Wir haben es sicherlich alle schon gesehen, dass beim Boxenstopp nicht nur die Fahrer gewechselt werden, sondern es fliegen auch öfters Sitzschalen über das Autodach. Diese Sitzschalen haben jedoch nicht mehr viel mit den „Maxi Cosi“ Kindersitzen gemeinsam, denn sie werden individuell maßgeschneidert angefertigt. Wir konnten bei Schnabl Engineering im hessischen Butzbach über die Schulter schauen wie die persönlichen Anpassungen bei den Piloten von Falken Motorsport für das 24h-Rennen durchgeführt wurden.

Wie die Reifen die Schnittstelle zwischen Rennstrecke und Rennauto sind, so ist der Sitz die Verbindung des Piloten zum Fahrzeug. Der Begriff „Popometer“, geprägt von Michael Schumacher, ist im Sprachgebrauch der Motorsportler längst etabliert und beschreibt, wie wichtig es für den Fahrer ist ein feines Gefühl für das Auto zu haben, um im Grenzbereich unterwegs zu sein. Die Firma soft trim seating sts GmbH aus Dresden hat sich auf die Herstellung von Rennsitzschalen spezialisiert und war in Butzbach bei Schnabl Engineering, um für die Piloten der beiden Falken Porsche 911 GT3 R Maß zu nehmen.

Den Ablauf einer solchen Anpassung erklärt Kai Rudolph von soft trim: „Jeder Mensch hat einen unterschiedlichen Körperbau, seine Problemstellen und ist nie symmetrisch. Deswegen wird die Rennsitzschale individuell angepasst um den bestmöglichen Halt, Komfort und damit auch die höchste Sicherheit im Fahrzeug zu bekommen. Letztendlich können Rennfahrer nur die beste Leistung in Form von Rundenzeiten liefern, wenn sie sicher sitzen und sich somit auf das Fahren konzentrieren können.“ Rudolph führt weiter aus: „Zwischen dem Fahrer und dem Seriensitz legen wir eine Sitzabdruckmatte, der wir die Luft dann entziehen. Somit passt er sich genau dem Körper an. Mittels eines 3D-Laserscanner erfassen wir dann die exakte Form und stellen dann die entsprechende Sitzschale her. Hier berücksichtigen wir selbstverständlich auch die Wünsche der Kunden bei Bezug und Design.“

Dirk Werner Falken Motorsport 2020
Foto: L. Rodrigues

Porsche Werkspilot Dirk Werner, für Falken Motorsport bei der Nürburgring Langstrecken-Serie im Fahrerkader schildert konkret, wie wichtig eine solche Rennsitzschale ist: „Es gibt heutzutage verschiedene Methoden den Sitz eines Rennwagens dem Fahrer entsprechend anzupassen. Das ist gerade bei einem Einsatz wie beim 24h-Rennen enorm wichtig, wenn du dir das Auto mit drei weiteren Kollegen teilst und über so lange Zeit darinsitzt. So kannst du komfortabel sitzen, ohne einen Kompromiss einzugehen. Nichts drückt oder reibt, denn über so lange Distanzen können sich sonst schon Probleme entwickeln. Das Material ist inzwischen auch so entwickelt, dass du wirklich spüren kannst, was das Auto macht.“

Werner erinnert sich: „Bei den früheren Rennwagen bist du da oft im Sitz hin und her gerutscht und hast am Lenkrad deinen Halt gesucht. Das war auf Dauer schon sehr anstrengend und schränkte die Leistung ein. Diese Vorbereitungen im Vorfeld des 24h-Rennen sind schon recht aufwändig und die Fans bekommen dies normal nicht mit. Doch dank der modernen Technik und den Spezialisten heutzutage kommt es allen Piloten und dem Team zugute.“

Die Anpassung der Rennsitzschale wird natürlich auch unter den strengen überwachenden Blicken von Teamchef Sven Schnabl sowie von Stefanie Olbertz, sie ist verantwortlich für Falken Motorsport, durchgeführt. Beide sind seit Jahrzehnten im Rennsport und wissen selbstredend wie wichtig auch solche Details wie eine Rennsitzschale für die perfekte Performance der Fahrer ist. So sagt Frau Olbertz: „Dieser Zeitaufwand für das Team ist nötig, denn es geht immer darum die Leistungen der Piloten zu unterstützen und zu verbessern, dafür benötigen sie eben die perfekte Position im Rennauto. Die Rennsitzschalen werden rechtzeitig zum 24h-Rennen fertig.“

Falken Motorsport Stefanie Olbertz
Foto: L. Rodrigues

Angesprochen auf das bevorstehende ROWE 6 Stunden ADAC Ruhr-Pokal-Rennen am Samstag den 29. August 2020 fügt Stefanie Olbertz hinzu: „Es ist dieses Mal für uns eine Premiere, dass wir mit allen acht Fahrern und beiden Autos bei einem NLS-Rennen teilnehmen dürfen. Wie wir die Stints über die sechs Stunden aufteilen müssen wir noch sehen, aber alle brauchen selbstverständlich ihre Fahrzeit vor dem 24h-Rennen. Für das kommende Wochenende hoffen ich auf gutes Wetter, damit wir uns für den Jahreshöhepunkt richtig aussortieren können. Natürlich freut es uns, dass Besucher zum 6h-Rennen kommen dürfen, das motiviert uns noch mehr um an der Spitze um den Sieg zu kämpfen.“

Das ROWE 6 Stunden ADAC Ruhr-Pokal-Rennen startet am Samstag um 12:00 Uhr und wird über YouTube, der NLS-Facebook Seite sowie mit Live-Timing auf der Homepage der Nürburgring Langstrecken-Serie zu verfolgen sein. Personalisierte Tickets für die Tribünen sind ausschließlich über die Webseite des Nürburgrings bestellbar.

Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
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Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
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Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
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Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
Foto: L. Rodrigues
Sitzschalenanpassung bei Schnabl Engineering  / Falken Motorsport
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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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