Die Mannschaft von Mücke Motorsport gehörte 11 Jahre zum festen Inventar der DTM. Nach dem Jahr 2016 verließen die Berliner allerdings diese Rennserie und engagierten sich unter andere im ADAC GT Masters. Nun kehrt das beliebte Team in die DTM zurück und wird einen werksunterstützten Mercedes-AMG GT3 einsetzen. Gefahren wird der AMG vom zweimaligen Champion Gary Paffett. LSR-Freunde sprach mit Teamchef und Rennsport-Legende Peter Mücke über die neue DTM, seine Erwartungen und seine eigenen Renn-Aktivitäten in diesem Jahr. Der heute 74-Jährige, der schon in der ehemaligen DDR ein Motorsport-Star war, sitzt nämlich immer noch regelmäßig hinter dem Lenkrad seines Renn-Capris, wenn er nicht gerade die Geschicke seines Rennstalles lenkt.

LSR-Freunde: Peter, Mücke Motorsport hat viele Jahre zur DTM gehört. Nun seid ihr nach einer längeren Pause wieder zurück. Wie fühlt das sich an?

Peter Mücke
Foto: ADAC Formel 4

Peter Mücke: Das ist natürlich ein Highlight, gar keine Frage. Wir haben ja 11 Jahre DTM gemacht und sind natürlich froh, dass es uns gelungen ist, nochmal zurückzukehren. Es ist das höchste Level, was man machen kann in diesem Sportbereich. Als Team möchte man immer dahin, wo es am schwierigsten, aber auch am interessantesten ist. Das heißt natürlich nicht, dass uns die Aktivitäten in anderen Serien nicht auch viel Spaß gemacht haben, aber die DTM war für uns immer eine Herzensangelegenheit. Darüber hinaus ist auch das Rennformat der DTM mit nur einem Fahrer pro Auto sehr interessant, weil man sich noch viel mehr fokussieren kann. Dazu kommt die Zusammenarbeit mit Mercedes, die wir auch schon gut kennen. Ich bin also sehr happy, zurück zu sein und das gilt genauso für mein Team, weil es im Wesentlichen dieselben Leute wie damals sind.

Ihr kennt die DTM ja noch aus der Zeit mit extremer Werksunterstützung, riesigen Hospitalities und abgeriegeltem Fahrerlager. Nun hat sich das ja komplett geändert. Was hältst du persönlich vom Umschwung bzw. Neustart der DTM?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Zuallererst Hut ab vor dem, was Gerhard Berger da in die Wege geleitet hat, das war mit Sicherheit ein gewaltiger Kraftakt. Unabhängig davon hat sich ja die Motorsportwelt in den letzten Jahren ziemlich gewandelt. Weltweit wird mit GT-Fahrzeugen gefahren. Ich glaube, dass es ein ganz wichtiger Schritt war, auch in der DTM mit diesen Fahrzeugen zu fahren, die für die Werke wieder interessant, aber vom finanziellen Aspekt überhaupt nicht mehr mit der früheren DTM vergleichbar sind. Diese reinen Silhouetten-Prototypen, die einzig für diese Serie gebaut wurden, waren unglaublich kostenintensiv und nicht mehr zeitgemäß. Auf die Dauer hätte man so auch nicht weitermachen können, vor allem vom Kostenfaktor her. Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo in der DTM jede Saison ein neues Auto mit einem immensen Aufwand – auch finanziell – entwickelt und produziert wurde. Das ist nun Gottseidank ganz anders. Jetzt haben wir wieder machbaren Motorsport, der aufgrund des anderen Kostenbildes auch für die Hersteller wieder sehr interessant ist. Motorsport ist Marketing, und je günstiger es ist, desto besser. Da hat der Gerhard Berger den richtigen Riecher gehabt, da musste man hin. Das ist eine super Basis, um auch volle Felder in der Zukunft zu haben.

Ihr seid 2017 im ADAC GT Masters letztmalig mit dem AMG GT3 an den Start gegangen. Seitdem hat sich das Auto ziemlich verändert. Erwartet ihr da einen Erfahrungsrückstand und wie schnell könnt ihr diesen wettmachen?

Naja, also grundsätzlich habe ich vor solchen Aufgaben keine Angst! Man muss sich dem stellen, genauso als wenn ich selbst im Rennauto sitze, das Beste geben und dranbleiben. Dann ist man auch dabei. Wir haben so viel Erfahrung und Leute, die schon so lange bei uns sind, teilweise 30 Jahre. Die wissen, wie so etwas geht. Außerdem ist es auch bloß ein Rennauto. Es sind immer wieder die gleichen Arbeitsschritte. Daten sammeln, analysieren und das Auto performance-orientiert weiterentwickeln. Wir haben ja die Vortests und brauchen da keine Bedenken haben. Am Ende wird es wie in den anderen GT3-Serien ein extrem enges Feld sein, das ist sicher.

Euer Pilot Gary Paffett ist zwar ein verdienter DTM-Held, aber im GT3-Auto bislang eher wenig unterwegs gewesen. Was traust du ihm mit diesem Auto zu?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Da habe ich gar keine Sorgen, dass der Gary das nicht kann. Aber natürlich muss man wie immer im Rennsport auch Realist bleiben. Es gibt da eine ganze Reihe von absoluten GT3-Spezialisten im Feld, die werden zum Anfang vielleicht einen Vorteil haben. Aber ich glaube, Rennfahrer wie Gary sind nicht umsonst mehrmals Meister geworden und haben jede Menge Erfolge eingefahren. Die kommen auch dahin. Es wird eine Frage der Tests und Trainings sein, aber dass er wieder zur Spitze gehören wird, habe ich keine Zweifel.

Was sind eure Ziele? Voll auf Angriff oder erstmal schauen, wie man reinkommt?

Mit „erstmal schauen“ und „mal reinkommen“ kommst du im Motorsport nicht weiter. Wir machen hier mit, um zumindest auf das Podium fahren zu können. Das wird natürlich nicht immer gelingen, da bin ich mir ganz sicher, dazu bin ich zu lange dabei. Aber das muss das Ziel sein, daran werden wir arbeiten. Es wird hart dieses Ziel zu erreichen, einen Freifahrtschein oder eine Monatskarte gibt es hier nicht. Man muss sich jedes Mal neu behaupten. Mal passt alles, dann ist man ganz vorn. Manchmal fehlen drei Zehntel, dann bist du schon im Mittelfeld gelandet.

Das heißt, ihr konzentriert euch jetzt im GT3-Bereich voll auf die DTM und startet nicht im GT Masters?

Ich bin der Meinung, du kannst immer nur eine Sache richtig machen. Auf zwei Hochzeiten zu tanzen, bringt nichts. Zweimal 100% gibt es nicht! Das ist keine Entscheidung gegen das ADAC GT Masters, das war auch immer sehr schöner und aufregender Sport und eine tolle Aufgabe. Aber jetzt machen wir DTM und die Konzentration gehört dahin!

Was bedeutet das für eure anderen Projekte wie Formel 4 oder die Classic Abteilung?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Das läuft ja getrennt. Wir werden weiterhin unseren Ausbildungsbereich mit jungen Fahrern in der Formel 4 in Deutschland, Italien und den Arabischen Emiraten machen. Zudem führen wir auch unseren erfolgreichen Klassik-Bereich natürlich weiter, auch mit mir als Fahrer. Dafür habe ich persönlich über den Winter hart an meiner Fitness gearbeitet. Es ist ja leider so, je älter du wirst, umso mehr muss man machen. Aber da habe ich genauso meine Ziele und möchte konkurrenzfähig sein. Das wird unter der DTM definitiv nicht leiden, auch wenn dort unser Fokus liegt.

Am Ende müssen wir noch auf die Fans zu sprechen kommen. Mücke Motorsport hat ja eine sehr große Fan-Gemeinde, die euch auch in Corona-Zeiten die Treue hält. Wie sehr schmerzt es, dass schon so lange kein Zuschauer mehr an die Strecke darf oder merkt man das im Eifer des Gefechts gar nicht?

Um ehrlich zu sein: Wenn man hart arbeitet und mitten drinsteckt, spielt das keine Rolle. Man ist voll auf den Job und das Auto konzentriert. Aber nach der Session oder abends auf dem Heimweg, stellst du fest, es war doch anders, das muss man ganz klar so sagen. Dieser Spirit an der Strecke fehlt. Gerade hier in Hockenheim hat man die Bilder noch vor Augen – volles Motodrom, die Fans dicht gedrängt in der Startaufstellung… Wir sind ja ein recht offenes Team, da konnte jeder mal reinschauen oder einen ansprechen. Das fehlt, weil es einfach zum Motorsport dazu gehört, das ist überhaupt keine Frage. Wir machen das Ganze ja nicht nur für uns, sondern um unsere Begeisterung für den Motorsport mit den Fans zu teilen. Da bin ich aber ganz der Optimist. Man kann im Leben nicht immer nur das Negative sehen. Ich sage, das wird wiederkommen, wenn wir alle unsere Impfungen haben. Und dann wird es noch intensiver, weil jeder – wir als Team und auch die Fans – das noch ganz anders aufsaugen werden als in der Zeit davor, als das alles selbstverständlich war.

Das ist ein wunderbares Schlusswort, den nichts mehr hinzuzufügen ist. Außer vielleicht noch: Viel Glück und Erfolg in dieser Saison und vielen Dank für dieses sehr interessante Gespräch!

 

Unterstütze LSR-Freun.de

Dir hat der Beitrag gefallen? Wir freuen uns über Deinen Support.





In eigener Sache:

Du hast den Beitrag bis zum Schluss gelesen? Hat er Dir gefallen? Wenn Du die LSR-Freun.de unterstützen möchtest, kannst Du das mit einem Abonnement bei SteadyHQ tun.

Damit hilfst Du uns, auch in Zukunft erstklassige Berichte, Dokumentationen und Reportagen aus der Welt der Langstreckenrennen zu erarbeiten und zu erstellen.

Unterstütze uns auf Steady

Die LSR-Freun.de sagen Danke!

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Seit vielen Jahren ist Christopher Otto als Fotograf und Journalist im Rennsport unterwegs und hat dabei nicht nur für unzählige Medien, sondern auch für viele Teams und Fahrer gearbeitet. Ob Tourenwagen, Formelsport oder GT3-Boliden - Motorsport ist seine Welt. Mit seinem umfangreichen Netzwerk, mitreißenden Fotos und fundiertem Wissen liefert er Beiträge, die nicht an der Oberfläche kratzen, sondern in die Tiefe gehen.
Kategorie: Magazin, NewsTags:
Fehler melden Über LSR-Freun.de ethische Standards
Jetzt kommentieren

Noch keine Kommentare vorhanden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.