Beim fünften Saisonrennen der Digitalen Nürburgring Langstrecken-Serie powered by VCO sicherten sich Philip Ellis und Jack Sedgwick den ersten Sieg in dieser Saison. Gleichzeitig war es auch der erste Erfolg für das MANN-FILTER Team HTP-WINWARD und den virtuellen Mercedes AMG GT3. Im VCO Victory Lane Interview blicken Ellis und Sedgwick auf das MAHLE 3h-Rennen zurück und verraten ihren Schlüssel zum Erfolg. Daneben sprechen sie über ihre Titelchancen in der Digitalen Nürburgring Langstrecken-Serie powered by VCO und die Zukunft des Esports Racing. Zudem verrät Ellis, wie seine Motorsport-Karriere einst mit Esports Racing begann.

Glückwunsch zum Sieg am vergangenen Wochenende. Habt ihr ihn gebührend gefeiert?

Jack Sedgwick: Vielen Dank. Es ist eine Weile her, dass ich ein Esports Rennen gewonnen habe. Entsprechend habe ich mich natürlich sehr gefreut, aber richtig feiern kann man in dieser Zeit natürlich nicht.

Philip Ellis: Wahrscheinlich haben wir auch deshalb nicht so viel gefeiert, weil wir auch von den Unfällen und der Disqualifikation der Konkurrenten profitiert haben. Aber dennoch war es natürlich ein schönes Erfolgserlebnis.

Im fünften Rennen seid ihr die fünften Sieger. Was sagt das über das Niveau in der Serie aus?

Sedgwick: Das Niveau ist sehr hoch und wird auch immer höher. Die Audis sind zwar im Qualifying nach wie vor sehr stark, aber gleichzeitig merkt man auch, wie die anderen Teams im Rennen immer besser werden. Die Setups, die Strategien – all diese Dinge verbessern sich, und dadurch wird auch das Racing besser.

Ellis: Man erkennt das hohe Niveau auch schon im Qualifying. Hinter den beiden Audis sind die Zeitabstände immer sehr eng und bewegen sich im Zehntelbereich. Bei einer Runde von acht Minuten zeigt das, wie nahe die Teams beeinander liegen. Um zu gewinnen, braucht man ein fehlerfreies Rennen. Schon ein geringer Schaden oder kleinste Strafen können dich das Rennen kosten.

War das auch euer Schlüssel zum Sieg am vergangenen Wochenende?

Sedgwick: Auf jeden Fall. Wir sind ein sauberes Rennen ohne Fehler gefahren. Die Boxenstopps und die Fahrerwechsel haben einwandfrei funktioniert. Und natürlich haben wir auch von den Fehlern der Konkurrenz profitiert.

Ellis: Wir sind zwar viel Risiko gegangen, hatten aber mehr Glück als in den vergangenen Rennen. Selbst wenn wir mal Kontakt mit einem TCR-Fahrzeug hatten, ging es diesmal glimpflich aus. Zudem haben wir uns das gesamte Rennen über aus Zweikämpfen herausgehalten und somit keine Zeit verloren.

Wann war euch bewusst, dass ihr das Rennen gewinnen werdet?

Philip Ellis
Foto: VCO

Ellis: Durch die Unfälle und Strafen der Konkurrenten wussten wir ziemlich früh, dass wir auf Podiumskurs unterwegs sind. Da die BMW-Fahrzeuge nicht so viel Sprit verbrauchen, waren wir uns nicht sicher, wie viel Zeit sie beim letzten Boxenstopp verlieren werden. Somit wussten wir erst in der letzten halben Stunde, wo wir genau stehen. Als wir erfahren haben, dass der Williams-Audi noch eine Strafe bekommt, war uns klar, dass wir den Sieg nur noch nach Hause fahren müssen.

Durch den Sieg seid ihr in der Meisterschaft nun auf den zweiten Platz nach oben geklettert. Wie schätzt ihr eure Chancen auf den Titelgewinn ein?

Ellis: Es wäre natürlich schön, den Titel zu gewinnen. Allerdings haben wir erst fünf Rennen absolviert und noch vier vor uns. Aktuell kann man aus meiner Sicht schwer vorhersagen, wie sich die weiteren Rennen entwickeln werden. Man muss abwarten, wie sich das aktuelle Update auf die Fahrzeuge auswirken wird und auch, ob sich die BoP im Verlauf der Saison noch verändern wird.

Sedgwick: Ich denke, wenn wir unser aktuelles Level halten, stehen die Chancen nicht schlecht. Wir dürfen uns natürlich keine Fehler mehr erlauben. Ich denke, wir müssen nun einfach versuchen, uns auf jedes Rennen neu zu fokussieren und zu fahren, als wäre es das letzte. Dann wird sich zeigen, wozu es am Ende reicht.

Vor dem Hintergrund, dass ihr nun auch einer der Titelkandidaten seid: Ändert sich dadurch eure Herangehensweise für die kommenden Rennen?

Ellis: Ich denke nicht. Man muss einerseits bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen, ansonsten verliert man sofort wertvolle Sekunden, die dann am Ende entscheidend sein können. Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen Rennen immer versucht, uns aus Zweikämpfen herauszuhalten, nicht das letzte Risiko zu gehen und dann in der letzten halben Stunde volle Attacke zu fahren. Das hat ganz gut geklappt, und ich denke, die Resultate aus den vergangenen vier Rennen sprechen für uns.

Philip, man kennt dich vor allem aus dem realen Motorsport. Wie kommt es, dass du auch im Simulator so schnell bist?

Ellis: Ich bin schon sehr lange im Esports Racing aktiv. Genauer gesagt seit 2009. Ich wollte schon als Kind immer in den Motorsport, hatte aber nie die Möglichkeit dazu. Als Ersatz dafür habe ich mit dem Esports Racing begonnen. Erst danach habe ich im realen Motorsport Fuß gefasst.

Aber obwohl du im realen Motorsport tätig warst, hast du auch weiterhin Esports Racing betrieben?

Ellis: Zwischenzeitlich nicht. Aber als ich 2016 im Audi Sport TT Cup gefahren bin, habe ich gemerkt, dass es mir extrem hilft, wenn ich mich im Simulator auf ein Rennwochenende vorbereite. Sobald ich von einem Rennen nach Hause gekommen bin, habe ich sofort im Simulator begonnen, für das nächste Rennen zu trainieren. Dadurch, dass die Testtage und die Testzeiten sehr stark begrenzt sind, bietet Esports Racing eine gute Möglichkeit, sich auf reale Rennen vorzubereiten. Gleichzeitig kann man auch viele Dinge ausprobieren, beispielsweise im Zweikampf mit anderen zu fahren und zu versuchen, an bestimmten Stellen zu überholen oder ein Überholmanöver zu kontern. Als Testtool ist der Simulator für mich inzwischen nicht mehr wegzudenken.

Jack, du kennst Philip noch aus seinen Anfängen im Esports Racing. Wie hast du seine Karriere, die vom virtuellen in den realen Rennsport geführt hat, verfolgt?

Jack Sedgwick
Foto: VCO

Sedgwick: Ich glaube, er hat seine Sache in den vergangenen Jahren sehr gut gemacht – speziell im GT-Rennsport. Er war einer der wenigen, die den Sprung vom Esports Racing in den realen Motorsport geschafft und Siege gefeiert haben wie beispielsweise im ADAC GT Masters oder auch in GT4-Rennen. Das ist schon sehr beeindruckend. Davor ziehe ich meinen Hut.

Jetzt, da der reale Rennsport langsam wieder zurückkehrt: Wie blickt ihr auf den Boom des Esports Racing in den vergangenen Monaten zurück?

Sedgwick: Natürlich haben die vergangenen Wochen und Monate der gesamten Branche einen enormen Schub gegeben. Das ganze Thema hat sehr viel Aufmerksamkeit bekommen, und ich denke auch, dass diese Zeit vielen auch einen neuen Zugang zum Esports Racing eröffnet hat. Es wäre schön, wenn es weiterhin sehr viele dieser Events geben würde – während der Saison, aber vielleicht auch dann, wenn der reale Motorsport pausiert.

Ellis: Dass so viele Fahrer aus dem realen Rennsport zuletzt im Simulator aktiv waren, hat der ganzen Szene enorm geholfen und ihr einen extremen Aufschwung verliehen. Ich würde mir wünschen, dass das so beibehalten wird.

Der Rennkalender der DNLS powered by VCO

21. März, Rennen 1
4. April, Rennen 2
18. April, Rennen 3
2. Mai, Rennen 4, Eibach 3h-Rennen
30. Mai, Rennen 5, Mahle 3h-Rennen
13. Juni, Rennen 6, H&R 3h-Rennen
15. August, Rennen 7
17. Oktober, Rennen 8
14. November, Rennen 9

Quelle: VCO Media Office

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