Er ist aus der VLN-Langstreckenmeisterschaft nicht mehr wegzudenken. Seit 1994 ist der Opel Manta von Olaf Beckmann, betreut durch das Team Kissling fester Teil und Symbol des Breitensports. Über 140 Langstreckenrennen bestritt das Kultauto mit Fuchsschwanz. Neben Volker Strycek gehört Peter Hass zu den Stammpiloten. Er unterhielt sich mit LSR-Freun.de über die Saison 2018.

Opel Manta, Fuchsschwanz, Kissling Motorsport, Peter Hass, Olaf Beckmann, Volker Strycek, #617
Foto: L. Rodrigues

Hallo Peter, wir freuen uns das Du dir Zeit nimmst für unsere Leserinnen und Leser. Wie verlief das Jahr 2018 für Dich?

Hallo, also ein kurzes Resume der Saison geht erstmal schnell. Wir haben super angefangen mit einem Klassensieg. Danach kam eine lange und schwere Durststrecke voller Probleme. Das heißt wir hatten viele ungewöhnliche technische Ausfälle zu beklagen, inklusive beim 24h-Rennen was nach zwei Stunden schon für uns herum war. Wir waren auch selbst sehr geschockt, denn teilweise waren die Defekte doch sehr rätselhaft. Wir haben aber immer weiter gemacht und wenn möglich oder nötig weiter das Auto verbessert, so konnten wir uns zum Saisonende doch wider sehr gut darstellen. Wir waren froh, daß wir die letzten beiden Rennen dann mit viel Konkurrenz in der Klasse fahren konnten. Inklusive eines RCN 3-Stunden Rennen waren wir am Schluß noch zwei mal Klassensieger und zwei mal Zweiter, das stimmt uns doch zuversichtlich auf nächstes Jahr.

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Foto: L. Rodrigues

Da darf man natürlich nochmals gratulieren. Du sprichst von ungewöhnlichen technischen Ausfällen, was war da?

Zum Beispiel beim 24h-Rennen, die Geschichte mit dem mangelnden Öldruck. Wir hatten eine neu entwickelte und verstärkte Kupplungsglocke verbaut, nachdem wir vorher schon in diese Richtung einen Test mit Ausfall hatten. Vermutlich aufgrund eines Produktionsfehlers hat die Kupplungsglocke auf das Ausrücklager bzw. die Kurbelwelle gedrückt und die Kurbelwelle somit beschädigt hat und der Öldruck verloren ging.

Bemerkenswert ist ja auch, daß Ihr am Manta immer weiter entwickelt und testet. Man sollte meinen ein Fahrzeug mit nun fast 25 Jahren Einsatz sollte fertig und „perfekt“ sein.

Bleiben wir da beim Thema Kupplungsglocke. Ursprünglich verwendeten wir die serienmäßige Kupplungsglocke vom Manta 1.8 -Viergang Getriebe welche immer weiter geändert wurde da diese anscheinend sehr schwach war und immer wieder Probleme bereitet hatte. Nun hoffen wir über den Winter weitere Verbesserungen hin zu bekommen durch ein neu gefertigtes Teil.
Sich auf der erprobten Technik und den gefundenen Verbesserungen auszuruhen ist garnicht möglich und notwendig. Da wir doch immer wieder mit Materialermüdung usw. konfrontiert sind. Da es kaum noch Originalersatzteile gibt welche noch Verwendung finden können, zum einen weil diese nicht mehr passen und zum anderen weil diese nicht mehr verfügbar wären. Dadurch sind wir bis heute am entwickeln und somit können doch neue Probleme auch entstehen. Ein Stillstand wird es da nicht geben.

Eine Bestätigung, daß die Änderungen am Auto auch einen Fortschritt bedeuten sind ja auch neue schnellste Runden die wir konstant fahren konnten. Wir haben öfters die 9:20min gefahren oder unterschritten, das ist wirklich extrem flott für uns gewesen. Wir können mit unserem Wagen auch den modernen noch die Stirn bieten.

Fertigt Olaf Beckmann bzw. Kissling dann die Teile selbst, oder habt Ihr da Partner die liefern?

Wir verlassen uns da auch auf die üblichen professionellen Zulieferer wie Sandtler und ISA Racing zum Beispiel, welche die gängigen Ersatzteile in guter Qualität liefern. Jedoch gibt es auch Komponenten welche Olaf Beckmann mit fähigen Freunden in mühsamer Arbeit selbst herstellt.

Eine der Neuerungen in diesem Jahr war beispielsweise die gesamte neue Konstruktion der Hinterachse, welche wir aus Schweden bekommen hatten, mit einem negativen Sturz. Dies brachte dann auch zu Saisonbeginn mit, daß erstmal ausprobiert und eingestellt werden musste. Das dauert natürlich auch seine Zeit bis alles ausgecheckt wurde, aber am Ende sind wir mit der Neuerung doch sehr froh geworden, es hat alles gepasst.

Somit sind wir sehr zufrieden in die Winterpause gegangen. Es belastet ein Team doch, wenn man mit vielen offenen Fragen in die lange rennfreie Pause gehen muss, nicht nur das Zeitkonto sondern auch die Nerven. Das bleibt uns zum Glück dieses Jahr erspart.

Da kann sich das Team auf Anderes konzentrieren in der „Silly Season“ ohne Testfahrten. Wie verbringt der Manta seinen Winterschlaf?

Das Auto ist zur Durchsicht bei Olaf Beckmann zuhause bei Hamburg nahezu zerlegt. Der Motor ist bei Kissling zur Revision. Wir brauchen noch eine neue Abgasanlage – der Abgaskrümmer muß noch neu gemacht werden da es da auch zwischendrin Probleme gab. Auch das überlassen wir Jemandem der damit Erfahrung hat, da fängt man besser nicht selber an.
Weiterhin muss der Tank erneuert werden, der war jetzt auch schon sieben Jahre drin. Somit ist der Wagen quasi komplett auseinander gebaut, obwohl nichts kaputt war. Aber diese Winterpflege ist auch unerlässlich um das Auto instand zu halten. Olaf macht sich über den Winter sehr viel Arbeit um den Manta auf den aktuellsten Stand zu bringen.

Ein optisch und sicher auch aerodynamisch essentielles Bauteil ist der Fuchsschwanz an der Antenne. Bei VLN 8 mussten die Fans erschreckt feststellen, daß er plötzlich fehlte. Was war da und wie ging das Team mit der problematischen Situation um?

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Foto: D. Matschull

Ja, wir waren auch überrascht als wir am Stream sahen, daß der Fuchsschwanz auf der Döttinger Höhe lag. Wir wissen nicht was danach mit ihm geschehen ist, hoffentlich hat ihn ein Fan oder Sportwart gefunden und ihn als Erinnerung aufgehoben. Kurzfristig überlegten wir einen extra Boxenstopp einzulegen um den Manta wieder komplett ins Rennen zu schicken. Olaf hat immer so 2-3 Fuchsschwänze als Reserve im Transporter weggeschlossen, ab und zu verabschiedet sich doch mal einer.

Foto: Huber

Mit einer schnellen Recherche bei den Sportwarten, haben wir auch die Finder des Fuchsschwanzes ermittelt. Phil und Lukas Huber hatten Dienst auf Posten 200 und halten ihn in Ehren. Phil teilte uns mit: „Der Fuchsschwanz lag lange sehr nah an der Strecke auf dem Grünstreifen. Ich hoffte, daß er nicht auf die Strecke geweht wird und wir die Staffel zum entfernen informieren müssen. Sofort nach Rennende haben mein Bruder Lukas und ich das gute Stück gerettet.“

Reden wir noch über ein anderes Thema rund um die VLN und die kommende Saison. Aktuell wird die Preispolitik von vielen kritisiert, Volker Strycek ist ja in der ILN aktiv, welche sich doch sehr unzufrieden geäußert hat. In wieweit ist Euer Manta in der Klasse H2 davon betroffen?

Ich persönlich finde es soweit gut, daß die Nenngeldhöhe abgestuft ist und die kleinen Teams gut berücksichtigt, so das wir noch mit einem geringen Nenngeld in der H2 fahren dürfen. Das werte ich als positiv. So lange die Erhöhungen allgemein moderat und berechtigt sind, damit wird man leben müssen. Eine Verteuerung gibt es ja überall, so lange man nicht dabei das Gefühl bekommt, daß sich jemand bereichert. Wie gesagt, die Abstufung der Nenngelder ist für die kleinen Teams absolut sinnvoll und ermöglicht doch noch den Breitensport weiterhin auszuüben.

Natürlich wird auch viel kritisiert, oft auch berechtigt. Allerdings hat sich die Grundlage des Breitensports insoweit geändert, daß durch die vielen „Bezahlteams“ die VLN zu einem Geschäftsmodell geworden ist. Viele Fahrer kommen „nur“ um Rennen zu fahren, erwarten ein komplett fertiges perfektes Auto, wofür sie als Kunden ja auch bezahlen. Da bleibt der Enthusiasmus und der ursprüngliche Breitensport oft auf der Strecke. Früher haben alle bei jeder Aufgabe rund um den Renneinsatz mitgeholfen, was wir im Team bis heute auch noch so leben.
Das ist halt eine Erscheinung unserer Zeit, daß der Enthusiasmus in vielen Sportarten und Vereinen in den Hintergrund geraten ist und Profit im Vordergrund steht. Die aktiven Mitglieder in den Vereinen werden ja immer weniger, die Bereitschaft sich einzubringen fehlt vielen. Auch Nachwuchsmangel ist da ein Problem.

Kommen wir noch auf das nächste Jahr zu sprechen. Wie sind die Pläne für 2019 bei Euch bis jetzt?

The same procedure as every year -also wie jedes Jahr werden wir wenn möglich alle 9 VLN-Rennen starten und beim 24h-Rennen ebenso. Olaf wird bis zum Saisonbeginn den Manta fertig haben, da bin ich mir sicher. Einen normalen Saisonablauf kann halt keiner vorhersehen, was dieses Jahr gezeigt hat, man plant von Rennen zu Rennen. Auch an der Fahrerbesetzung wird sich natürlich nichts ändern. Beim Manta also wie gehabt.

Schön wenn sich die große Fangemeinde des Mantas darauf verlassen kann und Ihr eine verlässliche Konstante in der Langstreckenmeisterschaft bleibt. Wir bedanken uns herzlich für das Interview und überlassen Dir gerne hier das Schlusswort zur Saison.

Wir erleben ja sehr viel Zuspruch und Bewunderung durch die Fans, Medien und Offiziellen. Das ist auch das, was uns weiter antreibt. Es ist immer wieder ergreifend die Zuneigung zu spüren. Ich durfte dieses Jahr bei den letzten beiden Rennen die Schlussrunde fahren, da habe ich Gänsehaut und Tränen in den Augen wenn die Sportwarte und die Fans winken, den Hut ziehen und sich viele tief verbeugen. Wir sehen das und wertschätzen das auf jeden Fall. Dafür danken wir Euch auch.

Der Manta verkörpert noch die Vergangenheit und den Enthusiasmus, auch wenn wir nicht am „Gestern“ festhalten möchten, so erinnern und bewahren ein wenig diese Zeit. Das wir nicht dafür belächelt werden, sondern der Manta als Kulturgut in der VLN gebraucht wird, bestärkt uns -dafür sind wir sehr dankbar! Wir versuchen das auch so lange weiter zu machen wie es geht. In diesem Sinne wünsche ich Euch schöne Feiertage und freue mich auf ein gesundes Wiedersehen in der Saison 2019!

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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Ein Kommentar zu “„Die Zuneigung der Fans ist immer wieder ergreifend!“ Mantapilot Peter Hass im Interview

  1. Schönes Interview! Mich würde wirklich interessieren was am Manta noch Original ist und wie die Evolution der verschiedenen Teile über die Jahre aussieht. Lese ich das Interview bekomme ich den Eindruck das fast nur noch der Rahmen und die Karosserie vom Ur-Manta abstammen.

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