Nach der langen Odyssee, von der wir im letzten Teil der Interview-Reihe berichtet haben, arbeitet Four Motors seit 2016 sehr erfolgreich mit Porsche zusammen. Thomas von Löwis berichtet im dritten Teil von der Partnerschaft und darüber wie er die Zukunft sieht.

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LSR-Freun.de:Hallo Tom, wir machen weiter im November 2015, als sich plötzlich auch ein Automobilhersteller ernsthaft für das das Projekt interessierte. Das war bei Porsche in Weissach. Was geschah da dann?

Thomas von Löwis mit Smudo
Foto: L. Rodrigues

Thomas v Löwis: Die Verbindungen zu Porsche Motorsport bestanden schon zu der Zeit, als wir in den Mustang ein Porsche-Fahrwerk verbauten. Mit den neuen Bauteilen und unseren Ideen trafen wir auf offene Ohren. Bei Porsche nahm man sich Zeit. Ich tauschte mich mit Ingenieuren aus und wurde ernst genommen. Dort lebte man tatsächlich die motorsportliche Unternehmenskultur noch Ich war bei denen natürlich der „Außenseiter und Paradiesvogel – der fliegende Baron halt…“, aber von unserem nachhaltigen Konzept waren sie begeistert.

Die Verbindungen bestanden seit 2006 und verfestigten sich über ein Jahrzehnt noch weiter. Anfang 2016 telefonierte ich mit Uwe Brettel,Vertriebsleiter Motorsport weltweit:. „Uwe, ich so einen GT4! Ich habe gelesen, die geplante Serie war in drei Tagen ausverkauft.Kannst du mir da helfen?“ Stille. Uwe Brettl dann: “ Du und dein Popstar – ihr kriegt so ein Auto! Wann brauchst Du es denn?“

Wir wollten das Auto natürlich rechtzeitig zu VLN 1 2016 fertig haben, um genügend Erfahrung für das 24h-Rennen zu sammeln. Unsere Sponsoren und Partner konnte ich natürlich sofort von der Strahlkraft von Porsche überzeugen, somit gab es auch finanziell ein „Go!“. Die ersten beiden VLN-Läufe war das Auto ja schon richtig gut unterwegs, verdammt schnell und hat Spass gemacht. Zum 24h-Rennen selbst haben wir den Cayman auch erst super durchgebracht, bis der Chef persönlich in der Morgendämmerung auf der Hohen Acht auf einer Kühlwasserspur ausgerutscht ist. (Hustet kräftig) Und wenn der Baron was macht, dann keine halben Sachen!

Das Auto war dann doch noch recht gut reparabel, durch die Hilfs-Rahmenkonstruktionen des Fahrwerks aus Aluminium hat die Karosse selbst nur „Beulchen“ abbekommen. Alles andere konnten wir richten.

Bei den folgenden Rennen konnten wir den Cayman Schritt für Schritt weiterentwickeln und immer bessere Rundenzeiten einfahren. Dies wurde auch bei Porsche wahrgenommen. Uwe Brettel kam dann auf mich zu und hat mich gefragt, was wir denn da eigentlich mit den Biofaser-Verbundwerkstoffen machen? Porsche war sichtlich interessiert an dem Thema. Es folgten Termine mit Porsche, dem Fraunhofer Institut, der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Seitdem läuft die Kooperation – mit großem Erfolg. Ich bin mir sicher, da wird noch einiges in Zukunft daraus entstehen. Four Motors testet die Bio-Werkstoffe im Motorsport. Durch die Höchstbelastungen und auch bei Unfällen kann man Vergleiche zu anderen Werkstoffen – zum Beispiel aus Kohlefaser – zeihen. Dadurch eignet sich so ein Ausdauerrennen für unsere Projektpartner natürlich hervorragend als Testlabor.

Sehr gerne würden wir sogar mehr Rennen diese Saison bestreiten, jedoch stoßen wir sowohl budgetär als auch terminlich an unsere Grenzen. Smudo sehr eingebunden bei „The Voice“, mit dem aktuellen neuen Album und der Tour. Die Fantas gehen zurzeit ja wieder ab wie „Schmidts Katze“. Smudo wurde von Journalisten sogar schon gefragt, ob er sich bei den vielen Terminen nicht inzwischen selbst entgegenkommt. Dabei ist Smudo in aller erster Linie natürlich immer noch Familienvater und in der Haupttätigkeit Musiker, was auf jeden Fall Vorrang hat.

Es blieb ja nicht beim Cayman als Entwicklungsfahrzeug, seit 2018 tritt Four Motors auch in der „Oberklasse“ der VLN an, mit einem GT3.
Gemeinsam mit unserem Hauptsponsor PURAGLOBE und Porsche haben wir entschieden, einen 911 GT3 Cup zu kaufen.
Zum 24h-Rennen und bei VLN 5 hatten wir Bundesministerin Julia Klöckner zu Gast beim Team. Das ist das erste Mal, daß sich eine Ministerin/ein Minister persönlich um „ihr/sein Projekt“ gekümmert hat. Da geht es natürlich um mehrere Dinge: Biobasierte Werkstoffe, aber in gleichem Maße auch um Bio-Ökonomie und die Reststoffe sinnvoll zu verwerten.
Auch unser leitender Ingenieur bei Porsche ist absolut davon überzeugt, daß es unabdingbar ist, Alternativen für die herkömmlichen Werkstoffe zu finden, die aus Erdöl gemacht sind, was bekanntlich ein begrenzter Rohstoff ist. Unsere Biowerkstoffe sind aus nachwachsenden Rohstoffen und mit den bisherigen Ergebnissen sind die Porsche-Leute sehr happy.

Es ist schon eine tolle Sache, wenn das Material im „Cradle-to-cradle-Prozess“ am Ende seinem Ursprung zurück geführt werden kann, jedoch muss es in der Zwischenzeit bei der Nutzung ja auch höchsten Ansprüchen gerecht werden– sei es nun in Sachen Stabilität, Lebensdauer oder was auch immer. Sicherlich ist da eine Kohlefaser-, Aramitfaser- oder Glasfaserverbindung, die Jahrhunderte überdauert und immer die gleiche Qualität hat, beim Ausblenden des Umweltaspektes das non plus Ultra. Wenn man auf der anderen Seite die Energie- und damit die CO2-Bilanz anschaut, ist unglaublich viel Energie nötig, um einen Kohlefaserstrang herzustellen und noch viel mehr Energie, um diese Stoffe wieder von der Erdoberfläche verschwinden zu lassen. Denn das bedeutet, dass ich einen Ofen benötige, der minimum 1.000°C hat.To make a long story short: Das brauchen wir alles nicht. Bisher sind alle Projektpartner überzeugt, dass wir zukunftsfähige Materialen entwickeln. Die Stimmen der Ewiggestrigen, die sagten „Das ist doch alles …dreck, Kohlefaser muss her!“ werden immer weniger. Diese Kritiker verstummten nach meinem Highspeed-Dreher eingangs der Döttinger Höhe. Da hatte ich mit der Fahrertür des GT3, welche inzwischen auch aus den Biofasern hergestellt ist, einen Leitplankenkontakt. Dieser wurde so abgefedert, daß bei der Karroserieanbindung die Scharniere verbogen waren, aber die Tür selbst heil geblieben ist. Die Ergebnisse aus dem realen Test überzeugen. Das ist der aktuelle Stand bis heute, so weit sind wir! Alles Weitere über die Zukunft wäre im Bereich der Spekulation.

Dann lass uns doch etwas spekulieren. Wie siehst Du die Zukunft zum Beispiel im E-Motorsport oder bei Straßenwagen mit rein elektrischem Antrieb? Neben dem „akkustischen Spaß“ eines Verbrennungsmotors birgt das Thema ja doch viel Streitpotential.

Auch die Zukunft einer Formel-E oder Elektroautos wird schöngeredet. Da muss mit Notstrom-Aggregaten die Batterie geladen werden, welche unter unglaublichem recourcenfressendem Aufwand hergestellt wurde. Von der Entsorgung dieser Akkus reden wir noch gar nicht. Die Teile können ja nicht einfach auf der Halde verscharrt werden oder im Meer versenkt werden. Mir fällt da immer der Satz ein: „Wozu Atomkraftwerke oder Kohlekraftwerke? Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.“ Dass für die Stromerzeugung und Speicherung weiterhin neue Ölquellen selbst in der Antarktis erschlossen werden und Rohstoffe aus Afrika oder Südamerika unter menschenunwürdigen Bedingungen geschürft werden, wird gerne unter den Teppich gekehrt. Über das Thema könnte man sich sicherlich 36 Stunden ohne Unterbrechung auslassen.

Die Formel-E ist ein Versuch, Elektromobilität attraktiv zu machen. Aber für mich ist fraglich, ob das die ultimative Lösung ist, solange keine anderen Batteriesysteme angeboten werden können. Bei der momentanen Entwicklung hinterlassen wir den folgenden Generationen eine kaputte Erde, auf der die Menschen nicht mehr überleben können. Die Natur selbst wird uns Menschen jedoch überdauern. Ich wünsche den nachfolgenden Generationen eine Erde, auf der es sich weiterhin lohnt zu leben. Obwohl ich eigentlich Berufsoptimist bin, fürchte ich inzwischen, dass die Menschheit schon an einem „point of no return“ ist und sich einige Entwicklungen nicht mehr aufhalten lassen.

Wir haben ein Riesenproblem was die Bevölkerungszahlen angeht. Auch sind die meisten Politiker nicht mehr in der Lage, weise und starke Politik zu machen, sondern schaffen es nur noch mit großer Mühe, das Tagesgeschäft abzuwickeln. Da ich unter den Löwis-schen Männer, die eigentlich nicht so alt werden, wohl eine Ausnahme bin, werde ich das noch eine Weile miterleben Aber immerhin bin ich nun auch schon über Siebzig und werde ich wohl irgendwann in einem Winkel des Universums zuschauen und feixend zu sagen: „Ich hab’s doch gleich gewusst, das wird nix mehr.“ (lacht) Spass beiseite, es geht um unsere gemeinsame Zukunft.

Bei der ersten Weltbevölkerungszählung 1954, da kam ich gerade in die Schule, waren es etwa 2,49 Milliarden Menschen auf der Erde. Inzwischen sind die 7 Milliarden längst überschritten, somit hat sich die Zahl in nur 64 Jahren verdreifacht. Spätestens bei etwa 11 Milliarden Bewohnern wird es eine Wasser-, Ernährungs- und Rohstoffknappheit mit ungeahnten Folgen geben, was sich ja heute schon in Hungersnöten und Flüchtlingsströmen ankündigt. Der Wirtschaft ist das aktuell noch egal, denn viele Menschen bedeuten viel Konsum und damit auch viel Umsatz. Egal welche Folgen kommen werden, es wird nur im Heute gedacht, denn irgendeiner verdient ja daran. Mir geht es darum,mein Stückchen dazu beizutragen, dass unser Planet lebenswert bleibt.

Thomas von Löwis, Smudo
Foto: L. Rodrigues

Ich sehe mich da auch überhaupt nicht als Anhänger von Verschwörungstheorien, aber einige Dinge sollte man kritisch hinterfragen und beleuchten. Letztendlich bin ich nicht gelassen, was aus dieser Welt wird. Die Spirale des Chaos dreht sich ja immer schneller, so leben wir 2018 in Deutschland schon seit dem 20. Mai auf „Kredit“ der Erde, was bedeutet, dass wir die Ressourcen der nächsten Generationen schon jetzt verbrauchen. Wir behandeln unsere Wohnung eigentlich wie Messies. Da bedarf es nicht einmal einem Despoten, der auf den roten Knopf drückt, um die Erde wie wir sie kennen komplett zu zerstören.

Jetzt sind wir doch inzwischen sehr weit vom Thema Motorsport abgeschweift, was aber bedingt durch unsere Firmenphilosophie und meine Ziele, nachhaltig zu entwickeln, nicht zu vermeiden war. Letztendlich bin ich froh und glücklich von meiner Seite einen klitzekleinen Beitrag zu einer „besseren“ Entwicklung beizutragen und hoffe, dies noch einige Zeit weiter zu dürfen. Reraffinierte Schmierstoffe oder Biokraftstoff werden von uns ja ebenso getestet, um auch da die begrenzten Erdölmengen effektiver und effizienter zu nutzen. Four Motors wird hoffentlich weiterhin einen Teil zur Forschung leisten können, momentan bin ich froh, endlich interessierte, engagierte und potente Unterstützer an meiner Seite zu wissen.

Somit sind wir mit dem Interview am Ende. Tom, es war einmalig beeindruckend und informativ, unterhaltend und spannend Deine Geschichte und Deinen Lebensweg zu verfolgen.

Sicherlich sehen nun einige Leser mehr als „nur ein Rennteam mit Promi“ in Four Motors – der Hintergrundist doch viel tiefgreifender. Herzlichen Dank für die Offenheit und Zeit.
Wir wünschen Dir und deinem sympatischen Team alles Gute und viel Erfolg bei den Plänen. Zum Saisonabschluss bei VLN Lauf 9 werden wir die Bioconcept-Cars wieder am Nürburgring sehen.

Erfahre mehr über Thomas von Löwis in den ersten beiden Teilen der Interviewreihe.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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