Mit 28 Jahren hat der Norweger Christian Krognes bereits beachtliche Erfolge zu verzeichnen. Neben dem wohl größten Erfolg, dem Gesamtmeistertitel in der VLN Langstreckenmeisterschaft 2012, ist der Sieg beim 24h-Rennen 2018 in Spa Francorchamps mit dem Team Walkenhorst Motorsport ein Beweis seines Talents.

Christian Krognes, Ulli Andree
Foto: L. Rodrigues

Nebenher brannte er beim Qualifying des 9. VLN-Laufs 2018 eine neue Rekordrundenzeit in den Asphalt der 24 Kilometer langen Streckenvariante aus Grand Prix Sprintstrecke und Nordschleife.

Während die Nordschleife über die Winterpause großzügig renoviert und auf die Streckenabnahme der FIA vorbereitet wird, kommen schon erste kritische Stimmen über die weiter fallenden Rundenzeiten. Mit 7:52.578min war für 2018 die Messlatte von Krognes im BMW M6 GT3 von Walkenhorst Motorsport schon sehr hoch gelegt.

Mit damals 22 Jahren wurde Christian Krognes bereits Gesamtmeister der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring, zusammen mit seinen Teamkollegen Ulli Andree und Dominik Brinkmann auf dem von LMS-Engineering eingesetzten Scirocco GT24 . Wir unterhielten uns mit Christian:

Hallo Christian, vielen Dank das Du unseren Lesern ein wenig über Dich erzählen möchtest. Wann begann Dein Einstieg in den Motorsport?
Hallo Freunde, danke für Euer Interesse. Meine Eltern kauften ein gebrauchtes Kart als ich zehn Jahre alt war. Das war der Beginn meiner neun Jahre im Kartsport.

Wann war Deine erste Begegnung mit der Nordschleife?
Die erste Runde auf dem Nürburgring hatte ich mit dem Audi TT RS von Møller Motorsport im Jahr 2008. Ich durfte das Auto im Rahmen des freien Fahrens am Freitag vor einem VLN-Rennen durch die „Grüne Hölle“ bewegen. Das war gerade mal zwei Tage nachdem ich den Führerschein erhalten hatte, bis heute erinnere ich mich an jede Minute und das Erlebte an diesem Tag. Alleine ein Auto im Straßenverkehr bewegen zu dürfen war ja schon cool, aber dann auch noch im TT RS über die Nordschleife war nochmals eine völlig andere Dimension.

Im folgenden Jahr bekam ich dann die Chance für Møller Bil Motorsport mehrere Rennen im TT RS zu bestreiten. Das Team war es auch, was meine Karriere im Automobilrennsport wirklich auslöste, nachdem über Jahre mein Budget im Kartsport verschwand.

VW Scirocco GT24, LMS-Engineering, Ulli Andree, Christian Krognes, Dominik Brinkmann, Andreas Lautner
Foto: L. Rodrigues

Das war dann 2009. Bereits drei Jahre später wurdest Du zum Saisonende als VLN-Meister 2012 geehrt, das war beeindruckend schnell. Hättest Du damals gedacht, dass sich deine Karriere auch danach weiter so entwickelt?
Ich denke die Zusammenarbeit mit Andreas Lautner und dem Team lies mich daran glauben eine Art Rennfahrerkarriere zu machen. Alle Autos die ich bei seinem Team LMS fuhr waren vom VM Werk aufgebaute Wagen bevor Andreas sie kaufte. Es war sehr ermutigend zu erleben wie wir gemeinsam fähig waren die Autos weiter zu entwickeln und noch schneller zu machen. Die Pace die wir zeigten war das Ergebnis des technischen Fortschritts durch das Team. Wir arbeiteten gemeinsam an fahrerischen Details und wie wir die Performance auf der Strecke immer weiter verbessern können.

Die Zeichen standen damals schon günstig und ich erinnere mich, dass ich sehr oft davon träumte im Cockpit einer GT3-Maschine zu sitzen. Ich dachte mir immer, dass ich das sicher irgendwann auch mal kann, jedoch darf man natürlich nie etwas als selbstverständlich erwarten. Mein Focus lag jedoch immer darauf, unter den gegebenen Umständen das beste zu Erreichen, in der Hoffnung dass das Erreichte dann der Schritt in die richtige Richtung bringen wird.

Inzwischen bist Du dort angekommen und hast einen Fahrervertrag bei Walkenhorst Motorsport im BMW M6 GT3 mit einen gut gefüllten Rennkalender. Wie organisierst Du dich mit deinem Job als Betriebsleiter und der Familie?
Nun, das ist eine einzigartige aber coole Kombination wenn ich nach einem Rennwochenende dann montags in eine vollständig andere Lebenswelt zurückkehre, auch wenn es natürlich in der Saison auch mal sehr stressig sein kann. Über die vergangenen Jahre habe ich inzwischen eine gute Balance gefunden. Ich komme gut klar damit zu unterscheiden wann ich ausruhen muss, das maximale an Vorbereitung geben muss und das für beide Seiten. Für alles was rund um ein Rennen geschiet ebenso wie für die Pflichten zuhause.

BMW M6 GT3, Walkenhorst Motorsport, Christian Krognes, David Pittard
Foto: L. Rodrigues

Schauen wir nun nach vorne, bedingt durch die Umbauten über den Winter an der Nordschleife in Form von viel neuem Asphalt, werden sich die Rundenzeiten weiter Verbessern? Denkst Du deine Zeit von 7:52.578min wird recht schnell fallen oder wird die BoP dies verhindern?
Die Möglichkeit einer noch schnelleren Rundenzeit besteht durchaus, das wird das Ziel eines jeden Teams sein, ebenso für mich und mein Team. Ich sah bereits einige sehr schnelle Sektorzeiten von anderen Fahrern in der letzten Saison, also werden wir weiter am Ball bleiben dieses Jahr um mitzuhalten. Eine rießige Verbesserung der Zeiten erwarte ich jedoch nicht, auch wenn wir die im vergangenen Jahr gesammelte Erfahrung mit dem BMW M6 GT3 weiter versuchen in eine schnellere Pace für kommende Saison mitzunehmen.

Diese Erfahrungen vergangenes Jahr und wie das Team sie im letzten Lauf maximal verwertete war die Grundlage einer so schnellen Runde – alles war optimal ausgelegt für dieses Rennen. Es ist ein Spiel mit kleinsten Einstellungen, aber ebenso muss man eine fast freie Runde erwischen – und das Quentchen Glück. Ich bin sicher einem Kandidaten wird das 2019 gelingen und die bestehende Zeit in Angriff nehmen.

Wir dürfen über die Entwicklung gespannt sein. Verlassen wir mal den Nürburgring, welche andere Rennstrecke ist deine Liebste und warum?
Ich liebe Spa Francorchamps wirklich sehr, aber Mount Panorama in Bathurst war auch überwältigend schön. Müsste ich mich entscheiden würde ich sagen Spa, aufgrund der tollen flüssigen Kurven und des historischen Ambientes. Die Strecke ist herausfordernd, schnell und wenn man den Dreh heraus hat wirst du dafür belohnt.

Walkenhorst Motorsport BMW M6 GT3 #36 VLN8 2018
Foto: M. Brückner

Da Du nun als GT3 Pilot fast an der Spitze bist, gibt es noch höhere Ziele die du anstrebst? Ein Einstieg in die schnellen Formel-Klassen vielleicht?
Nun, ich denke da ist von mir noch viel unerledigtes in der GT3 Klasse übrig. Ich bin immer noch nicht ein professioneller Fahrer und habe nur eine Handvoll Rennen abseits des Nürburgrings bestritten. Somit ist eine Ausweitung dieses Feldes und mehr internationale Wettbewerbe mein nächstes Ziel.

Darüberhinaus möchte ich mich auch weiterhin auf der Nordschleife verbessern, hier und da kann ich sicher noch Zeit finden durch eine andere Linienwahl. Ebenso wird der neu verlegte Asphalt dazu beitragen, dadurch ändert sich die Höhe der Curbs und die Dynamik mancher Kurvenkombinationen. Die Strecke verändert sich ja eigentlich jedes Jahr ein wenig, gerade das macht für mich die Schönheit der Nordschleife erst aus.

Alles in allem sind GT3 Rennen aktuell der richtige Platz für mich und ich sehe keinen Grund woanders hin zu wechseln, selbst wenn sich die Möglichkeit bieten würde. Doch man weiß nie was einem die Zukunft bringt.

Christian, vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen Dir und Walkenhorst Motorsport eine erfolgreiche und spannende Saison am Nürburgring und Weltweit.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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