Nicole Kösters wird in der kommenden Saison mit ihrer Damenmannschaft „The Originals by nk racing“ die Hatz durch die „grüne Hölle“ aufnehmen. Wir haben uns mit Nicole per Whatsapp zu den Hintergründen und ihrer Geschichte unterhalten.

LSR-Freun.de: Hallo Nicole. Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst und uns und unseren Lesern Rede und Antwort stehst. Wie hat es Dich in den Motorsport verschlagen?
Nicole Kösters: Meine Familie hat mich als Kind immer mit an alle möglichen Rennstrecken geschleppt… Nürburgring Nordschleife, Zolder, Zandvoort usw. Und seit inzwischen 20 Jahren fahren wir, also ein Teil meiner Familie und ich zum OGP. Als ich damals den ersten Lotus Elan sah stand für mich fest: das will ich auch!
2013 habe ich meinen Coach in Innsbruck besucht, weil ich unbedingt was in meinem Leben ändern wollte und er hat nach sechs Stunden miteinander arbeiten folgenden Satz gefragt: „Haben sie schon mal in den Spiegel geschaut, wenn sie über den Motorsport und Rennautos sprechen?“ Ich hab dann gesagt, dafür wäre ich doch viel zu alt und er meinte, dass doch jedes gute Team einen guten Buchhalter bräuchte und so nahm das Schicksal seinen Lauf…
Also mit anderen Worten -Leidenschaft!

Dann hast Du den Weg ins Management gefunden. Wie kam das zustande?
Neben der Leidenschaft braucht es aus meiner Sicht das Wissen. Ich komme aus dem BWL-Bereich und dann habe ich an der privaten Fernuni Salzburg über ein Fernstudium internationales Motorsport Management studiert. Als die ersten Ideen zum Team entstanden wollte ich immer noch auch selber fahren, habe dann allerdings schnell erkannt, dass beides, also fahren und das Team leiten nicht geht. Außerdem bin ich seit 12 Jahren selbstständig.

Du hast einige Teams – auch international – betreut, warum das eigene Team?
Weil ich mir damit meinen Traum erfülle und weil ich bei den Teams nicht wirklich Entscheidungen treffen konnte. In letzter Instanz war es dann doch immer der Teamchef der entschieden hat. Vielleicht fehlt mir einfach das letzte Quäntchen Herausforderung. Ich möchte Spuren hinterlassen. Wenn eine Frau fragt, wo sie im Motorsport erfolgreich werden kann, dann soll automatisch mein Name fallen, das ist mein Ziel!

Wie hilft Dir denn deine bisherige Erfahrung beim Aufbau des eigenen Teams?
Sehr viel. Ich habe ja bei den letzten beiden Teams erst einmal eine Teamstruktur aufgebaut und ich habe seit 2014 mega gute Kontakte knüpfen können, aus denen teilweise echte Freundschaften entstanden sind. Das hilft mir heute natürlich sehr.
Ein eigenes Team aufzubauen, darüber hat der eine oder andere sicher schon mal nachgedacht. Was muss man Deiner Meinung nach denn mitbringen, um das auch erfolgreich zu realisieren?
Ausdauer, Durchhaltevermögen und vor allem Leidenschaft. Egal wie viele Stunden du daran arbeiten musst und egal, wie oft du wieder neu starten musst – es muss Spaß machen! Und aus meiner Sicht musst du die richtigen Menschen um dich herum positionieren.

Ein Problem, vor dem immer wieder viele Gründer stehen, ist die Finanzierung und die Suche nach Sponsoren. Immerhin holt man heute niemanden mehr mit Aufklebern am Auto ab. Was rätst Du den Teamchefs an dieser Stelle?
Das ist ein ganz spezielles Thema, für das es keine Checkliste gibt. Wichtig ist einfach, dass wirklich jede Seite davon profitiert. Wichtige Punkte sind für mich Ehrlichkeit und ganz wichtig Zuverlässigkeit.

Wie siehst Du die Chancen, als Frau im Motorsport?
Wie in jedem anderen Job, die Quote ist die Gleiche, nur die Menge ist kleiner, wenn Ihr versteht was ich meine. Zum Beispiel: Es gibt 100 Rennfahrer, von denen sind 10 richtig gut, macht eine Quote von 10:1 und es gibt 10 Frauen, von denen ist eine richtig gut, also die gleiche Quote.
Das ist verständlich. Als Frau hat man doch immer wieder das Problem, das man in bestimmten Situationen belächelt wird. Wie gehst Du mit solchen Situationen um, oder hattest Du das Problem noch nie?
Doch, ich lächle dann einfach zurück 😉!

Klasse. Hast Du noch eine Anekdote, die Dich Dein Motorsportleben lang schon begleitet?
Im Mai 2014 bat Rainer Dörr mich, im McLaren MP412C Alvaro Parente vom Frankfurter Flughafen abzuholen und zu Pirelli an den Nürburgring zu fahren. Wie du dir denken kannst, war ich völlig aus dem Häuschen… Gerade einmal fünf Monate im Motorsport durfte ich einen mega Rennfahrer in einem absoluten Traumauto abholen… bis mir dann Nachts bewusst wurde, was das bedeutet: 625 PS Mittelmotor Heckantrieb, einen Vollprofi auf dem Beifahrersitz und ein Flughafen, der deutlich größer ist als der in meiner Heimat… ich hatte ehrlich gesagt mehr Schiss als Vaterlansliebe  Glücklicher Weise fand ich direkt vor dem Terminal 1 einen Parkplatz. Irgendwie haben Alvaro und ich immer aneinander vorbei telefoniert und es dauerte knapp 45 min, bis wir uns endlich gefunden haben. Vor lauter Lachen über unsere „Dusseligkeit“ haben wir uns gleich mal feste gedrückt. Der Tag war einfach genial, ich habe so viele interne Abläufe kennen gelernt, Alvaro kennen gelernt und viele coole Entwicklungsingenieure. Abends hat Alvaro dann noch in mein Erfolgsjournal geschrieben. Das war ein absolut unglaublicher Tag, für den ich Rainer bis heute sehr dankbar bin. Inzwischen hat sich eine sehr schöne Freundschaft zwischen Alvaro und mir entwickelt und ich freue mich immer sehr, wenn wir uns an irgendeiner Rennstrecke wieder sehen…

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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2 Kommentare zu “Nicole Kösters im Whatsapp-Interview „Ich möchte Spuren hinterlassen.“

  1. Ich drücke Nicole und ihren Fahrerinnen die Daumen und freu mich riesig auf nächstes Jahr. Anette hab ich ja schon kennen gelernt und hoffe auf der EMS noch mehr aus dem Team kennen zu lernen. Als Marshal werde ich euch bei der VLN und den 24h beobachten und anfeuern. Leider müßt ihr beim 6 Std-Rennen ohne mich auskommen.
    Der Ring-Opa Hans-Jürgen Baumgarten

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