Der AVIA Clio RS fuhr vor etwa vier Monaten nach dem Klassensieg in der H2 in den Parc Ferme am Nürburgring ein. Nach einem heißen Kampf mit dem Hauptkonkurrenten – dem Clio von Fivespeed – der bis kurz vor der Ziellinie offen war, sicherten sich Michael Bohrer, Gerrit Holthaus und Stephan Epp zum Saisonabschluss den begehrten Schinken zusätzlich zum Pokal.

Diesen Sieg und eine erfolgreiche Saison feierten das gesamte Team an dem Tag bis in die frühen Morgenstunden. Doch was passiert dann mit einem Rennauto, welches unversehrt und siegfähig die Saison beendete? Wird es bis zum ersten Lauf im Folgejahr eingemottet? Wir fragten nach und bekamen interessanten Einblick hinter die Kulissen der Mannschaft rund um den Franzosen, der in der Nürburgring Langstrecken-Serie inzwischen Kultstatus genießt.

AVIA Clio RS Gerrit Holthaus, Michael Bohrer, Stephan Epp
Foto: L. Rodrigues

„Auch wenn an einem Rennwagen augenscheinlich nichts kaputt ist und keine Rennen für viele Wochen anstehen, bleibt er nicht unbeachtet in einer Ecke der Garage.“ beginnt Fahrzeugeigner Gerrit Holthaus und wird konkreter: „Jeder Rennkilometer, besonders auf der Nordschleife, zehrt und fordert das gesamte Material. Somit war die Aufgabe für unseren Car-Chief Louis Walter recht schnell definiert: Revision sämtlicher Komponenten, vom Motor über die Achsen und Bremsen, das Getriebe und der Karosserie.“

Nun hat das Team kein Homebase im wirklichen Sinne. Der AVIA Clio RS wird am Nürburgring von derselben Mannschaft wie der aufkleben.de Clio betreut. Kopf und Organisator ist Stephan Epp, der zeitweise neben der Funktion als Teamchef sogar im Cockpit beider Autos ins Renngeschehen eingreift. „Wie bei vielen der ganz kleinen Teams ist bei uns die Grundlage, dass ein jeder das Hobby Motorsport lebt und das du dich mit Leidenschaft ins Team einbringst. Ein Jeder gibt was er kann und hat seine Kernaufgaben – am Ende steht dann hoffentlich ein erfolgreiches Team mit viel Spaß an der Rennstrecke.“ so Epp.

„Diese Aufgaben beginnen natürlich mit dem bereitstellen eines Autos. In unserem Team ist der AVIA Clio in der Nürburgring Langstrecken-Serie das Auto von Gerrit. Der AVIA Clio RS für das 24h-Rennen ist ein anderer Wagen, der ist meiner.“ erklärt der Teamchef. „Während ich mich um sämtlichen administrativen Kram kümmere – wie Anmeldungen, Sponsorengelder, Nenngeldzahlungen, logistische Fragen und der Organisation aller Helferinnen und Helfer, schaut Gerrit nach dem Rennwagen. Das passiert alles in unserer Freizeit, als Unternehmer mit Familie ist bei allen diese Freizeit natürlich sehr rar. Somit sind wir selbst bei vier Monaten Winterpause immer ausreichend beschäftigt. Wir haben das große Glück, dass uns AVIA seit Jahren inzwischen so zuverlässig unterstützt und sind hierfür auch sehr dankbar.“

Renault Clio RS Avia Racing Motorarbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Motorarbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Karosseriearbeiten
Karosseriearbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Karosseriearbeiten
Karosseriearbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Karosseriearbeiten
Karosseriearbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Karosseriearbeiten
Karosseriearbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Motorarbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Motorarbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Motorarbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Karosseriearbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus
Renault Clio RS Avia Racing Karosseriearbeiten
Motorarbeiten | Foto: G. Holthaus

Der dritte Pilot im Bunde, Michael Bohrer, kümmert sich unterdessen um Verbesserungen des Teamequipments wie die rollbaren Regale für die Box. Ebenso hat er die Verantwortung übernommen, den AVIA Clio von Epp für das ADAC TOTAL 24h Rennen 2020 fit zu machen. Was hier ansteht erzählt Bohrer später noch. Schauen wir nun erst auf den Clio von Holthaus und was mit ihm nach VLN 9 2019 passierte.

Nach dem Saisonfinale wurde er in die Werkstatt nach Erndtebrück gebracht. Dort kümmert sich Louis Walter als „one man show“ liebevoll und im Alleingang um den Rennwagen. „Louis ist ein unglaubliches Talent und mit viel Passion für das Auto am Werk. Er kennt es inzwischen inn- und auswendig und weiß auf was es ankommt.“ beschreibt Holthaus. „Noch vor Weihnachten begann er mit der Demontage und Analyse des Materials. Sorgfältig wie wir ihn kennen hat er aus einer Revision eine nahezu vollständige Restauration der Substanz gemacht.“

Walter demontierte den Clio nahezu vollständig. Während Holthaus das sequentielle Sadev Getriebe nach Ladbergen zur Fachfirma MTO brachte und dieses dort revidiert wurde, zerlegte Walter den gesamten Vierzylinder. Sorgfältig wurden alle Teile überprüft und beim Zusammenbau gab es Verbesserungen im Material wie Lagerschalen mit Verdrehsicherung. Als Resultat verspricht sich das Team ebenfalls eine weitere minimale Leistungssteigerung auf nun etwa 230 PS.

Die Karosserie des französischen Cup-Renners erfuhr in Lüdenscheid bei der Lackiererei Lauhoff eine Schönheits-OP am Vorderbau. „Schließlich fährt und schraubt das Auge ja auch mit!“ scherzt Holthaus. Seit Mitte Februar finden nun alle Komponenten wieder zusammen. Hier wird ebenfalls sorgfältig Wert auf die richtigen Teile gelegt. Vorderachse, Bremsen und vieles mehr wird ersetzt. Am Ende finden Motor und Karosserie wieder zusammen und der Clio wird technisch und optisch fast im Neuzustand erscheinen.

Gerrit Holthaus: „Louis gibt wiedermal 110% und mehr, um das Auto fit zu machen für 2020. Ich kenne keinen zweiten der mit einer solchen Leidenschaft, Können und Know How einen Clio aufbaut und revidiert. Vorab von meiner Seite ein riesiges Lob und Dankeschön. Im Prinzip hat er aus der Revision eine Restauration bzw. Teilrestauration gemacht. Louis hatte auch nach dem heftigen Unfall beim Qualifying des vierten VLN-Laufs 2019 in Windeseile den Clio wieder repariert. Ohne ihn wären wir nicht mit einem solch eindrucksvollen Saisonergebnis in die Winterpause!“

Renault Clio RS Avia Racing
Foto: Michael/Sebastian Bohrer
Renault Clio RS Avia Racing
Foto: Michael/Sebastian Bohrer
Renault Clio RS Avia Racing
Foto: Michael/Sebastian Bohrer
Renault Clio RS Avia Racing
Foto: Michael/Sebastian Bohrer
Renault Clio RS Avia Racing
Foto: Michael/Sebastian Bohrer

Stephan Epp ergänzt ebenfalls lobend: „Aus Fahrersicht ist es schon super zu wissen, dass Louis den Clio immer perfekt betreut. Aus Sicht des Teamchefs ist es wertvoll zu sehen, dass wir alle diese Leidenschaft und Liebe zum Motorsport haben und ich mich darauf verlassen kann. Nur mit solchen Menschen ist Breitensport möglich, hierfür kann man nicht dankbar genug sein!“

„Überhaupt haben wir ein ganz tolles Team hinter uns. Egal ob es die Eltern der Fahrer sind, die sich um die Verpflegung kümmern – mit der Hilfe der Fahrerfrauen – oder gute Freunde, die das Material in Schuss halten. Pavillons müssen aufgestellt werden, Räder und Reifen bedürfen besonderer Pflege und ein praktisches robustes Boxenmöbel wird auch benötigt. Hier ziehen alle an einem Strang und jeder bringt sich überobligatorisch ein. Auch hier möchte ich meinen Dank und die Wertschätzung aussprechen, unsere Erfolge sind auch weiterhin nur mit euch möglich!“ schließt Epp ab.

Zweites Auto – Ähnlicher Weg

Gerrit Holthaus und Michael Bohrer
Foto: L. Rodrigues

Optisch für die Fans kaum zu unterscheiden vom AVIA Clio RS in der Nürburgring Langstrecken-Serie und auch technisch sehr identisch ist der zweite Clio des Teams welcher beim ADAC TOTAL 24h Rennen startet. Auch diese „Brüllmücke“ erhält die nötige Wartung und Pflege. Hier kommt der dritte Pilot Michael Bohrer in die Verantwortung. Zusammen mit seinem Bruder Sebastian wird er in den Wochen vor dem Jahreshöhepunkt das Auto einmal zerlegen, pflegen und wieder zusammensetzen. Nach Jahren der Betreuung eines Clio-Motoren-Spezialisten wird in dieser Saison die komplette Motor- und Getriebeeinheit in Eigenregie revidiert.

Hier erklärt Epp: „Robin Barsun, im Alltag Informatik-Mitarbeiter der Wuppertaler Stadtwerke, hat sich über die Jahre beeindruckendes Fachwissen über die Clio-Motoren angeeignet und kümmert sich um die Technik des aufkleben.de-Clio sowie dem Motor des 24h-AVIA Clio. Was er sich da für Fähigkeiten angeeignet hat ist aller Beachtung wert. Wir hatten mit den bisherigen Fachbetrieben eher Schiffbruch erlitten – seitdem Robin diese Aufgabe übernommen hat fahren wir eine ganze Saison ohne nennenswerte Probleme mit allen Autos. Auch dank der Unterstützung von Torben Laschewski und Martin Stay sind wir an dem Punkt wo wir heute stehen angekommen.“

Was Bohrer genau macht beschreibt er so: „Das 24h-Auto bekommt teilweise einen neuen Kabelbaum. Sonstige Lötstellen und Kabel werden auf Haltbarkeit geprüft und gegebenenfalls getauscht. Mechanische Komponenten sowie Träger- und Achsteile schauen wir uns genau an, um den Clio robust genug zu machen, damit er zwei Mal rund um die Uhr durchhält. Auch der Motor wird durch einen neuen ersetzt und das Getriebe bekommt die notwendigen Wartungsarbeiten, um den Belastungen Stand zu halten. Robin, Torben und Martin haben sich mit unglaublichem Einsatz und Fachwissen mit eingebracht. Hierbei legen wir weniger Wert auf eventuelle Leistungssteigerung, sondern schauen, dass die Aggregate robust und verlässlich laufen.“

Als amtlich anerkannter Prüfer beim TÜV Rheinland, Prüfstellenleiter in Beckingen und ehemaliger Peugeot-Werkspilot weiß Bohrer sowohl technisch als auch fahrerisch auf was er den Fokus legen muss damit das Auto die Langzeitbelastung wettbewerbsfähig aushält.

Das Fazit von Stephan Epp zu den Arbeiten über den Winter: „Der Name des Renault Clio geht auf die griechische Muse der Geschichtsschreibung zurück. Wir alle leben den Kult um den Clio, damit definieren wir unser Team Ziel für 2020 auch so: Wir möchten in der H2 auch einen Teil der Geschichte schreiben. Wenn dann auch noch genügend Teilnehmer in der Klasse sind, besteht sogar eine kleine Chance, um die Gesamtmeisterschaft mitzufahren. Doch dies wird gegen stark besetzte Klassen wie der V4, VT2 oder dem BMW M240i Cup (CUP5) leider weniger möglich sein. Wobei keine andere Klasse so schön bunt besetzt ist wie die H2: Manta, Calibra, Jetta und Clios sind das Herzstück der Langstrecke am Nürburgring. Natürlich glänzen die GT3 oder GT4 immer besonders heraus, doch den Breitensport liefern wir!“

Teamchef AVIA Clio RS aufkleben.de Stephan Epp
Foto: L. Rodrigues

Final fügt Epp noch hinzu: „Neben der fahrerischen Leistung und dem technischen Punkt wird es 2020 auch auf eine clevere Strategie bei der Einteilung der Pflichtstandzeiten in der Box ankommen. Wir sind gespannt und haben bereits diverse Situationen und Taktiken durchgespielt. Das gesamte Team und das Auto sind somit quasi startklar und nun können wir es kaum abwarten, dass am 21. März die Saison endlich beginnt. Vorher halten wir die AVIA racing-Flagge am 29. Februar beim Race4Hospiz in Essen hoch, dort werden wir drei Piloten beim Charity-Rennen antreten. Allen Sponsoren, voran natürlich AVIA danken wir für die Unterstützung, nur mit dieser ist es uns möglich ein solches Projekt durchzuführen und den Fans die Rennaction zu bieten.“

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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