Mit dem Meistertitel in der TCR-Klasse wurde Andreas Gülden für sein Können und Siegeswillen belohnt. Mit fünf Klassensiegen und zwei zweiten Plätzen und somit mehr als 11 Wertungspunkte mehr, verwies er die drei Norweger vom Team Moller Bil auf den Vize-Rang. Für LSR-Freun.de zieht der Chefinstruktor der Nürburgring Driving Academy Bilanz.

Andreas Gülden Heiko Hammel Mathilda Racing Seat Cupra TCR
Foto: L. Rodrigues

LSR-Freun.de: Hallo Andy. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Titel! Es war in der TCR-Klasse ja eine spannende Saison, wie siehst Du diese nun knapp eine Woche später im Rückblick?
Andy Gülden: Was soll ich da mehr sagen als – es war eine geiles Jahr mit vielen anstrengenden und aufregenden Rennen. Jeder Lauf war für sich eine Herausforderung, aber auch sehr cool.

Den ersten Klassensieg dieses Jahr bei VLN 2 hast Du ganz alleine eingefahren. Schon mancher Fahrer hat ein vier Stunden Rennen alleine gemeistert, jeder Mensch hat ja auch „persönliche Bedürfnisse“?
Ja, also tatsächlich hatte mir ein Mechaniker vor dem Rennen eine „Seniorenwindel“ von seinem Schwiegervater mitgebracht, obwohl es sogar eine frische war habe ich diese nicht angezogen. Man schwitzt doch sehr viel in der Zeit, daher hatte ich zumindest das Problem nicht. Ich hatte vorher sogar mal eine Yoga-Stunde gemacht, das ist normalerweise nichts für mich, war aber gut. So konnte ich mit dem „Sonnengruß“ im Kopf und einer bewussten Atmung durchstehen.

Auch das ist natürlich Quatsch, am meisten half die stetige Unterhaltung über das Teamradio mit der Box. Es half doch besonders im Mittelstint wenn da Witze und Sprüche rüber kamen um durchzuhalten. Schwierig war zudem, dass ich da keinen direkten Gegner um mich herum hatte und somit mein Rennen quasi alleine auf der Strecke fuhr. Aber auch die Erfahrung selbst und der Siegeswille beflügeln einen die ganze Zeit, da ich ja lange auf P1 das Feld anführte. Hintenraus beim Schlußstint habe ich in der Ferne einen GT4 erkannt, auf dem saß der Patrick Simon. Das nahm ich dann noch als persönliche Herausforderung, um zu sehen ob ich an den noch ran komme. Ohne zu viel zu riskieren nahm ich das als extra Motivation, um mich nochmals zu pushen. So flog die Zeit – und schwupps – war das vier Stunden Rennen auch um.

Andreas Gülden Heiko Hammel Mathilda Racing Seat Cupra TCR
Foto: L. Rodrigues

Ein weiteres Bedürfnis ist bei Dir sicherlich auch das Rauchen. Zahlreiche Bilder mit qualmendem Helm kreisen ja inzwischen in den sozialen Netzwerken. Wie kamst Du mit dem Drang nach Nikotin klar?
Das ist natürlich ein „heikles Thema“. Wir haben für die zwei Boxenstopps sogar extra eine spezielle Choreografie trainiert. Einer lenkte die Sportwarte ab (lacht), ich bekam erst die E-Zigarette ins Auto gereicht, da konnte ich dann zwei mal dran ziehen, danach gab es erst den Müsliriegel. Wenn dann der Tank noch nicht voll war nochmals was zu rauchen… Wobei der Müsliriegel war auch eine Hilfe über die Distanz zu kommen. Das Ding hatte schon so eine faserige Konsistenz, somit war ich nach dem Boxenstopp auch noch mindestens drei Runden damit beschäftigt nebenher sämtliche Fitzel aus den Zahnlücken zu pulen.

Das sind Geschichten wie sie nur ein Andy Gülden zustande bringt. Zu VLN 6 bist Du mit Alex Autumn neben dem Stammplatz im Mathilda Seat TCR auch im Porsche GT3 gestartet. Wie kam es dazu?
Mit Alex bin ich ja schon früher zusammen Porsche beim 24h-Rennen gefahren. Einem Doppelstart in dem Auto konnte ich natürlich nicht widerstehen. Ein 911er ist noch immer so mit das geilste Auto für die Nordschleife und Alex ein toller Teamkollege, den ich gerne unterstützte.

Andy Gülden Alex Autumn Teichmann Racing Porsche 911 GT3 Cup
Foto: L. Rodrigues

Dann kam zum vorletzten Lauf der Saison das Revival des „Güldenen Leuchters“. Das Duo Benny Leuchter und Andy Gülden, wie im Vorjahr auf einem Auto.
Nachdem Benny seine Saison außerhalb der VLN fuhr und diese zu Ende war, freute ich mich doch, dass er zurück zur Nordschleife kam. Benny ist ein verdammt schneller Mann und prima Teamkollege. Wir passen sehr gut zusammen. Schon 2017 in der Whatsapp-Gruppe von Mathilda setzte er das Feuer-Emoji unter fast alle Nachrichten, wir waren ja Feuer und Flamme im TCR. Daher machte das Team auch die sechs Flammen neben die Namen, für die bisher eingefahrenen Podestplätze bis dahin.

Andy, vielen Dank soweit für die kurzweilige Unterhaltung. Wir werden ein ausführliches Porträt von Dir und Deinem Werdegang in den nächsten Tagen bringen. Welche Pläne hast Du bisher für 2019?
Ich mache heute erstmal die letzten Taxifahrten im „Grünen Biest“, dann beginnt die Nacharbeit bzw. die Vorbereitungen für nächstes Jahr in der Nürburgring Driving Academy. Das ist mein Hauptjob und ich liebe ihn. Pläne für kommendes Jahr gibt es so noch keine. Natürlich wird die VLN und das 24h-Rennen da dann oberste Priorität haben, aber dafür ist es noch zu früh.
Dem Team mathilda racing, meinen Fahrerkollegen Moritz Oestreich und Heiko Hammel, die einen Megajob auch gemacht hatten, den Fans und natürlich auch meinem Arbeitgeber möchte ich für eine geile Saison 2018 danken, ich hoffe wir sehen uns nächstes Jahr in alter Frische wieder!

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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