Kurz vor dem ersten Lauf der VLN Langstreckenmeisterschaft schreckte die Fangemeinschaft des BMW Z4 GT3 von Peter Posavac auf. Der beim Puplikum so beliebte Bolide war nicht auf der Starterliste. Dafür tauchte eine Webseite auf. In den sozialen Netzwerken und auf einer eigens eingerichteten Homepage wird Geld gesammelt damit der „Zetti“ in der VLN 2019 fährt.

Posavac hatte 2015 zwei BMW Z4 GT3 aus dem Bestand des traditionsreichen Rennstalls Marc VDS gekauft. Ein Fahrzeug wurde mit Beifahrersitz und kleinerem Tank, dafür mit voller Motorleistung von knapp 555 PS als Renntaxi umgerüstet. Der eigentliche Star ist aber der nach BoP abgestimmte Wagen welcher seit 2016 in originellen Designs der PP-Group und betreut von Walkenhorst Motorsport in der Langstreckeserie fährt. Fahrzeugeigner Posavac, selbst seit vielen Jahren Pilot in der VLN, Inhaber der PP-Group in Essen und Initiator der Aktion „Der Zetti-Club“ stand uns Rede und Antwort über diese Aktion.

Peter, kurz und knapp gefragt – gibt es 2019 keinen Z4 GT3 mehr in der Langstrecke am Nürburgring?

Oh doch! Der Zetti wird beim 6h-Qualifikationsrennen und dem 24h-Rennen starten. Ich freue mich, dass wir das mit Ronal und Pirelli als Sponsoren planen können. Für die VLN Langstrecken-meisterschaft klappt das leider nicht, darum gibt es den Zetti-Club.

Wie soll das gehen? Wird da gespendet damit ein GT3 starten kann?

Peter-Posavac-und-Alex-Lambertz
Foto: L. Rodrigues

Das ist keine Spendensammlung und auch nicht „irgendein“ GT3. Wir geben den Fans die Möglichkeit sich über den Erwerb diverser Bausteine an einer Rennteilnahme des Zetti zu beteiligen. Werbeflächen auf dem Auto, welche sonst über Sponsoren belegt sind können mit dem Namen des Fans besetzt werden. Somit ergeben viele kleine Anteile auch einen großen „Sponsor“. Es gibt Zetti-Tassen, T-Shirts und mehr.

Das hauptsächliche Ziel des Zetti-Clubs ist es, jungen Pilotinnen oder Piloten die kein Budget haben die Möglichkeit zu geben in einem GT3 Erfahrungen zu sammeln und ihr Können unter Beweis zu stellen. Wir haben da mit Alex Lambertz wirklich die besten Erfahrungen gemacht. Wir werden, wenn die erste Spendensumme erreicht ist, Talente wie Lars Peucker oder andere einladen. Ihnen stellen wir dann „alte Hasen und Nordschleifenlegenden“ wie Jörg Müller oder vielleicht Claudia Hürtgen an die Seite um ihr Wissen weiter zu geben. Meine Kontakte reichen weit. Die Nachwuchsförderung abseits der Junioren-Werksteams ist somit auch ein Bestandteil der Idee. Den Zetti mit zahlenden Paydrivern welche ich nicht kenne zu besetzen war noch nie eine Option für mich. Außerdem ist es wirklich toll zu sehen wie schnell junge Leute auf dem Auto von uns alten Hasen lernen können.

Da musst Du aber viele Tassen verkaufen um die angestrebte Summe von Euro 26.000.- zusammen zu bekommen. Wie schätzt Du da die Chancen ein, dass dieser Betrag erreicht wird?

Ja, sicherlich bedarf es auch einiger größerer „Einkäufe“ wie das Lounge-Paket oder die Exklusiv-Werbeflächen, ich bin aber guter Dinge das wir das mindestens einmal diese Saison schaffen werden. Vielleicht überlegt sich ja auch der ein oder andere Industriepartner eine Werbefäche auf dem Kultauto zu kaufen.

Die aktuelle Summe nach knapp zwei Wochen liegt bei Euro 4.500.-. Wenn es sich weiter unter den VLN-Fans herum spricht, dass diese den Puplikumsliebling mit dem V8-Sound an den Start bringen können finden wir sicher weitere Mitglieder im Zetti-Club.

Was machst Du selbst als Racer so lange? Abwarten und zuschauen wie Andere fahren?

Peter-Posavac
Foto: L. Rodrigues

Das mache ich sicherlich nicht, dafür juckt mein Gasfuss doch zu sehr. Ich habe jetzt beim zweiten Lauf der VLN Langstreckenmeisterschaft am 13. April mein Debüt im BMW M6 GT3 und vertrete Henry Walkenhorst auf dem Auto.

Ebenso werde ich im M6 auch bei den 24h in Spa Francorchamps fahren, da hat Walkenhorst Motorsport sogar einen Gesamtsieg zu verteidigen, somit bin ich Teil eines großen Ziels des Teams. Wenn auch nur auf dem Amateur Auto, aber das ist sicherlich in dem Umfeld Herausforderung genug. Weitere Termine im M6 in der VLN sind geplant. Und wie gesagt, zum Qualifikationsrennen und dem 24h-Rennen am Nürburgring starten wir mit meinem BMW Z4 GT3.

Peter Posavac im BMW M6 GT3? Wirst Du dem Zetti untreu?

Dem Z4 werde ich niemals untreu. Ich bin auf der einen Seite Rennfahrer mit Benzin im Blut und liebe meine Zettis. Ansonsten hätte ich vor vier Jahren nicht so viel Geld in die Anschaffung der Boliden investiert. Auf der anderen Seite bin ich auch Kaufmann. Die Saison 2018 mit vielen Ausfällen und einem kapitalen Motorschaden hat das geplante Budget aber doch kräftig überstiegen.

Da ich als Geschäftsführer der PP-Group mich natürlich auf die Firma konzentrieren muss, kann ich im Vergleich zu anderen Fahrern oder Teams nicht den gesamten Winter über bei Sponsoren Klinken putzen. Der Renneinsatz eines GT3 ist sehr kostenintensiv, da kommen schnell mal Euro 50.000.- für ein Wochenende in der VLN zusammen.

Rein egoistisch gesehen könnte ich sagen, dass ich dieses Jahr „für kleines Geld“ auch als Paydriver bei Walkenhorst Motorsport meine Leidenschaft ausleben könnte. Bei den Tests in Snetterton/GB konnte ich den M6 auf Anhieb sehr schnell bewegen, das Auto fährt sich im Vergleich zum Zetti doch sehr viel ruhiger – der Z4 ist da doch eher eine fordernde Diva.

Auch das Argument der BoP spielt da teilweise mit hinein. Der Zetti ist ja inzwischen ein „Oldtimer“ unter den GT3 und wird 2019 trotzdem noch stark im Reglement limitiert. Ehrliche Siegchancen oder Top-Platzierungen können wir uns da selbst mit guten Piloten kaum erhoffen und trotzdem wollen wir mit der Hilfe der Fans weiterhin starten.

Da ich mir aber durchaus bewusst bin das der BMW Z4 GT3 inzwischen einen Kultstatus in der VLN erreicht hat und eigentlich nicht fehlen darf, haben wir die Möglichkeit für Fans geschaffen über den Zetti-Club einen Start zu ermöglichen. Selbstverständlich wird ein Start am Ende nicht an zwei- oder dreitausend Euro scheitern. Kerngedanke ist das Fan-Sponsoring für den Zetti, den finanziellen Hauptaufwand trage aber sowieso weiterhin ich.

Ein weiteres gut gehütetes Geheimnis ist inzwischen das Design des PP-Group Zettis. Willst Du den Fans vielleicht ein bisschen verraten was das Auge erwartet? Wieder Würfel oder Splashes?

Nein, da verrate ich sicherlich nichts. Soviel sei gesagt: Es wird ein überraschendes und für die Fans interessantes Design, was es so wohl noch nicht gab. Mein Team im Hintergrund arbeitet daran auf Hochtouren und selbst der virtuelle PP-Zetti für Gran Turismo Sport wird schon erstellt. Aber mehr Informationen geben wir natürlich nicht, lasst euch überraschen! Kommt zum Zetti-Club, beteiligt Euch als Fan und vielleicht schaffen wir es ja zu VLN 3 schon den Roll-out im neuen Design zu machen.

Peter, vielen Dank für das Gespräch und den Erläuterungen zu dem Vorhaben. Wir drücken die Daumen dass die Fanaktion fruchtet und wir den hochdrehenden V8 bald wieder durch die Eifel fliegen sehen.

Ich danke Euch. Besonders danke ich allen Zetti-Club Fans die bisher schon ihren Teil beigetragen haben. Ich baue da auf Euch und bin mir sicher dass wir 2019 noch schöne Rennen mit Z4 sehen werden, also kommt in den Zetti-Club und werdet Teil der Idee. Außerdem machen wir ja weiterhin die Taxifahrten und bei VLN 2 auch einen kleinen Roll-out mit dem Rennauto. Kein geringerer als Jörg Müller wird das Zetti-GT3-Taxi am kommenden Freitag bewegen. Somit ist ein wenig V8-Sound gesichert.

In eigener Sache:

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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