Preiserhöhungen sind üblich – solange diese moderat und begründet sind. Ein gewisser Mehrwert wird gerne bezahlt. Doch die neuen Nenngelder für die NLS-Saison 2021 werden bereits heiß diskutiert, manche Klassen sollen nach Kalkulationen von Kollegen um bis zu 30% mehr hinblättern, um im Grid zu stehen. So werden auch die kleinen Breitensport-Teams zur Kasse gebeten, der Veranstalter begründet dies damit, dass es ab sofort vom Helikopter Bilder am Livestream bei allen Rennen gibt. Es macht sich Unmut breit, auch da die Kostenstruktur in einigen Passagen noch nicht transparent ist und Fragen offenlässt. Die üblichen Protagonisten redeten sofort vom Ende des Breitensports, verkündeten ihr Fernbleiben bei der Serie (obwohl diese Kritiker schon 2020 nicht mehr im Feld auftauchten), sahen den Untergang der kleinen Teams und warfen der VLN vor diese wieder nur melken zu wollen.

Das Thema ist sicher heikel und sollte beleuchtet werden. Dem Veranstalter jedoch vorzuwerfen, es gehe nur noch darum, so viel Profit wie möglich zu machen, die kleinen privaten Teams rauszuekeln und eine Herstellerserie anzustreben, ist jedoch auch nicht gerecht und nachvollziehbar. Neben den gängigen Kritikern taucht nun der sonst eher stille Manta-Inhaber Beckmann auf.

Screenshot Leserbrief Olaf Beckmann
Foto: Screenshot Leserbrief Motor Sport aktuell / Facebookpost

In einem Leserbrief bei Motorsport aktuell schreibt Olaf Beckmann, dass er nach dieser Saison, wenn weiterhin der Eindruck entsteht, dass die kleinen Autos nicht mehr erwünscht sind, ernsthaft überlegt, den Opel Manta in der Klasse H2 nicht mehr einzusetzen. Nicht nur der Manta, auch die Renault Clio RS in der Klasse genießen inzwischen Kultstatus bei den Fans. Doch wird dieser Kultstatus dann auch aus der Luft übertragen, oder wird nur die SP9-Kampfspitze zu sehen sein? Aus diesem Grund sprachen wir mit Teams aus der H2 und baten die VLN um eine Stellungnahme.

Beckmann ist bekannt für sachliche Aussagen und zeigte sich im letzten Jahr auch verständnisvoll gegenüber den Maßnahmen der VLN, um die Rennen mit Hygienekonzept durchzuführen. Aufbrausende Reaktionen passen nicht zu seinem Norddeutschen Gemüt und als Geschäftsmann mit jahrzehntelanger Erfahrung kann er kalkulieren. Seine Teilnahme beim ADAC TOTAL 24h-Rennen 2020 sagte der Hamburger ab, begründete diesen Rückzug nachvollziehbar mit fehlenden Teilen und keiner Testmöglichkeit mehr für den reparierten Kissling-Renner mit Fuchsschwanz. Er betonte, dass es nichts mit den fehlenden Fans oder den strengen Corona-Maßnahmen zu tun hatte, als Teamchef hat er auch die Verantwortung dafür, dass alle gesund bleiben.

Olaf Beckmann Opel Manta

Beckmann sagte: „Neben dem Sicherheitsrisiko ohne Tests in ein solches Langstreckenrennen zu gehen, wären wir ja zur Lachnummer geworden, wenn der Manta nach einer Stunde vielleicht ausgefallen wäre. Das hätte das Team demotiviert und nur viel Kosten verursacht. Den Schritt beschlossen wir gemeinsam und wir stehen bis heute dahinter.“

Das Kostenthema führte auch dazu, dass Beckmann seine Gedanken an Motorsport aktuell schickte, nachdem er den Beitrag von Frau Leppert in der Ausgabe 09/2021 zur Kostenentwicklung las. Nun äußerte er sich im Leserbrief durchaus kritisch und meint, dass die Serie auf dem Weg ist, nur noch für GT3-Teams, TCR Fahrzeuge und Clubsport-Rennwagen wie dem M2 CS attraktiv zu werden. Die seit Jahrzehnten teilnehmenden Teams mit den selbst aufgebauten Autos und Exoten wie dem Opel Manta, VW Corrado oder E30 und E36 BMWs werden sukzessive verdrängt, da solchen Teams die Kosten weglaufen und in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage die Findung von Sponsoren enorm schwer ist. Doch genau diese Klassen machen die Seele der Serie aus. Die NLS bzw. vorher VLN lebt davon, dass die faszinierenden GT3 Teams sich das Rennen mit weiteren Klassen teilen. Die bunte Mischung aus Cup-Fahrzeugen, Prototypen in der SPX wie der Glickenhaus oder Testträgern in der AT-Klasse und eben die Zweikämpfe der Clios mit dem Manta und anderen „Breitensport“-Autos sind ein Alleinstellungsmerkmal der NLS, neben der einmaligen Rennstrecke in der Eifel. Gerne wird von der NLS kommuniziert, dass bei den bis zu 170 Teilnehmern immer mehrere Rennen im Rennen ausgetragen werden. Das lieben die Fans und sorgte für stetes Interesse an der Serie.

Opel Manta NLS 2020
Foto: L. Rodrigues

Olaf Beckmann sagte gegenüber LSR-Freunde: „Was wir seit zwei Jahrzehnten machen, ist Breitensport, jedoch auf Profi-Niveau. Die Rennen und alle anderen Kosten trage ich aus meiner privaten Tasche, das machte ich aus Leidenschaft und bin bereit, solange ich kann, dies auch fortzuführen. Doch wenn mir immer mehr intransparente Kosten aufgelegt werden, komme ich an den Punkt zu überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, den Manta ins Museum zu stellen.“

Peter Hass, Olaf Beckmann
Foto: L. Rodrigues

Die veränderte Kostensituation fiel auf, da Beckmann sich als Fahrer in der H2 und seinen Freund und Mitfahrer Peter Hass sich ebenfalls als Fahrer in der SP3 eingeschrieben haben. Um flexibel zu sein und in der jeweils stärker besetzten Klasse zu starten, mit jeweils einer permanenten Startnummer. Dabei fiel auf, dass im Jahr 2020 die Vergabe der permanenten Startnummer in der Fahrereinschreibung enthalten war. In 2021 gibt es die permanente Startnummer nur bei einer Teameinschreibung. Dadurch entstehen Mehrkosten von 1300.- Euro (1600.- abzüglich 300.- Rabatt bei gleichzeitiger Fahrereinschreibung).

Opel Manta N24h ADAC Total 24h Rennen Nürburgring 2019
Foto: M. Brückner

Dazu erklärte Beckmann: „Es geht uns nicht nur um Meisterschaftspunkte bei einer doppelten Einschreibung. Wir haben da auch den praktischen Nutzen in der Vorbereitung zum 24h-Rennen. Denn dort müssen wir in der SP3 starten, da es die H2 nicht mehr gibt. In der SP3 ist das Mindestgewicht jedoch um 70 kg höher, also ungefähr das Gewicht eines Beifahrers. Daher möchten wir ein NLS Rennen in dieser Klasse starten, um das Fahrwerk Setup auszuarbeiten. Es macht einen Unterschied, ob du mit 950 kg fährst oder mit 1020kg.“

Abschließend betont Beckmann: „Ich möchte auf keinen Fall eine Spendenaktion nach dem Motto „Rettet den Manta“ oder ähnliches anstoßen. Uns muss niemand das Hobby finanzieren, das wäre unmoralisch. Wenn ich es mir nicht mehr leisten könnte oder wollte, bin hier eher konsequent zu sagen, dass wir dann das Projekt beenden und nicht auf Teufel komm raus weitermachen müssen.“

Weitere Stimmen von H2-Teams

aufkleben.de Renault Clio NLS 2020
Foto: L. Rodrigues

Wir unterhielten uns, um ein möglichst breites Bild zu bekommen, mit weiteren Teams aus der H2-Klasse. Stephan Epp, der Kopf von aufkleben.de Motorsport sieht es etwas differenzierter, er sieht jedoch auch die wachsenden Kosten als Gefahr für viele der kleinen Teams. Seine Mannschaft trat die letzten Jahre mit dem auffälligen orangenen Clio an. Der Wuppertaler sagte: „Generell denke ich, dass die Pandemie auch einige Kosten mit sich bringt, die irgendjemand tragen muss. Letztendlich können wir nur Rennen fahren, wenn das Konzept wieder stimmt. Auch wenn es um kleine Teams geht, sind die Initiatoren dieser Teams ja nicht bettelarm. Es ist in jedem Fall ein luxuriöses Hobby. Ich habe trotzdem Verständnis, dass man die Kosten im Sinne des Breitensports stark im Auge haben muss! Darauf sollte auch zukünftig stark geachtet werden. Die VLN darf nicht den bestehenden Charakter verlieren, das wäre fatal.“

Stephan Epp und Gerrit Holthaus
Stephan Epp und Gerrit Holthaus Foto: L. Rodrigues

Ebenso Gerrit Holthaus, der aktuell seinen Renault Clio RS vorbereitet, um mit einem eigenen neuen Team die Saison 2021 zu bestreiten, hat Bedenken, dass das Helikopter-Argument die höheren finanziellen Belastungen wett macht. „Eine moderate Anpassung der Gelder ist sicherlich legitim, auch da diese in den vergangenen Jahren recht stabil waren, zumindest in unserer Klasse. Den Mehraufwand mit Hygienekonzept muss auch wer bezahlen – da liegt es nahe, dass wir das als Rennfahrer und Teams sind, die dafür aufkommen – denn Einnahmen durch Zuschauer sind ja fast komplett ausgeblieben. Das sehe ich ein und war schon im letzten Jahr von dem Konzept begeistert. Wir wollen unseren Sport betreiben und die Rennställe überleben auch nur, wenn es aktiven Motorsport gibt. Aber immense Steigerungen können einige nicht kompensieren – die Sponsorensituation ist sehr kompliziert.“, sagte Holthaus.

Symbolbild Kamera-Helikopter NLS 2020
Foto: L. Rodrigues

„Den Mehrwert mit dem Helikopter sehe ich für uns kleinen nicht, den können wir Sponsoren auch nicht glaubhaft darlegen, um ein höheres Budget zu bekommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die GT3- und GT4-Zweikämpfe verfolgt, ob die Regie jedoch den Heli über unser Auto dirigiert, weil wir uns gerade gegen einen Klassenkonkurrenten wie die Overbecks die Seele aus dem Leib fahren, wage ich zu bezweifeln. So auffällig könnte ich mein Clio-Dach nicht bekleben, um da oft und lange ins Bild zu kommen. Wie häufig ich in über vier Stunden Livestream dann mein Auto von oben sehen kann, dürfte im Sekundenbereich sein, das ist für mich und meine Sponsoren kein Zugewinn“, erklärte der Fahrer aus Lüdenscheid.

Auch die von der VLN verkündete Gutschrift nach der Teilnahme bei allen Saisonrennen ist für ihn nicht transparent. So wird das Nenngeld von 1600.- zum Saisonbeginn fällig und es sollen 50% bei erfolgter Teilnahme an allen neun Läufen gutgeschrieben werden. „Doch was ist eigentlich, wenn wir Verunfallen?“, fragt Holthaus. „Angenommen an dem Doppel-Wochenende im Juli ist samstags dein Auto in einen schweren Unfall verwickelt und der Start am Sonntag nicht möglich, dann wärst du schon aus der Rückzahlungs-Regelung raus. Ein Getriebe oder Motor können wir über Nacht auch als kleine Mannschaft wechseln. Aber schwere Karosserieschäden bekommen selbst die großen Player in nur zwölf Stunden eher nicht instandgesetzt – zack, das war es mit der Gutschrift. In unserer Klasse reden wir da schon um einen Satz ordentlicher Reifen, die wir für das Geld anschaffen könnten.“

Der Tenor aller drei Teamchefs ist, dass es nicht darum geht, gegen die Veranstalter Stimmung zu machen, alle wünschen sich nur mehr Transparenz und dadurch mehr Planungssicherheit auch über die anstehende Saison hinaus. Denn wenn selbst „alte Hasen“ nicht alles verstehen, wie sollte es den Fans gelingen, Verständnis für Änderungen aufzubringen? Ebenso betonten sie, dass sie sich auch unter Corona-Bedingungen auf die Rennen freuen und vorbereitet sind.

Das sagt Christian Stephani als Geschäftsführer VLN VV GmbH & Co. KG

Christian Stephani
Foto: DNLS Livestream

„Zunächst einmal ist die Einschreibung für kein Team oder Fahrer verpflichtend. Trotzdem gibt es für die Teilnehmer, die sich dafür entscheiden, viele Vorzüge. Es ist also falsch, hier von einer generellen Kostenanhebung zu sprechen. Darüber hinaus erhält man auch ohne Einschreibung bei der Abgabe der ersten Nennung eine Startnummer, die man für den Rest der Saison behält“, sagt Christian Stephani, Geschäftsführer VLN VV GmbH & Co. KG. „Olaf Beckmann hingegen stellt mit seiner Konstellation einen absoluten Ausnahmefall dar, denn neben ihm starten praktisch keine Teilnehmer mit einem Fahrzeug in zwei unterschiedlichen Klassen. Wir haben mit ihm zu dem Thema sehr ruhig und sachlich telefoniert und alle Unklarheiten beseitigt.“

Unterstütze LSR-Freun.de

Dir hat der Beitrag gefallen? Wir freuen uns über Deinen Support.





In eigener Sache:

Du hast den Beitrag bis zum Schluss gelesen? Hat er Dir gefallen? Wenn Du die LSR-Freun.de unterstützen möchtest, kannst Du das mit einem Abonnement bei SteadyHQ tun.

Damit hilfst Du uns, auch in Zukunft erstklassige Berichte, Dokumentationen und Reportagen aus der Welt der Langstreckenrennen zu erarbeiten und zu erstellen.

Unterstütze uns auf Steady

Die LSR-Freun.de sagen Danke!

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Avatar
Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
Kategorie: MagazinTags:
Fehler melden Über LSR-Freun.de ethische Standards
Jetzt kommentieren

Noch keine Kommentare vorhanden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.