Als am vergangenen Samstag beim 51. ADAC Barbarossapreis kurz nach 17:20 Uhr die Zielflagge geschwenkt wurde, stand es für das Team mathilda racing fest: Der vorzeitige Titel als TCR-Klassenmeister 2019 der VLN Langstreckenmeisterschaft ist gewonnen.

Neben konstanter Teamleistung über die gesamte Saison, profitierte die Mannschaft aus Köln rund um Michael Paatz auch von der nicht abreißenden Pechsträne des Konkurrenten Max Kruse Racing. Dort plagten den ehemaligen mathilda-Fahrer Andreas Gülden und WTCR Fahrer Benjamin Leuchter immer wieder Technikprobleme oder Unfälle.

mathilda racing gelang somit den Hattrick und sicherte sich seit 2017 mit dem Seat Cupra TCR mit der auffälligen „Spielkiste“-Folierung den Klassentitel. Mit seinen Fahrerkollegen Frederic Yerly und Roland Schmid, welcher in der Saison das Team ergänzte, gelang es Matthias Wasel fünf Mal ganz oben auf dem Podium zu stehen. Wir unterhielten uns mit dem Bergheimer Unternehmer.

Matthias Wasel
Foto: Thorsten Haas

Matthias, herzlichen Glückwunsch dir und dem gesamten Team zum Titel. Wie fühlst du dich?

Vielen Dank! Als Meister 2019 fühle ich mich natürlich sehr gut, vor allem wenn man so lange – über ein Jahrzehnt – darauf hingearbeitet hat wie ich. Mit meinen 58 Jahren ist das schon etwas tolles einen Klassentitel zu gewinnen, das war nicht leicht, auch wenn die TCR-Klasse dieses Jahr doch schwach besetzt war.

Du bist Geschäftsführer eines großen Kran- und Schwerlastunternehmen, in dem Bereich zählt Topspeed und Kurvenhandling normalerweise weniger. Wie kamst du zum Motorsport?

Wie so viele, kam ich durch meinen Herrn Vater zum Rennsport. Er war 1954 Deutscher Meister im Motocross und fing danach an mit Autorennen. Zu seinem engen Freundeskreis zählten Graf Berghe von Trips, auch Rolf Stommelen saß regelmäßig bei uns im Wohnzimmer. Somit war die Affinität zum Motorsport und besonders zum Nürburgring früh gegeben. So war ich lange Zeit bei den Youngtimern und in der SP3T Klasse der VLN Langstreckenmeisterschaft unterwegs.

Was führte dich zu Michael Paatz und mathilda racing?

Ich fuhr zu SP3T-Zeiten sehr oft Rennen gegen ihn, gelegentlich auch bei ihm im Team, wir kannten uns schon lange. In den vergangenen Jahren, in denen ich in den TCR Autos fuhr, ist mathilda racing natürlich immer mit ihren bekannten Fahrern wie Heiko Hammel und Andy Gülden aufgefallen. Sporadisch bin ich früher auch Autos von ihm gefahren.

Durch den Wechsel von Gülden zu Max Kruse Racing war dann ein Fahrerplatz im Top-Auto frei geworden, so war ich mir mit Michael Paatz auch schnell einig geworden. Ebenso kenne ich Heiko Hammel schon lange als Pilotenkollegen aus den Youngtimern, mit ihm fuhr ich auch die ersten beiden VLN Rennen dieses Jahr. Das es für Paatz und mich beiderseits eine gute Wahl war hat sich nun erwiesen (lacht).

Was waren deine bisherigen Erfolge? Welcher ist dir besonders in Erinnerung und warum?

So richtig ganz große Erfolge blieben bis zum Klassenmeister bisher aus. Viele zweite Plätze und einige Siege waren dabei, aber keine Titel. Bei den 24h-Classics gab es auch schon mehrere Podiumsplätze mit Heiko Hammel zusammen im Porsche 911 RSR und tolle Rennen.

Die Siege und Rennen in der SP3T mit dem Audi TTRS waren auch eine schöne Zeit mit Gegnern wie Raeder oder LMS mit Ulli Andree und Christian Krognes. Wenn du bei schlechtem Wetter mit einem zwei Liter Hubraum Auto bis unter die Top 15 der Gesamtwertung fährst macht das extremen Spaß die Dickschiffe hinter sich zu lassen. Bei einem 24h-Rennen war ich in strömendem Regen über eine Stunde lang unter den zehn schnellsten Autos im Feld. Da konntest Du das Grinsen unter dem Helm nicht mehr verbergen. Das war mit der schönste Rennwagen, den ich bisher gefahren bin.

Damit erübrigt sich fast die nächste Frage: Welches Rennfahrzeug bewegst du am liebsten über die Nordschleife?

Noch vor dem Audi TTRS ist das der Porsche 911 RSR Baujahr 1986 – aus dem einfachen Grund, es ist ein vollkommen pures Auto. Keine Servolenkung, Schalthebel, keinerlei Fahrhilfen und Leistung pur. Ein reinrassiges „Männerauto“.

Porsche 911 RSR #501 24h-Classic 2019
Foto: L. Rodrigues

mathilda racing gewann seit Einführung der TCR-Klasse 2017 in der VLN Langstreckenmeisterschaft alle Klassentitel. Aufgrund des Punktesystems der VLN war jedoch kein Gesamtmeister-Titel möglich da nur wenige Autos in der Klasse antreten, in der ein strenges Reglement bezüglich Technik und Pflichtreifen besteht. Einige TCR-Teams wanderten in die SP-Klassen ab.

Was denkst du könnte die „echte“ TCR Liga wieder mit mehr Konkurrenz füllen – und somit auch Gesamtmeisterpunkte ermöglichen?

Das Thema sehe ich etwas differenzierter. Wir hatten eine lange Zeit mit der SP3T eine mit 8-10 Autos große und tolle Klasse in der VLN, bis zur parallelen Einführung der TCR Klasse – mit den erwähnten engen Regeln. Dann auch zurzeit mit so wenigen Gegnern, diese sind dann aber gleich mit bekannten Namen wie Preisig, Gülden und Leuchter so stark besetzt, dass du da fast keine Chance hast. Das wird, mit der freien Reifenwahl und flexiblerem Setup, auch ein Grund sein warum viele Teams zwischenzeitlich wieder in die SP3T zurück gingen.

Beide Klassen nebeneinander sind für die Punkte der Gesamtmeisterschaft trotzdem irrelevant, daher wäre eine Lösung beide irgendwie zusammen zu führen eine richtige. Ansonsten geht gegenüber mehr 20 Startern in der V4 beispielsweise, nicht viel. Hier könnte auch, so als Anregung, eine Profi- und Amateurwertung wie in den oberen Klassen eingeführt werden.

Die VLN ist besonders in den letzten Jahren sehr professionell geworden, was nicht unbedingt negativ empfinde. Die Organisation, das Auftreten großer Teams und Fahrernamen ist schon toll, allerdings ist der so oft zitierte „Spirit des Breitensports“ nicht mehr so spürbar. Da entfernt man sich von den Amateuren, die Liga der Top Autos wird immer größer und schneller und die kleinen werden immer mehr „beiseite gerückt“. Es ist ein schwieriger Balanceakt den die VLN da geht – und die 28 V4 BMWs alleine stellen auch keinen Breitensport dar. Wobei diese Klasse vergangenes Jahr ja fast totgesagt wurde erlebte sie 2019 unglaublichen Zuwachs. Vielleicht geschieht das in der SP3T ja auch wieder.

Beim neunten VLN Rennen, dem 44. DMV Münsterlandpokal geht es bei euch nur noch um die Ehre – und den berühmten Schinken als zusätzliche Belohnung. Hast du das „Schinkenrennen“ schon einmal gewonnen?

Nein, den Westfälischen Schinken konnte ich noch nie gewinnen, das motiviert doch nochmal alles zu geben. Eine Spitzenplatzierung zum Abschluss einer solchen Saison sind wir auch dem Team und den Fans schuldig, ich freue mich schon darauf.

mathilda racing Seat Cupra TCR VLN 8 2019
Foto: L. Rodrigues

Vielen Dank Matthias! Verrate uns zum Abschluss noch, gibt es schon Pläne für die Saison 2020?

Konkrete Pläne gibt es (natürlich) noch nicht, erstmal schließen wir diese Saison noch ab. Ich würde mir aber sehr wünschen, wenn es kommendes Jahr mit dem gleichen Team und den Fahrerkollegen so weiter geht – möglichst auch mit den Ergebnissen (lacht). Dem Team mathilda racing, meiner Fahrerkollegen und Michael Paatz danke ich für diese tolle und erfolgreiche Saison, die beste Mannschaft die ich mir derzeit vorstellen kann.

Der neunte und letzte Lauf der VLN – das sogenannte Schinkenrennen – findet am 26. Oktober statt. Danach verabschiedet sich die VLN bis 2020 in die Winterpause.

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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