Motorsport ist Kontaktsport, gefährlicher Kontaktsport mit teilweise hohen G-Kräften. Moderne Rennwagen sind mit hohen Sicherheitsausstattungen zugelassen und glücklicherweise gehen Unfälle meist ohne Schaden für den Menschen am Steuer aus. Rennsportler sind sich bewusst welches Risiko sie eingehen, auch finanziell. Ein aktueller GT3-Bolide kann neu bis über 500.000 Euro kosten. Doch auch ein seriennahes Fahrzeug mit entsprechenden Umbauten für die RCN oder NLS liegt schnell bei 50.000 Euro. Wer bezahlt den Schaden dann?

Entweder das Team und die Fahrer starten komplett unversichert, das hat zur Folge, dass die Kosten zu 100% selbst getragen werden. Das kommt bei Teams der kleineren Klassen schon vor. Doch Oliver Reyle, Allianz Versicherungsfachmann auf dem Gebiet des Rennsports hebt die Vorzüge einer Rennkasko hervor. Mit einem überschaubaren Eigenanteil werden die Schadenskosten am eigenen Auto von der Rennkasko übernommen. Schäden an den Leitplanken oder FIA-Zäunen sind mit dem Startgeld der Serie üblicherweise bereits abgedeckt, diese spielen daher bei der Berechnung keine Rolle.

„Grundsätzlich ist es ähnlich wie bei der uns bekannten Automobil-Kasko, jedoch sind die Eigenbeteiligungsbeträge deutlich höher. Ein Selbstbehalt von 5000.-, 7.000.- oder 12.000.- sind da nicht unüblich – abhängig auch vom Fahrzeugwert.“, erklärt Reyle. „Dafür ist das Rennfahrzeug aber vollständig bei selbstverschuldeten Unfällen oder Schäden wie Brand versichert. Schon bei der An- oder Abreise zur Strecke.“

Oliver Reyle
Foto: L. Rodrigues

Reyle hat seinen Sitz im Bramsche und leitet als Teammanager selbst den Renneinsatz eines Renault Clio RS in der Nürburgring Langstrecken-Serie. Daher sind ihm alle Perspektiven bekannt und er kann entsprechend gut beraten. So betont er gerne: „Versicherungsvertreter werden häufig als nur als Verkäufer wahrgenommen, tatsächlich besteht die überwiegende tägliche Arbeit in Beratung, Problemlösung und den Gesprächen mit den Kunden. Doch genau diese menschliche Ebene macht so viel Spaß. Wenn wir dann mit dem entsprechenden Paket die nötige Absicherung haben, das ist doch toll denn es gibt einem die nötige Sicherheit.“

Der große Unterschied bei der Rennkasko ist jedoch, dass Schäden an anderen Fahrzeugen nicht abgedeckt sind. So gilt im Motorsport das Prinzip „jeder zahlt seinen Schaden selbst nach Rennunfällen“. Nur wenn ein bewusstes Herbeiführen, also vorsätzliches Handeln, den Schaden verursacht hat, dann gibt es Geld für den Gegner, aber nicht von der Rennkasko.

X85racing Renault Clio RS NLS2 2021
Foto: Jochen Merkle

Wer bekommt eine Rennkasko? Eine entsprechende Versicherungspolice kann für jeden Rennwagen mit Wagenpass abgeschlossen werden. Doch Reyle erklärt, dass hier weitere Faktoren ins Spiel kommen: „Neben dem Wert des Fahrzeugs und in welcher Serie gestartet wird, kommt die Bewertung der Fahrer hinzu. Sitzen nur sehr erfahrene Piloten, die in ihrer Karriere nie oder kaum verunfallt sind im Cockpit, dann wird dies bei der Berechnung der Rennkasko auch berücksichtigt. Ich hatte aber auch schon einen Antrag bei dem drei Männer aus Südamerika sich mit Auto versichern wollten, die haben wir abgelehnt, da besagtes Trio in der Vergangenheit sehr schadensauffällig war. Ebenso wird geschaut, wo das Fahrzeug eingesetzt wird. Die RCN birgt weniger Risiko als die NLS oder das 24h-Rennen.“

Denn die Versicherungsunternehmen haben die Möglichkeit anhand der FIA-Lizenznummer abzufragen, wie sich die zu versicherten Personen bisher verhielten. „Viele Strafen oder selbstverursachte Unfälle lassen sich nicht verschweigen, das ist jedoch nur fair für die anderen Kunden.“, so Reyle und er ergänzt: „Ähnlich wie beim Schadenfreiheits-Rabatt wird ordentliches Fahren belohnt und der Selbstbehalt kann entsprechend geringer ausfallen. Auch schauen wir auf die Häufigkeit, denn ein Unfall über Jahre schlägt dann sicher nicht zu Buche.“

Genauer spricht Oliver Reyle im Podcast „Wie Du einen Rennwagen Versicherst“ mit Tim Launhardt über das Thema.

Bleibt letztendlich die Frage, was kostet es einen Rennwagen mit etwa 50.000.- Euro Wert und einer Eigenbeteiligung von 7.500.- Euro, es starten zwei erfahrene Piloten in der Nürburgring Langstrecken-Serie, die um die 40 Jahre alt sind und seit 20 Jahren im Motorsport aktiv? Oliver Reyle dazu: „Da gibt es keine fixe Tabelle, da es sich immer um individuelle Risiken handelt. Aber gerne gebe ich bei Interesse da eine unverbindliche Beratung. Wobei ich natürlich immer allen eine knitterfreie Saison wünsche!“

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen.Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen.Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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