Wie die VLN Langstreckenmeisterschaft am Sonntag den 14. Juli 2019 berichtete, ist das Ergebnis der 50. Adenauer ADAC Rundstrecken-Trophy noch vorläufig. Neben den üblichen noch technischen oder rennsportlichen Entscheidungen im Nachgang wird zur Begründung auch eine Dopingkontrolle der NADA genannt.

Die NADA (Nationale Anti Doping Agentur) ist eine unabhängige Stiftung und konzentriert sich ausschließlich auf die Anti-Doping-Arbeit. Ziel der Einrichtung ist es, die Chancengleichheit für alle Sportlerinnen und Sportler zu verbessern und die Erhaltung der kulturellen und gesellschaftlichen Rolle des Sports. Sie dient der Prävention von Doping, steht für ein einheitliches Dopingkontrollsystem ein und bietet Rechtsberatung für Verbände und Athleten. Damit gewährleistet die NADA Professionalität und stellt die Durchsetzung einheitlicher und gleicher Standards für alle Sportler sicher. Auch der DMSB – Deutscher Motorsport Bund e.V. arbeitet mit der NADA zusammen.

Zu den Kontrollen bei VLN 4 befragten wir Michael Bork, den Leiter des Bereichs Sport und Renndirektor der VLN Langstreckenmeisterschaft.

Herr Bork, die NADA hat nach dem Rennen sechs Fahrerinnen oder Fahrer zu einer Dopingkontrolle verpflichtet. Auf welcher Basis werden die Personen ausgesucht?

Foto: vln.de

Michael Bork: Die Fahrer, die sich einer Dopingkontrolle zu unterziehen haben, werden zufällig von der NADA, bzw. von dem NADA-Kontrollbeauftragten, bei der Veranstaltung ausgewählt. Wir bekommen kurz vor der Veranstaltung vom DMSB die Information, dass die NADA zu einer Dopingkontrolle kommen wird. Ob die NADA dann bereits schon zum Training kommt – oder erst zum Rennen, erfahren wir nicht. Das entscheidet die NADA allein und überrascht uns damit.

Kann bei Verdachtsmomenten auch eine Kontrolle angeordnet werden? Wer kann diese beantragen bzw. dann anordnen und kam dies schon einmal vor?

Ich denke schon, dass bei einem konkreten Verdacht der Verwendung unerlaubter Substanzen durch einen Athleten auch eine Kontrolle angeordnet werden kann. Das erfolgt dann aber in Abstimmung zwischen dem Dachverband DMSB und der NADA und liegt nicht in unserer Zuständigkeit. In meiner Zeit im Motorsport habe ich das bisher allerdings noch nicht erlebt.

Die Liste der verbotenen Substanzen der NADA umfasst elf Seiten. Gibt es konkret Substanzen welche einen Vorteil im Motorsport verschaffen?

Dazu kann ich keine Antwort geben. Da müssen Sie die Mediziner und Dopingexperten fragen.

Nahezu alle, da schließen wir uns selbst nicht aus, trinken am Vorabend der VLN auch gerne mal ein Bier oder mehr. Gab es schon Alkoholkontrollen oder sogar Strafen wegen Alkoholkonsum?

Ja, wir führen zufällig und unangekündigt auch Alkoholkontrollen bei den Veranstaltungen durch. Diese bedürfen allerdings nicht der Überwachung der NADA. Die Alkoholkontrollen werden in allen Motorsportarten (Rallye, Bergrennen, Slalom, Rundstreckenrennen…) in Abstimmung mit dem DMSB bzw. den DMSB-Sportkommissaren bei der Veranstaltung direkt durchgeführt.
Bisher hatten wir in der VLN dabei noch keine Auffälligkeiten. Das zeigt uns, das die Fahrerinnen und Fahrer die in der VLN unterwegs sind, Alkohol und Auto bzw. Rennen fahren, gut trennen können.

Abgesehen von einem Kokain-Skandal von Franck Montagny 2015 findet man recht wenig Skandale im Motorsport in diesem Zusammenhang. Ist Ihnen persönlich ein Fall bekannt?

Nein, in meinen mittlerweile 30 Jahren im Motorsport habe ich bei Veranstaltungen bei denen ich als Rennleiter, Renndirektor oder Sportkommissar tätig war schon einige Dopingkontrollen erlebt, die aber alle negative Ergebnisse hatten und kein Fahrer gegen die Dopingregeln verstoßen hatte. Auf der Nordschleife erinnere ich mich an einen Fall beim 24h-Rennen 2014. Ansonsten sind mir weitere aufsehenerregende Fälle im Automobilrennsport nicht bekannt.

Wie lange wird es dauern, bis die Ergebnisse feststehen und somit von dieser Seite aus nicht mehr vorläufig sind?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Es kann 6, 8, 12 Wochen oder auch ein halbes Jahr dauern bis die NADA die Proben untersucht hat, und wir vom DMSB das Ergebnis der Dopingkontrollen mitgeteilt bekommen. Bis dahin bleibt das Ergebnis leider weiter vorläufig.

Welche Strafen drohen Dopingsündern im Motorsport?

Eine positive Dopingkontrolle führt zur Disqualifikation des Athleten vom Wettbewerb und wird eine weitere Bestrafung einer zeitweisen oder auch lebenslangen Sperre durch die DMSB-Sportgerichtsbarkeit nach sich ziehen.

Vielen Dank Herr Bork für die ausführlichen Antworten.

In eigener Sache:

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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