Der Motorsport hat schon so manch kuriose Sachen auf und neben der Strecke erlebt. Ein Beispiel war der Auftritt der „Spätzle Connection“ 2003/2004 bei den 24 Stunden am Nürburgring. Neben einem Porsche mit installiertem Laserlicht war das Team aus dem Schwabenland im Fahrerlager mit einem Schwarzwaldhäuschen und Statisten im Fasnet-Kostüm und den traditionellen Hexenmasken aus Holz, den sogenannten Larven der Original Hirrlinger Schloßhexen, vertreten.

Noch heute erinnert sich Bernd Albrecht gerne an diese Zeit zurück, in der es noch möglich war mit solchen Auftritten für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bernd Albrecht startet bis heute beim 24 Stunden Rennen am Nürburgring und es ging ihm immer darum Spendengelder für den guten Zweck zu sammeln. Für das Jahr 2020 wird er die White Angel Viper Ende September für Fly&Help wieder an den Start bringen.

Albrecht erinnert sich: „Der Laserporsche war ein Projekt von Dirk Baur und mir. Dirk kenne ich schon sehr lange wir fuhren 2001 und 2002 gemeinsam das 24h Rennen Da ich schon immer für einen guten Zweck angetreten bin fuhren wir damals zugunsten der Aktion Mensch mit Wolfgang Förster. Dirk Baur hatte bereits damals die Firma MediaLas die sich auf Laseranlagen für Veranstaltungen und Discotheken spezialisiert hatte. Kurzerhand entschieden wir uns, einen solchen Laser in das Auto einzubauen, das sah schon klasse aus.“

„Gestört hatte der Laser niemanden, da er flach in den Himmel zielte, ich denke die anderen Fahrer waren dadurch weniger abgelenkt als heute durch die flackernden Displays an der Frontscheibe.“, sagt Albrecht. „Also entschieden wir im Folgejahr da nochmals einen draufzusetzen.“

Bernd Albrecht N24h 2003
Foto: Archiv Bernd Albrecht

2003 legte die Spätzle-Connection dann zu, nicht nur mit vier Fahrern aus dem Schwabenland in Person von Dirk Baur, Bernd Albrecht, Tom Nack und Oliver Dutt, sondern auch mit einem Upgrade der Show: Nun waren auf der Beifahrerseite zwei Laserstrahler verbaut, für große Augen sorgte eine Nebelmaschine unter dem Auto in der Startaufstellung. Auch die blauen Perücken waren extrem auffällig.

Laser-Porsche 2004
Foto: Archiv Bernd Albrecht / RENN.TV

Dann gerät Albrecht ins Schwärmen: „Bereits das erste Laser-Auto 2002 war wunderschön anzuschauen. Du hast das Auto in der Nacht von nahezu überall schon aus der Ferne gesehen da der Laser in den Nachthimmel strahlte. Mit zwei Lasern war es nun doppelt so auffällig. Dieser Effekt, egal ob am Brünnchen oder anderen stark besuchten Stellen war eindrucksvoll. Durch den Rauch der Grills wirkte der Strahl sehr intensiv, die Fans ließen immer wieder Feuerwerk steigen, wenn wir vorbeifuhren.“ Es wird erzählt, dass man von der Nürburg aus den Laserstrahl durchgehend sah, die gesamten 25,4 Kilometer durch die Eifel. So wusste man immer wo die Spätzle-Connection gerade auf der Nordschleife unterwegs war.

N24h 2004
Foto: Archiv Bernd Albrecht

Doch damit nicht genug. 2004 mit Hitachi als Hauptsponsor brachten sie eine ganze Gruppe der „Hirrlinger Hexen“ in traditionellen Kostümen der Schwäbisch-Alemannischen Fastnacht mit den bekannten Masken aus Holz geschnitzt, an den Nürburgring. In diesem Jahr starteten Dirk Baur, Bernd Albrecht, Reinhard Schall und Wolfgang Hönscheid im Laser-Porsche.

N24h 2004
Foto: Archiv Bernd Albrecht

Der Teamstand an der Pitwall wurde im Stil eines Schwarzwaldhaus aus Holz gehalten, von dort aus begann der DSF sogar seine Liveübertragung des Rennens. Konsequent und stilecht servierte das Team in seiner Lounge über der Box auch Köstlichkeiten der Württembergischen Küche. Spätzle, Linseneintopf und Saitenwürste waren neben Maultaschen oder Zweibelrostbraten geboten. So manche Flasche Trollinger sei geflossen wird erzählt.

„Es war eine unglaubliche Show, die es so noch nicht gab und leider wohl auch nicht mehr geben wird.“, erinnert sich Albrecht. Auf das Rennen selbst blickt er gerne zurück. „Das Auto ging unglaublich gut, wir kämpften mit unter den Top 20, hätten wir das Modell beim Erscheinen auf dem Markt in den 90er Jahren eingesetzt wäre es wohl zu einem Gesamtsieg fähig gewesen. Dieser Auftritt und das Rennen, bleiben mir für immer in Erinnerung.“

Albrecht betont, dass ein solcher Laser in keiner Weise die Gesundheit schädigen kann, denn anders als beispielsweise medizinische Laserstrahlen ist ein Disco-Laser lange nicht so gebündelt, nicht Mal wie ein moderner handelsüblicher Laser-Pointer. „Wenn es aktuelle Regularien erlauben würden, wir wären sofort wieder mit einem Laser-Auto dabei. Der Gedanke an eine in den Himmel strahlende „White Angel Viper“ ist doch charmant, oder?“, schließt der Hirrlinger ab.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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