Der 29 jahre junge Manuel Wendel ist so manchem inzwischen bekannt. Er war bereits Streckensprecher bei der RCN Rundstreckenchallenge am Nürburgring und hat inzwischen unzählbare Simracing-Events moderiert. Wendel fällt mit seiner lockeren jedoch sehr kompetenten Art immer wieder auf, zuletzt mit Marc Keil beim Charityrennen Race4Hospiz auf der Daytona Kartbahn in Essan am 29. Februar 2020.

Wendel ist zwischenzeitlich Geschäftsführer seines Unternehmens getquu GmbH, welches sich ebenfalls voll dem virtuellen Motorsport verschrieben hat. getquu steht für „get quality“ – dies umschreibt bereits die Firmenphilosophie. Seine Firma mit Sitz in Remscheid hilft mit kompetentem know-how bei allen Belangen um eSport, von der Teamgründung, der Planung und Durchführung von Events bis hin zur Moderation und dem Streaming ebendieser Veranstaltungen.

Auf seinem Linked-In Kanal schildert Manuel Wendel ausführlich, was ihn zum Simracing brachte und worin er den Reiz dieser anerkannten Sportart mit Zukunft sieht. Er hat LSR-Freun.de freundlicherweise die Erlaubnis gegeben diesen Artikel in unserem Magazin zu übernehmen, um unseren Leserinnen und Lesern die Simracing-Sparte näher zu bringen.

Manuel Wendel
Foto: L. Rodrigues

Was ist Simracing eigentlich und was macht es so besonders?

Simracing, eRacing, eMotorsport oder wie auch immer das Thema genannt wird – ja, leider fangen viele an neue Begriffe ins Spiel zu bringen was alles etwas unübersichtlicher für Außenstehende macht.

Vorab möchte ich noch darauf hinweisen, dass Simracing die Begrifflichkeit ist, welche vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) offiziell und anerkannt die Disziplin im Motorsport auf virtueller Seite beschreibt. Ferner ist dies auch die internationale Bezeichnung und war bis vor Kurzem auch der einzige Begriff.

Beginnen wir aber erstmal ganz am Anfang:

Wie für sehr Viele, war auch für mich der Traum ein Rennfahrer zu werden in meiner Kindheit sehr groß. Rennen wurden mit Bobbycars, Kickboards, Skateboards, einfach mit allem was Räder hat gefahren. Aber nicht nur draußen waren meine Freunde und ich immer im Racingfieber, sondern als wir älter wurden auch am PC und an der Konsole. Das der Sonntagmittag fest für die Formel 1 reserviert war ist logisch. Im Grunde ging es immer darum der Schnellste zu sein, neue Herausforderungen zu suchen und immer besser und schneller zu werden und dies egal ob real oder virtuell.

Die ersten Sätze könnten die Einleitung von einer Biographie eines Formel 1 Fahrers sein. Wie sicherlich bekannt ist, bin ich allerdings keiner der 20 Piloten die in einer der bekanntesten Rennserien der Welt unterwegs sind. Nein ich bin nicht mal in Einer der nicht so bekannten Rennserien wie z.B.: der VLN / NLS am Steuer eines Fahrzeuges sitzt. Wieso dies so ist? Einer der großen Punkte ist das Geld. Auch wenn mir als Kind wirklich viel ermöglicht wurde – Aktiver Motorsport ist sehr kostenintensiv. Allein ein Jahr im Kartsport kann schnell 50.000 EUR oder mehr kosten. Da dies mehr ist als die meisten im Jahr Brutto verdienen und wir von einem Nettobetrag reden, wird gleich deutlich, dass dies ein sehr selektiver Sport ist.

An genau diesem Punkt kommt nun Simracing ins Spiel. Simracing bietet mir und sehr vielen anderen die Chance genau das zu erleben was sonst nicht möglich wäre – das Erlebnis Autorennen zu bestreiten für einen Bruchteil der Kosten, mit einem sehr geringen Verletzungsrisiko und das zu jeder Zeit, das gesamte Jahr über. Ich kann an Rennen teilnehmen ohne Reisekosten zu haben und fahre dennoch international gegen die Besten. Neben dem Fahren kann ich aber auch, sofern vorhanden, die Leidenschaft für das Technische ausleben und durch Telemetriedaten der Renningenieur oder auch der Chefstratege sein. Mich persönlich hat es bekanntermaßen an das Mikrofon gezogen und ich wurde über die letzten 5 Jahre eine der Stimmen im Simracing für den deutschsprachigen Raum und einer der Wenigen, der auch den Weg in den realen Motorsport gefunden hat. Letztendlich haben mich diese Tätigkeiten sowie meine Simracingerfahrung der letzten 9 Jahre zu einem Unternehmen geführt (getquu GmbH) welches sich auf die Beratung und Betreuung von Unternehmen spezialisiert hat, welche im Simracing aktiv sind oder werden wollen.

Wieso ich auf diese ganzen Punkte eingehe? Dies soll aufzeigen wie viele Möglichkeiten Simracing bietet. Dies sind aber erst die Möglichkeiten die ich als Privatperson habe. Wir können das Thema Simracing natürlich noch von Unternehmerseite betrachten und hier zeigt sich dann gleich noch eine weitere Stärke von Simracing. Simracing ist der perfekte Einstieg in den virtuellen Sport, besser bekannt als E-Sport und auch der von mir bevorzugte Begriff. Simracing ist die zugänglichste Variante des E-Sport. Jeder von uns fährt Auto oder hat zumindest mal in einem Fahrzeug gesessen. Sprich ich erkenne sofort, dass es sich bei einem Simulator um die Hardware eines Fahrzeuges handelt. Ferner brauche ich keine langen Erklärungen. Wie das mit Gas geben, bremsen und lenken funktioniert kenne ich aus dem Alltag. Ich habe also (mit kleinen Ausnahmen wie der Schaltwippe) die gleichen Abläufe wie in meinem privaten Fahrzeug. Jetzt wird der ein oder andere das Argument bringen: FIFA kenne ich doch auch aus dem Alltag denn Fußball schaut spätestens bei einer WM doch jeder. Ja auch dies ist richtig, dennoch unterscheidet sich FIFA / eSoccer in der Bedienung. Schließlich spiele ich mit einem Gamepad, welches die Bewegungsabläufe eines Fußballspielers nicht wiederspiegelt. Dennoch möchte ich hier nochmals darauf hinweisen, dass für mich E-Sport dem klassischen Sport in nichts nachsteht und eine neue Art von Sport darstellt.

Um auf das Thema Unternehmen und Simracing weiter einzugehen möchte ich auf folgende Grafik eingehen:

Grafik Simracing als Marketinginstrument
Grafik: getquu GmbH

Wie wir schön erkennen können bietet Simracing drei grundlegende Varianten. Hier ist der Unterscheid zum E-Sport oder zum Motorsport auf den ersten Blick nicht zwingend zu erkennen. Der Unterschied ist im Detail zu finden. Wie nutze ich Simracing genau als Publikumsmagnet? Warum funktioniert das besser als beim klassischen E-Sport? Wie nehme ich hier gezielt und vor allem mit Erfolg aktiv oder auch passiv Teil? Das Besondere ist, dass ich, egal aus welcher Branche mein Unternehmen stammt, Simracing aktiv und für mein Unternehmen zum Vorteil einsetzen kann.

Das ein gewisses Budget Voraussetzung ist, möchte ich hier natürlich nicht unterschlagen. Der Einsatz von Simulatoren kostet mehr als der Einsatz von PCs und Monitoren, zieht aber natürlich auch mehr Aufmerksamkeit auf sich. Jedoch ist dieses Invest lohnenswert, wenn die Simulatoren richtig eingesetzt werden. Der Einsatz ist sehr individuell zu gestalten. In meiner Beratertätigkeit stelle ich immer wieder fest, dass eine Wahl „von der Stange“ nur bis zu einem gewissen Punkt möglich ist und wenn die Unternehmen die wirklichen Möglichkeiten erläutert bekommen zu 99 Prozent keine Standardlösung wählen. Dies nur mal als kurzer Ansatz zu Thema Simulatoren.

Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viele Unternehmen gesehen, welche sich im Simracing platzieren wollten. Viele von diesen haben versucht dem Einstieg selbst zu gestalten und auf die Bekanntheit des Unternehmens zu setzen. Diese Vorhaben waren, wie man sich vorstellen kann, nicht sehr erfolgreich. Auch finden sich immer mehr Agenturen, welche ihre Expertise im E-Sport oder Motorsport haben im Simracing wieder. Das hier gewisse Schnittpunkte aus beiden Welten vorhanden sind lässt sich nicht von der Hand weisen, dennoch ist Simracing komplexer als es aussieht. Simracing ist wie eingangs erwähnt, ein Überbegriff und beschreibt einen Bereich wie z.B. MOBA, Shooter, Strategie etc. Auch ist es wichtig zu wissen, wann man von Simracing spricht und wann nicht. Denn mit der Begrifflichkeit Simracing kann schnell eine falsche Zielgruppe erreicht werden. Das Wording ist wie so oft ein tragender Punkt und kann den Erfolg beeinflussen. Der Unterschied zwischen Simracing, Simcade und Arcade ist den wenigsten branchenfremden Personen bekannt. Auch einige Marketingagenturen haben den Ansatz Simracing als Marketinginstrument zu nutzen verstanden, allerdings die Komplexität nicht berücksichtigt.

Meine Erfahrung aus den Jahren als Kommentator, Berater und Speaker mit dem Fokus Simracing zeigen, dass es einen großen Unterschied machen kann wie und vor allem mit wem man sich in die Materie Simracing begibt. Am Ende macht es keinen Sinn, wenn ich als Unternehmen falsch einsteige – weder für das eigene Unternehmen und vor allem nicht für die potentiellen Kunden. Wir haben eine der dankbarsten, kauffreudigsten und finanziell stärksten Communities und diese sollte kein Unternehmer bzw. Unternehmen unterschätzen, geschweige denn verprellen.

Simracing ist Motorsport und E-Sport – doch ist es keines von beiden. Simracing ist eben Simracing.

Quelle: Manuel Wendel – Linked in

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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