ‚Petit Le Mans’ im Daytona-Prototypen sein. Das ist eines der Rennen, an dem ich sehr großes Interesse habe. Ein weiteres Highlight wird sein, wenn iRacing die neuen Prototyp 2 Fahrzeuge herausbringt. Ich weiß nicht, wann es genau kommen wird, aber ich denke, dass dieses Auto für mich wirklich interessant sein wird. Also freue ich mich schon auf das Release. Und später in der Saison startet noch eine weitere interessante Serie, die Sports Car Open, die für uns Fahrer recht aufregend zu sein scheint.

Färber: Wie Tom sagte: Das ‚Petit Le Mans’ wird ganz sicher ein besonderes Rennen. Wir sind dort im vergangenen Jahr zusammen mit Patrick Zweiter geworden, und dieses Jahr werden wir definitiv an einer Taktik für den Sieg arbeiten. Denn wir waren auch in Le Mans im vergangenen Jahr Zweite und haben dort in diesem Jahr gewonnen. Ein weiteres Highlight wird die Sim Racing Expo, auch wenn sie dieses Jahr nicht live am Nürburgring stattfindet. Aber es wird eine Online-Version geben, und darauf freue ich mich schon.

Farrow: Ich denke, wenn es das neue LMP2 Auto gibt, werde ich wahrscheinlich darauf meinen Fokus legen. Also bin ich sicher bei allen Events dabei, in denen es verfügbar ist.

Quelle: Pressemitteilung VCO

Team Redline
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