Mit 22 Siegen ist Daniel Keilwitz nach wie vor der erfolgreichste ADAC GT Masters Fahrer aller Zeiten. Keiner konnte diesen Rekord bislang knacken. Warum er nie Werksfahrer wurde, wie frustrierend die letzten zwei Jahre waren und wie schwierig es ist, aktuell ein Cockpit zu finden, hat er uns exklusiv im Interview verraten:

Vorneweg erstmal die Frage: Daniel, wie war die Off-Season? Sind alle noch gesund? Keine Corona-Fälle?

Daniel Keilwitz: Alle noch gesund, alles bestens. Ich habe nicht so viel gemacht. Ich war im Februar zum Coaching in Schweden. Ansonsten war es sehr ruhig. Der Corona-Situation geschuldet natürlich.

Wie sind Deine Pläne für dieses Jahr? Steht schon etwas fest?

Wochenspiegel Team Monschau Ferrari 488 GT3 NLS2 2021
Foto: L. Rodrigues

Ich werde dieses Jahr zusammen mit Sebastian Asch beim Team Aust Motorsport im ADAC GT Masters an den Start gehen. Aber das war eine relativ kurzfristige Entscheidung. Erst kurz vor den offiziellen Testtagen – am 16.04.2021 – kam dieser Deal zustande. Das Gesamtpaket hat gepasst und ich freue mich sehr auf die Saison! Verrückt war allerdings, dass ich mit jedem Tag, der näher an die Testtage heranrückte, noch andere Zusagen für das GT Masters erhielt. Auch kurzfristig ist es also möglich, im GT Masters noch ein Cockpit zu bekommen.

Außerdem werde ich beim 24 Stunden Rennen auf dem Wochenspiegel Ferrari mit Phoenix Racing dabei sein und die ersten beiden NLS Rennen bestreiten.

Ist es denn aktuell schwieriger – aufgrund der Corona-Situation – Teams oder Rennserien zu finden?

Es ist schwierig. Auf jeden Fall! Vor allem weil es sehr schwer geworden ist, Sponsoren zu finden. Ich finanziere mich hauptsächlich durch Sponsoren. Gefühlt bekommt man aktuell nur ein Cockpit, wenn man das volle Budget allein aufbringt oder eben Werksfahrer ist. Aber der Markt für Fahrer wie mich, die sich durch eigene Sponsoren finanzieren, ist sehr schwierig geworden.

Du sprichst es gerade an: Werksfahrer. Warum bist Du nach so langer Zeit immer noch keiner?

Callaway Competition Corvette GT3 ADAC GT Masters Nürburgring 2020
Foto: L. Rodrigues

Das fragst Du so oft 😊 Ja, aber warum? Tja, weil ich mich nie darum bemüht habe. Ich habe nie versucht, da reinzukommen. Und wahrscheinlich habe ich in der Vergangenheit auch falsche Entscheidungen getroffen. Ich war lang bei Callaway Competition und diese Zeit habe ich auch sehr genossen. Immerhin war ich sehr erfolgreich. Aber ich denke, wenn ich in dieser Zeit, in der die GT3 groß wurde und viele Hersteller eingestiegen sind, eher gewechselt hätte, wäre eine bessere Chance dagewesen, Werksfahrer zu werden. Aber ich war sehr glücklich bei Callaway, weshalb ich nie über einen Wechsel nachdachte.

Im ADAC GT Masters bist Du nach wie vor der Fahrer mit den meisten Siegen. In den letzten Jahren lief es bei Dir allerdings nicht mehr so gut. Hat Dir das geschadet? Bekommst Du weniger Anfragen von Teams deswegen?

Kann ich so nicht beurteilen. Ich habe schon viel Kontakt zu den Teams und bisher hat keines direkt „Nein“ gesagt. Aber klar, die Teams müssen auch ihr Budgets zusammen bekommen. Abgesehen davon hat jeder Fahrer gute und auch schlechte Phasen. Und das weiß jedes Team. Es beeinflusst natürlich ein bisschen, aber groß geschadet hat es glaube ich nicht.

Mit PROsport und Aston Martin lief es nicht so rund und auch mit Zakspeed blieben die großen Erfolge aus. Wie hast Du die letzten Jahre erlebt?

ADAC GT Masters, 3. + 4. Lauf Most 2019 - Foto: Gruppe C Photography
Foto: Gruppe C Photography

Sehr frustrierend. Die PROsport Geschichte war sehr unglücklich. Aber manchmal trifft man Entscheidungen, von denen man glaubt, dass sie gut sind, und im Nachhinein wird man eines Besseren belehrt.

Und Zakspeed? Das ist ein renommiertes Team und hat auch schon einen ADAC GT Masters Titel geholt. Warum hat das nicht geklappt?

Woran es genau gelegen hat, kann ich nicht sagen. Das lief alles nicht so rund. Wenn die ersten Wochen nicht so laufen, dann muss man erstmal schauen, wie man das wieder in Gang bekommt. Ich würde jetzt auch niemanden unterstellen, dass er seine Arbeit nicht gemacht hat. Denn jeder, der im Motorsport ist, möchte erfolgreich sein. Egal ob Team oder Fahrer. Es gibt einfach Zeiten, da funktioniert nichts.

Die GT3 ist mit dem ADAC GT Masters in Deutschland bekannt geworden und wird jetzt auch in der DTM zum Einsatz kommen. Wie stehst Du dazu?

ADAC GT Masters Nürburgring 2020 ADAC GT Masters, 3. + 4. Rennen Nürburgring 2020 - Foto: Gruppe C Photography; #21 Mercedes-AMG GT3, Team Zakspeed BKK Mobil Oil Racing: Daniel Keilwitz, Jimmy Eriksson
Foto: Gruppe C Photography

Ich muss mir das ehrlichgesagt erstmal anschauen. Anfangs war ich sehr skeptisch. Es gibt mittlerweile so viele GT3-Rennserien. Aber so wie sich das aktuell entwickelt und viele Autos am Start sind – klar, warum nicht? Der Status der DTM ist trotzdem noch da. Von daher ist das bestimmt keine schlechte Sache. Das Problem ist das Budget, was verhältnismäßig sehr hoch ist.

Also höre ich raus, dass Du Dich in dem Bereich auch nicht umgehört hast zwecks Fahrerplatz?

Nein, denn ich wusste, dass hier vorzugsweise Werksfahrer gesucht werden. Was aktuell ja auch wirklich stark der Fall ist.

Viele Fahrer „degradieren“ sich gerade ein bisschen. Dein früherer Teamkollege Andreas Wirth geht jetzt in der ADAC GT4 Germany an den Start. Würdest Du so etwas auch tun?

Generell bin ich da nicht abgeneigt, wenn das GT3-Thema nicht geht. Aber ich habe den „Gold“-Status als Fahrer. Das heißt in der ADAC GT4 Germany dürfte ich gar nicht fahren.

Wie siehst Du aktuell die Lage rund um den Motorsport? Sponsorensuche wird schwieriger, Corona, die neue DTM und die Verbrenner, die nicht mehr attraktiv sind. Wie ist Deine Meinung dazu oder bist Du einfach froh, wenn Du ein Cockpit hast?

Daniel Keilwitz
Foto: ROLLER-Motorsport/DK Racing

Man kann nur von Saison zu Saison denken. Man kann nur ein Jahr im Voraus planen. Das ist schwierig, weil man Ende des Jahres immer dasteht und sich fragt: Was geht nächstes Jahr? Fahr ich überhaupt noch was? Daher braucht man immer einen Plan B. Generell wird es für den Motorsport nicht einfach werden. Das zeichnet sich jetzt schon ab, was die Fahrerplätze angeht. Auch die Teams haben Schwierigkeiten, Sponsoren zu finden und fordern dann fast das komplette Budget vom Fahrer. Aber als Fahrer ist man irgendwann an dem Punkt, an dem man vom Motorsport auch leben möchte. Vor allem, wenn man bereits viel erreicht hat. Da will man irgendwann kein Geld mehr aus eigener Tasche reinschieben. Das wird auch künftig nicht einfacher. Speziell in Deutschland. Hier hacken alle rum auf den „bösen“ Autos. Für die Firmen ist das einfach kein gutes Image mehr, im Motorsport zu sponsoren.

Letzte Frage: Was möchtest Du dieses Jahr erreichen?

Ganz ehrlich? Ich bin dieses Jahr einfach nur froh, wenn ich im Auto sitzen kann. Ich versuche die Planung für nächstes Jahr schon anzuschieben und hoffe, dass die Situation bis nächstes Jahr besser aussieht und arbeite im Voraus.

 

Danke Daniel für das Interview! Wir wünschen Dir viel Glück für die neue Saison!

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Jennifer Falkner
Früher Kart gefahren - heute Texte schreiben. Jennifer „Jenny“ Falkner ist seit 2014 regelmäßig an den Rennstrecken Europas anzutreffen. Unter dem Namen „Jensationel Motorsport Media“ arbeitete und arbeitet sie auch heute noch für viele Teams und Rennfahrer im PR-Bereich. Dank des Journalismus-Studiums bleibt sie den Nachrichtenmagazinen aber nach wie vor treu. Denn scharfe Fragen stellen gehörte schon immer zu ihren besten Fähigkeiten. 2021 schloss sie ihr zweites Studium (Fahrzeugtechnik) ab und ist im Motorsport neuerdings auch als (angehende) Dateningenieurin - wie auch ihr Bruder Andreas - anzutreffen.
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