Maro Engel ist in seiner Karriere schon in vielen Top-Rennserien am Start gewesen und kann auf unzählige Erfolge zurückblicken. Der AMG-Werkspilot trat zweimal in der DTM an und feierte dort einen Sieg. Daneben gilt er als einer der absoluten Top-Fahrer im GT3-Bereich und konnte neben vielen anderen Rennen auch beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring sowie beim GT World Cup in Macau siegen. Im Gespräch mit LSR-Freun.de schildert der 35-Jährige seine Ansichten zur neuen DTM, seiner Titeljagd im ADAC GT Masters und dem Leben als Rennfahrer in Corona-Zeiten.

Hallo Maro, die DTM ist ja das derzeit heißeste Thema in der deutschen Motorsport-Landschaft. Wie siehst du die aktuelle Entwicklung dieser Kult-Rennserie?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Maro Engel: Erst einmal bin ich froh zu sehen, dass es die DTM weiterhin geben wird. Ich bin wie viele andere auch damit aufgewachsen, die DTM Rennen der 1990er und 2000er Jahre zu schauen. Selber in der Meisterschaft dann anzutreten, war für mich etwas Besonderes. Was da in letzter Zeit auf die Beine gestellt wurde, sieht positiv aus. Ich bin gespannt darauf, wie sich das Ganze entwickelt und werde es verfolgen.

Du konntest ja selbst mehrere Saisons in unterschiedlichen Epochen in dieser Meisterschaft antreten und 2017 einen Sieg einfahren. Mit dem Wechsel zum GT3-Format in diesem Jahr wäre das Format für dich wie auf den Leib geschneidert. Hat dich das nicht gereizt?

Natürlich war das auch Thema. Es ist eine tolle Meisterschaft und ein wirklich interessantes Format. Es gab auch starkes Interesse von Seiten der Teams an mir. Es ist aber so, dass ich relativ früh in Absprache mit AMG meine Prioritäten für diese Saison festgelegt habe. Darunter das Projekt mit Toksport im ADAC GT Masters. Durch die vielen Überschneidungen der DTM mit den anderen großen GT Serien in dieser Saison war es für mich nicht möglich, eine komplette Saison in der DTM zu fahren. Das heißt nicht, dass das auch in Zukunft so sein muss. Ich werde die DTM auf jeden Fall im Auge behalten.

Stichwort ADAC GT Masters: Nachdem du und Luca Stolz im letzten Jahr bis zum Schluss um den Titel mitfahren konntet, tretet ihr mit Toksport WRT in diesem Jahr in unveränderter Konstellation an. Heißt das, volle Kraft voraus in Richtung Titel?

Natürlich ist die Meisterschaft das Ziel, vor allem, wenn man im Vorjahr bereits so gut aufgestellt war. Man hat gesehen, es hat nicht viel gefehlt. Zwei unglückliche Ausfälle in dieser hart umkämpften Meisterschaft haben den Ausschlag gegeben. Aber so ist der Rennsport und ein wenig Glück gehört auch immer dazu. Das Niveau der ganzen Mannschaft war bereits extrem hoch, und das im ersten Jahr.

Gerade als Neueinsteiger findet man ja meistens noch viel Verbesserungspotenzial. Wie ist das bei euch im Team Toksport WRT?

Foto: Christopher Otto C.O. MEDIAVISION

Zunächst einmal muss man sagen, dass wir aus dem Stand eine super Performance hingelegt haben. Darauf kann man auf jeden Fall stolz sein. Sowohl personell als auch technisch ist die Mannschaft top aufgestellt. Viel geändert werden brauchte da auf jeden Fall nicht. Natürlich gibt es da immer die eine oder andere Stellschraube, mit der man noch stärker werden kann, aber das ist ein Prozess, der eigentlich immer und bei jedem Team stattfindet. Die Atmosphäre im Team ist super und die Motivation größer denn je.

Wie es aussieht, werden im ADAC GT Masters wieder viele extrem starke Autos antreten. Wen siehst du als Haupt-Kontrahenten?

Das ist im Vorfeld immer sehr schwer einzuschätzen. Ganz sicher sind die Crews von Porsche und Lambo sehr stark aufgestellt. Aber auch wir von AMG haben mehrere Eisen im Feuer. Wir müssen uns aber auf keinen Fall verstecken, sind Fahrer- und Teamseitig top aufgestellt . Wichtig wird sein, unnötige Ausfälle zu minimieren und immer vorn dabei zu sein.

Was steht für dich darüber hinaus noch auf der Agenda in 2021?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Noch kann ich nicht zu viel verraten, das wird in den kommenden Wochen kommuniziert. So viel jedoch, es wird wieder ein sehr volles Programm, worüber ich mich sehr freue. Was ich aber schon mal sagen kann, ist dass ich auf jeden Fall wieder beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring angreifen werde. Das ist für mich das geilste Rennen des Jahres und ich hoffe, dass auch wieder Zuschauer dabei sein dürfen. Diese Woche geht es zu den 12h von Sebring, worauf ich mich auch sehr freue. Racing in den Staaten ist von der Atmosphäre immer etwas ganz Besonderes und nach unserem Sieg in Daytona kann ich es kaum erwarten, nach Sebring zu gehen. Vielleicht sind 2021 sogar noch weitere Starts in den USA möglich.

Das Thema Corona hält die Welt nach wie vor in Atem. Wie gehst du – als Vielreisender und Familienvater – mit dieser Situation um?

Wenn man so viel reist wie ich, hat man natürlich auch eine besondere Verantwortung. Es ist natürlich einerseits ein Privileg, dass man trotz der Situation Rennen fahren kann und ich bin dafür auch sehr dankbar. Andererseits kommt man deshalb viel herum und muss besonders vorsichtig sein. Deswegen lasse ich mich grundsätzlich testen, wenn ich nach einem Einsatz nach Hause komme, bevor ich mit meiner Familie in Kontakt komme. Dazu bin ich unterwegs extrem vorsichtig, halte selbstverständlich alle Regeln bezüglich Maske und Abstand ein und versuche, mit möglichst wenig Leuten außerhalb meiner „Bubble“ in Berührung zu kommen. Um aktuell zu Reisen, muss man sich natürlich auch vor jeder Reise testen lassen, was wiederum gut ist, dass man Gewissheit hat, das Virus nicht unbewusst in sich zu tragen. Das Thema ist natürlich stets präsent und mir ist auch bewusst, dass es keine totale Sicherheit gibt. Darum versuche ich einfach, alles Machbare zu machen. Reisen ist natürlich auch deutlich schwieriger geworden, weil es weniger Flüge gibt. Aber das alles nehme ich gern in Kauf, wenn dadurch trotzdem Rennen gefahren werden können.

Du lebst mit deiner Familie ja in Monaco. Wie ist denn die Situation dort aktuell?

Foto: Christopher Otto / C.O. Mediavision

Natürlich gibt es auch in Monaco strikte Regeln. Momentan ist es so, dass zwar die Restaurants mittags geöffnet haben, aber ab 19 Uhr eine Ausgangssperre herrscht. Ansonsten dürften die Geschäfte geöffnet haben, insofern ist es hier etwas entspannter als zurzeit in Deutschland. Wir hatten aber auch schon Phasen, wo man sich nicht weiter als 1 km vom Wohnort entfernen und nur eine Stunde am tag draußen Sport machen durfte. Das war für mich als Sportler natürlich besonders schwierig. Monaco orientiert sich dabei eng an den französischen Richtlinien.

Maro, vielen Dank, dass du zeit für uns gefunden hast und für deine offenen Antworten. Wir wünschen dir viel Erfolg in Sebring und in der weiteren Saison.

Keine Ursache, herzliche Grüße an alle Leser und ich kann nur jedem wünschen: Bleibt gesund!

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Seit vielen Jahren ist Christopher Otto als Fotograf und Journalist im Rennsport unterwegs und hat dabei nicht nur für unzählige Medien, sondern auch für viele Teams und Fahrer gearbeitet. Ob Tourenwagen, Formelsport oder GT3-Boliden - Motorsport ist seine Welt. Mit seinem umfangreichen Netzwerk, mitreißenden Fotos und fundiertem Wissen liefert er Beiträge, die nicht an der Oberfläche kratzen, sondern in die Tiefe gehen.
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