Herbert Schnitzer, einer der Gründerväter von Schnitzer Motorsport, hat ein bewegendes Jahr 2019 hinter sich. Im Januar verstarb der dritte seiner Brüder – Charly Lamm. Die Motorsportwelt – und ganz besonders Herbert Schnitzer sen. – traf dieser Verlust tief. Wir sprachen mit dem Motorsport-Urgestein über die abgelaufene Saison.

Herr Schnitzer, wie beschreiben Sie das abgelaufene Jahr aus Ihrer Sicht?

Ein wirklich schwieriges Jahr neigt sich dem Ende. In diesem Jahr habe ich den dritten meiner Brüder verloren und meinen Sohn ins eiskalte Wasser geschmissen indem ich ihm Anfang des Jahres als Team Manger eingesetzt habe. Zudem hat uns unser Investor so spät im Jahr und total überraschend eine Absage erteilt, damit haben wir nicht gerechnet. Eine Herzenssache für mich ist, Danke zu sagen, an mein ganzes Team, Ihr alle habt eine fantastische Leistung geliefert dieses Jahr! Eine neue Rennserie, Einsätze auf der ganzen Welt, mehrere 24h Rennen, einen neuen Teammanager, nur der super Zusammenhalt der Mannschaft hat es ermöglicht, bei all den Hürden und Herausforderungen nicht ein einziges Mal ein technisches Problem am Auto zu haben und überall auf der Welt einen maßstabsetzenden Auftritt hinzulegen. Wir sind wirklich eine fantastische Truppe!

In der abgelaufenen Saison sah man Sie nur selten an der Rennstrecke. Woran lag das?

Es ist schon richtig, dieses Jahr war ich auf den Rennstrecken dieser Welt nicht so präsent wie in der Vergangenheit. Unser Budget ist auf Kante genäht da wollte ich das nicht weiter strapazieren. Dennoch habe ich bei jedem einzelnen Einsatz mitgefiebert, mitgelitten und mich mit meinen Jungs und Mädels ausgetauscht. Klar wäre mir lieber gewesen, ich hätte mehr Rennen am Fernseher verfolgen können. Diese Internet-Livestreams sind schon eine ordentliche Hürde, für einen über 75-jährigen …

Wie sehen Sie die Saison für Schnitzer Motorsport aus Ihrer persönlichen Sicht?

In Bathurst hatten wir in diesem Jahr nur eine suboptimale Strategie. Damit haben wir leider keinen Podiumsplatz erreicht. Dennoch haben wir alles gegeben und das Rennen auf einem soliden fünften Platz beendet.

In Laguna Seca hatten wir das Glück auch nicht auf unserer Seite. Zu Beginn hatten wir mit einem – für uns – schwierigen Rennstart zu kämpfen. Später hatten wir dann einen Kontakt auf der Rennstrecke, der für uns zu einer Drive-through-Strafe führte. Damit war leider wieder kein Podiumsplatz drinnen. Mit dem fünften Platz waren wir dennoch zufrieden.

Das 24h-Rennen in Spa, in diesem Jahr, sehe ich sehr kritisch. Nach meiner Meinung kam die rote Flagge in der bei strömenden Regen zu spät. Vor allem zu spät für uns. Meine Leute sagten, wir hatten eine super Pace und ein Podium wäre absolut möglich gewesen. Das Ende vom Lied war: Wir hatten Kontakt im Regen in der Nacht und unser Fahrzeug war zu stark beschädigt, um weiterzufahren.

In Suzuka hatten wir ein fantastisches Qualifying. Mit P1 hatte niemand gerechnet. Durch einen Fehler bei der Mindestboxenstandzeit haben wir eine Durchfahrtsstrafe erhalten und damit wahrscheinlich den dritten Platz auf dem Podium verloren. Ich persönlich bin kein Freund von Mindestboxenstandzeiten, aber das macht man halt heutzutage so.

In Kyalami hatten wir eine suboptimale Strategie. Damit gab es erneut kein Podium für uns, sondern nur der Platz 7. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Ich hätte es unserem Team von Herzen gegönnt, auf dem Treppchen zu stehen.

Beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring hatten wir von Anfang an eine super Pace. Die Chancen auf ein Podium sahen vielversprechend aus. Allerdings hatten wir auch hier einen Kontakt mit einem Kontrahenten und unser Auto war irreparabel beschädigt. Mein Sohn meinte, auf dem Onboardvideo war eindeutig zu sehen, dass Timo alles richtig gemacht und keine Chance hatte das zu vermeiden.

In Macau hat Augusto Farfus hat einen sensationellen Job gemacht. Leider war gegen die Performance von Porsche und Mercedes kein Kraut gewachsen und wir haben mit Position vier das bestmögliche rausgeholt.

Ich hab’s am Anfang schon gesagt, meine Truppe hat eine super Leistung hingelegt, Mechaniker, Reifentechniker, Ingenieure und in der Organisation. Ihr habt das bestmögliche möglich gemacht.

Auch bei BMW möchte ich mich für die hervorragende Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken, und als alter Haudegen im Motorsport kann ich den Jungen Strategen auf den Weg mitgeben, nur wer wagt, gewinnt.
Nun schauen wir nach vorne und nicht zurück.

Gibt es ein persönliches Highlight im abgelaufenen Jahr?

Mein persönliches Highlight in diesem Jahr war eindeutig das Geschenk – Einen Tag nach meinem Geburtstag – mein Enkel Christian. Immer wenn ich ihn ansehe, lacht er mich an. Der Kleine ist mein ganzes Glück. Ich hoffe mein Sohn macht es besser als ich und nimmt sich mehr Auszeit vom Motorsport, um die Zeit mit seinem Sohn zu genießen.
Wie sieht die Zukunft bei Schnitzer Motorsport aus?

Für 2020 werden wir wieder unser Bestes geben, um mit BMW erfolgreichen Motorsport machen zu können. Leider bei weniger Rennen als in 2019. Am Nürburgring werden wir die ersten drei Läufe der Nürburgring Langstreckenserie, sowie das Qualifikationsrennen und das 24h-Rennen stemmen. Ab Mitte des nächsten Jahres dürfen wir dann mit BMW an einem neuen Rennfahrzeug arbeiten. Ich persönlich wünsche mir, dass mit dem neuen Rennfahrzeug auch ein neues Zeitalter für uns als BMW Team anbricht – mit vielen großen Erfolgen und wieder mit einer Wertschätzung als Werksteam, so wie wir sie viele Jahrzehnte genießen durften.

Vielen Dank, Herr Schnitzer. Ein Wort noch zum Schluss von Ihnen:

Ich möchte mich hier noch bei meinem Sohn bedanken. Ich sehe ganz genau wie viel Zeit, Energie und Herz er in das Team steckt in diesen wirklich schweren Zeiten. Ich bin sehr stolz auf ihn.
Ich wünsche allen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr. Wir sehen uns an der Rennstrecke.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner
Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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