Wer je die Gelegenheit hatte James (Jim) Glickenhaus persönlich kennenzulernen spürt es sofort: Dieser Mann strahlt die Leidenschaft für den Motorsport geradezu aus. Nicht nur als Sammler extrem seltener Fahrzeuge, auch als Inhaber einer eigenen Rennwagen-Manufaktur fühlt sich der New Yorker an den Rennstrecken am wohlsten.

Der 69 Jahre junge Investment-Manager und Regisseur produzierte in der Zeit von 1975 bis 1995 viele Filme unter anderem auch mit Jackie Chan. Seinen Durchbruch hatte er mit dem Film „The Exterminator“, der ihm ein ordentliches Vermögen einspielte. In der Investmentfirma seines Vaters Seth Glickenhaus vermehrte er jenes Vermögen intelligent und effizient. 1995 stieg er selbst in das Wallstreet Unternehmen Glickenhaus & Co. an der Seite seines Vaters ein. Inzwischen hat Jim zusammen mit seinem Sohn Jesse die Scuderia Cameron Glickenhaus gegründet.

Neben einem Off-Road-Projekt – der Glickenhaus Boot, der bei der Baja 1000 dieses Jahr beeindruckend erfolgreich war – arbeitet die Scuderia Cameron Glickenhaus unter Hochdruck an weiteren Modellen. Wir sprachen mit Jim über das Hypercar für die 24h Le Mans und dem SCG 004 der beim ADAC TOTAL 24h Nürburgring und in der Nürburgring Langstrecken-Serie, mit denen er ein Wort um Gesamtsiege mitreden möchte.

Hallo Jim, wir freuen uns sehr, dass du dir Zeit für uns nimmst. Was hat dich zu einer solchen Leidenschaft zum Motorsport gebracht, woher kommt diese gelebte Faszination?

Hallo liebe Fans in Deutschland, ich freue mich über euer Interesse! Diese Leidenschaft zum Motorsport war bei mir als Zuschauer schon in den 1960er mit den damaligen Rennen in Le Mans geboren. Eindrucksvolle Autos waren das damals. Durch den Einstieg in das Investment-Geschäft meines Vaters konnte ich mich finanziell schnell unabhängig machen und somit war es mir möglich mit dem Sammeln von Autos zu beginnen. Dazu gehört beispielsweise der Ferrari P4/5 by Pininfarina.

Das Ganze ging dann weiter. Nachdem ich meinem Vater lange half das Investment-Unternehmen stabil zu halten und weiterzuentwickeln, entschied ich mich irgendwann mich voll und ganz auf die Scuderia Cameron Glickenhaus zu konzentrieren. So begann meine Geschichte.

Und diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, wie du immer wieder beweist. Du hast vergangenen Freitag die ersten Bilder des SCG 004 veröffentlicht. Beschreibe uns bitte das Auto, dass 2020 noch in der Klasse SPX der Nürburgring Langstrecken-Serie und den 24h startet.

Oh ja, diese ersten Bilder haben mich selbst fasziniert. Sie zeigen zum ersten Mal das aktuelle Auto wie es wirklich aussieht. Das eindrucksvollste der heutigen Zeit ist, dass du mit CAD (Computer Aided Design) das gesamte Fahrzeug entwerfen kannst. Zum ersten Mal siehst man dann das fertige Auto, wenn der Computer die Ausstattung und Technik berechnet. Wenn einzelne Teile berechnet werden. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich, als ich sah, wie der erste SCG 004C virtuell „gebaut“ wurde.

Render SCG 004c
Foto: Scuderia Cameron Glickenhaus

Wenn wir an Rennwagen denken, dann daran, dass sie uns lehren wie man ein Auto baut. Bezüglich Performance und Haltbarkeit. Denn ein Rennen zu fahren ist der härteste Test des Materials und der Technik eines Autos.

Der Nürburgring ist eine unglaubliche Rennstrecke zum Testen in der Realität. Da sind, je nach Variante, bis zu 25 Kilometer pro Runde mit so vielen unterschiedlichen Bedingungen. Kaltes Wetter, Sonnenschein, unglaubliche Kurven und dann noch etwa 160 Autos um dich herum. Darum ist der Nürburgring auch für uns die ideale Umgebung für unsere Tests. Die gewonnenen Erkenntnisse setzten wir auch umgehend in den straßenzugelassenen Fahrzeugen um.

Render SCG 004c
Foto: Scuderia Cameron Glickenhaus

Zum 24h-Rennen am Nürburgring dieses Jahr wird die erste Straßenversion des SCG 004 auch im Fahrerlager zu bewundern sein, sozusagen die Premiere des Fahrzeugs.

Nun geht der SCG 004c noch in der Klasse SPX ins Rennen. Der langfristige Plan ist die Zulassung als GT2, GT3, GTD und GTE-LM für Kunden in verschiedenen Serien. Wie sind die Voraussetzungen, wie und wann wird die SCG diese erfüllen?

Der Nürburgring mit der Langstrecken-Serie und dem ADAC TOTAL 24h Rennen ist die einzige Serie oder die einzigen Rennen, welche es uns ermöglichen, teilzunehmen. Auch wenn wir aktuell noch nicht die geforderte Mindestzahl an produzierten Chassis vorweisen können. Mit der SPX öffneten uns die Veranstalter seinerzeit auch die Türe für den P4/5 Competizione und dem SCG 003.

Vielleicht weiß es nicht jeder, unser Fahrzeug in der SPX ist nach den identischen Regeln der GT3 in der SP9 gebaut. Das bedeutet vor allem, dass wir auf Augenhöhe gegen die Top-Klasse antreten und um den Gesamtsieg fahren konnten.

Bis wir die benötigte Anzahl von 200 Straßenwagen gebaut haben, treten wir also in dieser Klasse an. Um diese Mindestanzahl würde sich bei der Langstrecke am Nürburgring keiner Gedanken machen, da dürften wir in der Theorie in der SP9 fahren. Die Regelmacher der GT3 sind es, die auf diese Zahl 200 bestehen. Doch wir werden dieses Ziel erreichen, mit dem SCG 004 vermutlich schon in eineinhalb Jahren. Es gibt mittlerweile so viele Vorbestellungen, um einen hohen Anteil der geforderten Anzahl zu erreichen.

Im Moment bauen wir bereits eine neue Fabrikationsstelle in Danbury/Connecticut. Wir führen nötige Crash-Tests durch und vieles mehr. Sobald wir in Amerika die Zulassung erhalten haben, verkaufen wir den SCG 004 auch in Europa. Ich glaube, dass wir die 200 Autos sehr schnell auf den Markt bringen können.

SCG Werk in Danbury/Connecticut
Foto: Scuderia Cameron Glickenhaus

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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