Über viele Jahre hinweg hat Sam Cobb Erfahrung als Motorsport-Fotograf in zahlreichen Rennserien gesammelt. Unter anderem ist er in der IMSA-Serie, in der IndyCar Series und in der NASCAR aktiv. Im Esports Racing hat sich Cobb innerhalb der vergangenen Monate ebenfalls einen Namen gemacht. Als VCO Fotograf ist er unter anderem bei den Rennen der Digitalen Nürburgring Langstrecken-Serie powered by VCO im Einsatz.

Im Interview gewährt Cobb einen exklusiven Einblick in seine Arbeit während eines virtuellen Rennens. Außerdem erklärt er die Vorteile, die das Esports Racing für ihn als Fotograf mit sich bringt, und verrät, welche Perspektiven ihm dabei am besten gefallen.

Sam, obwohl der reale Motorsport aktuell ruht, bist du sehr beschäftigt. Du bist in der IMSA iRacing Pro Series im Einsatz, machst Bilder beim ‚THE RACE All-Star Cup‘ und natürlich fotografierst du für die VCO bei den DNLS-Rennen und iRacing Specials. Hast du aktuell mehr Arbeit als in einer normalen Saison?

Sam Cobb: In Bezug auf die Anzahl der Rennen wahrscheinlich schon, da es Tage gibt, an denen ich bei mehr als nur einem Rennen im Einsatz bin. Das wäre im realen Motorsport natürlich nicht möglich, da man sehr viel Zeit auf Reisen verbringt. Da ich allerdings alles von zuhause aus machen kann, spare ich mir natürlich auch sehr viel Zeit im Vergleich zu einer normalen Saison.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Fotos und Videos von virtuellen Rennen zu machen?

Cobb: Das begann schon vor längerer Zeit. Ich spiele schon lange selbst Videospiele – und es war schon immer ein Teil des Spiels, dass man Screenshots davon gemacht hat, um sie seinen Freunden zu zeigen. Als BMW im vergangenen Jahr begonnen hat, sich verstärkt im Bereich Esports Racing zu engagieren, habe ich mich professioneller damit auseinandergesetzt.

Was ist aus deiner Sicht das Wichtigste in deiner Arbeit?

Cobb: Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass man sich selbst gut organisiert und von Mal zu Mal dazulernt. Ehe ich anfing, habe ich mich zunächst mit den Simulationen vertraut gemacht und mit der Mechanik, die hinter dem jeweiligen Kamerasystem steckt. Am Ende ist vor allem die eigene Organisation entscheidend für ein gutes Resultat.

Kannst du kurz beschreiben, wie ein Bild auf einer virtuellen Plattform aufgenommen wird?

Sam Cobb VCO
Foto: VCO

Cobb: Während eines Rennens habe ich zwei Bildschirme an meinem Computer angeschlossen. Auf dem einen Bildschirm sehe ich das Rennen, auf dem anderen sind die jeweiligen Ordner, in die ich Bilder und Videos aus dem Rennen lade. Ich gehe durch die Ordner, wähle die Dateien aus, die ich bearbeiten möchte, und verschiebe sie in einen weiteren Ordner, der mit einem zusätzlichen Laptop verbunden ist. Mit dem Laptop bearbeite ich die Fotos dann mit entsprechenden Programmen. Dabei müssen beispielsweise Grafiken aus der Simulation entfernt werden. Gleichzeitig muss ich natürlich auch das Rennen im Auge behalten, um nichts zu verpassen.

Wie lange dauert es, ein Bild zu bearbeiten?

Cobb: Das kann man pauschal schwer sagen und hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit mir zur Verfügung steht. Es gibt Bilder, die ich bis zu einer Stunde lang bearbeite. In der DNLS beispielsweise muss man hingegen sehr schnell sein. Hier fahren rund 60 Autos mit, und wir wollen am Ende immer mindestens zwei Bilder pro Auto haben. Ein Bild darf also nicht mehr als wenige Minuten dauern.

Das klingt nach einer Menge Aufwand. Aber umso besser, dass man im Esports Racing nochmal zurückspulen und eine Situation nochmal einfangen kann, oder?

Cobb: Absolut. Das ist einer der großen Vorteile, die der virtuelle Rennsport mit sich bringt. Das wäre im realen Motorsport nicht möglich.

Gibt es daneben noch Vorteile aus der Sicht eines Fotografen, die der virtuelle Rennsport mit sich bringt?

DNLS 2020
Foto: VLN/iRacing

Cobb: Aus der Sicht eines Fotografen ergeben sich ganz neue Perspektiven. Ich liebe es, so nah wie möglich am Auto zu sein, während ich fotografiere, weil es dem Bild eine völlig neue Dimension verleiht. Im realen Rennsport geht das allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. In der virtuellen Welt kann man hingegen auch auf der anderen Seite der Leitplanke stehen und ein Bild machen. Und natürlich kann man im Gegensatz zum realen Motorsport schnell zwischen den Orten, an denen man Bilder macht, hin- und herwechseln.

Ein weiterer Vorteil ist, dass du von zuhause aus arbeiten kannst, oder?

Cobb: Das stimmt. Ich kann mir meinen Arbeitsplatz so einrichten, wie ich es möchte. Bei realen Rennen ist man immer abhängig vom jeweiligen Media Center. Die Gegebenheiten dort sind immer unterschiedlich, von Rennen zu Rennen ändern sich viele Dinge. Hier habe ich meine gewohnte Umgebung und kann so die Abläufe optimieren. Und natürlich bin ich nicht so viel auf Reisen. Das ist auch mal ganz schön. Ich verbringe aktuell so viel Zeit mit meinem Hund wie schon lange nicht mehr.

Hast du einen Lieblingsplatz im realen Motorsport und gibt es diesen auch im virtuellen Motorsport?

Cobb: Ich habe definitiv ein paar Lieblingsorte im realen Motorsport, aber diese lassen sich nicht in die virtuelle Welt übertragen. In der realen Welt liebe ich Stellen, an denen man dem Betrachter ein Gefühl für die Geschwindigkeit geben kann. Das ist in der virtuellen Welt leider nicht so gut möglich wie im realen Motorsport. Was mir aber im virtuellen Motorsport sehr gut gefällt, sind die Bilder aus dem Helikopter und aus Drohnen. Bilder aus Helikoptern oder Drohnen hat man im realen Motorsport nur sehr selten, entsprechend versuche ich, es im virtuellen Motorsport umso mehr zu nutzen.

Wie nimmst du die Esports-Racing-Community im Allgemeinen wahr?

Cobb: Ich habe vor allem gelernt, wie engagiert die Menschen im Esports Racing sind. Sie fahren keine Rennen, um Geld zu verdienen, sondern es ist ihr Hobby – und entsprechend sind sie mit sehr großer Leidenschaft dabei.

Wie beurteilst du den aktuellen Boom im Esports Racing?

Cobb: Ich finde es großartig, welche Popularität dieses Thema inzwischen hat und wie die Aufmerksamkeit immer weiter steigt. Ich selbst bin auch schon lange aktiv, auch wenn ich nicht besonders schnell bin. Ich denke, der Rennsport hat hier im Vergleich zu anderen Sportarten einen sehr großen Vorteil.

Welchen?

Cobb: Der Wechsel von der realen in die virtuelle Welt ist nicht so groß. So ziemlich alle Fahrer haben bereits in der Vergangenheit in einem Simulator trainiert oder hatten sogar einen Simulator zuhause und können nun ihre Sportart virtuell weiterbetreiben. Was sie in ihrem Simulator machen, ist sehr nah an dem, was sie auch in der Realität machen. Das gilt im Bezug auf die Bewegungen und den gesamten Ablauf. Auch andere Sportarten finden virtuell statt, allerdings hat man einen Controller in der Hand und steuert so die Bewegungen in der virtuellen Welt. Das hat mit der eigentlichen Sportart von den Bewegungen her nicht sehr viel zu tun.

Der Rennkalender der DNLS powered by VCO

21. März, Rennen 1
4. April, Rennen 2
18. April, Rennen 3
2. Mai, Rennen 4
30. Mai, Rennen 5
13. Juni, Rennen 6
15. August, Rennen 7
17. Oktober, Rennen 8
14. November, Rennen 9

Quelle: Pressemitteilung VCO

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