Bei Rennen, die von der Virtual Competition Organisation (VCO) präsentiert werden, stehen in der Regel Esports-Racing-Stars wie Maximilian Benecke, Alex Arana und Laurin Heinrich oder die prominenten Profi-Rennfahrer im Fokus. Dabei lebt das Esports Racing vor allem von den unzähligen begeisterten Breitensportlern. Einer davon ist Andre Dünnbier. Der Hobby-Rennfahrer war zuletzt beim iRacing 24h Nürburgring powered by VCO am Start.

Mit Mitte 50 ist er zwar nicht im typischen Gamer-Alter. Dafür hat seine Leidenschaft für das Esports Racing eine lange und interessante Geschichte. Im Interview erzählt er sie und spricht zudem über eine Begegnung mit Max Verstappen.

Herr Dünnbier, stellen Sie sich am besten erstmal kurz vor: Was machen Sie, wenn Sie nicht im Rennsimulator sitzen?

Andre Dünnbier: Ich betreibe gemeinsam mit meiner Frau seit 20 Jahren ein Fotogeschäft in Niederbayern. Wir sind da quasi gemeinsam in die Welt der digitalen Fotografie hineingewachsen.

Das passt ja bestens zu Ihrem digitalen Hobby…

Computerspiele haben mich schon immer gereizt. Mein erstes Rennspiel lief auf dem Sega Mega Drive – sogar schon mit Lenkrad. Das muss Ende der 1980er Jahre gewesen sein. Dann ging es immer weiter mit der Technik, die es zur jeweiligen Zeit gegeben hat. Ich musste immer sofort das neueste Equipment haben. Mit dem ersten Porsche-Lenkrad von Fanatec bin ich dann auf der Xbox gefahren. Das war alles ganz nett und spaßig, aber man konnte eben noch nicht so richtig im Wettkampf gegen andere fahren.

Wann hat sich das geändert?

Vor drei oder vier Jahren war ich zum ersten Mal auf der ADAC SimRacing EXPO und habe in einem richtigen Rig gesessen. Damals hatte ich von alldem noch keine Ahnung. Ich hatte mich zwar mal bei iRacing angemeldet, habe es aber direkt wieder ausgeschaltet, weil ich vor lauter Set-ups und Einstellungen nur Bahnhof verstanden habe. Auf der EXPO bin ich dann jedoch auf den Geschmack gekommen, habe nach Gleichgesinnten gesucht und bin so zu meinem ersten Team gekommen.

Und wie ist es gelaufen?

Völlig überraschend war ich der Älteste im Team (lacht). Aber es war immer sehr spaßig. Die jüngeren Kollegen haben mir bei den komplexen Einstellungen der Fahrzeuge geholfen, und wir sind so langsam auch in die Kommunikationstechniken wie Teamspeak und Discord hineingewachsen.

Müssen Sie sich im Bekanntenkreis manchmal für Ihr Hobby rechtfertigen?

Simracing Rig Andre Dünnbier
Foto: VCO

Am Anfang wirst du schon belächelt. Nach dem Motto: ‚Jetzt macht er Videospiele.’ Die meisten kennen nur Playstation, Xbox, Nintendo und Co. Wenn ich denen dann Bilder von meinem kompletten Equipment zeige, sind sie meistens doch erstaunt und merken, dass das Esports Racing deutlich ernsthafter ist.

Wie intensiv betreiben Sie das Esports Racing aktuell?

Naja, meine Zeit ist aus beruflichen und familiären Gründen natürlich begrenzt. Von daher bin ich relativ selten bei offiziellen Rennen am Start. Am meisten Spaß machen mir tatsächlich Endurance-Rennen. Dafür kaufen wir dann immer entsprechende Set-ups, denn es würde mich zu viel Zeit kosten, selbst immer wieder daran zu tüfteln. Ich habe schließlich auch noch ein Leben außerhalb meines Rigs mit einem Job, einer Frau und einem Sohn.

Haben Sie Ihren Sohn noch nicht für Esports Racing begeistert?

Für Esports ja, für Racing nein. Er ist mit seinen Freunden eher bei Events wie ‚League of Legends’ oder ‚Dota’ dabei. Er hat sogar mal überlegt, Esports-Kommentator zu werden. Aber jetzt studiert er erst einmal.

Was gibt Ihnen Ihr Hobby?

Es ist toll, wenn du von der Arbeit kommst, dich in dein Rig setzt, Brille und Kopfhörer aufsetzt und dann gleichzeitig abschalten kannst, aber auch Spannung für das bevorstehende Rennen aufbaust. Andere fahren Motorrad oder Fahrrad, für mich ist eben Esports Racing sehr gut geeignet, um runter zu kommen.

Welche Ausrüstung haben Sie?

Da bin ich mittlerweile schon ganz gut aufgestellt. Ich habe mir schon vor einiger Zeit ein Rig geleistet. Dazu habe ich Heusinkveld-Pedale und ein Ascher-Racing-Lenkrad mit Direct Drive und Simucube. Zudem nutze ich eine VR-Brille. Manchmal rufen mich Freunde an und sagen: ‚Ich hätte schon auch mal Lust zu fahren. Wo bekomme ich denn so ein Lenkrad her?’ Da muss ich sie leider immer aufklären, dass doch etwas mehr dazu gehört als nur ein Lenkrad.

Sie waren auch beim iRacing 24h Nürburgring powered by VCO am Start – allerdings leider nur kurz. Was ist passiert?

Ja, ich wäre das Rennen gemeinsam mit meinem Kumpel, einem Studenten aus Murnau, gefahren. Nur leider hat er relativ früh das Auto versenkt (lacht).

Ihrem Lachen nach zu urteilen sind Sie ihm nicht besonders böse, oder?

Ach, für mich ist das alles hauptsächlich Spaß. Natürlich ärgert man sich in solchen Situationen für zehn Minuten, aber dann ist es auch schon wieder okay. Ich bin kein Maximilian Benecke oder Laurin Heinrich. Ich habe mal mehr, mal weniger Zeit zum Üben und krebse dann immer so bei einem iRating zwischen 2.000 und 2.500 herum. Im Moment geht es aufgrund der aktuellen Situation ganz gut. Da fahre ich schon jeden Abend. An den Wochenenden sind dann die Langstreckenrennen.

Haben Sie mal ein höheres iRating angestrebt oder fehlt dafür die Zeit?

Vielleicht fehlt mir auch das Talent (lacht). Im Ernst: Ich habe immer mal angestrebt, über 3.000 zu kommen, weil man damit den ganzen übermütigen Harakiri-Fahrern in den Rennen aus dem Weg geht, die in Lücken reinstechen, die gar nicht da sind, und damit Unfälle provozieren. Da geht’s dann auch mal zu viert nebeneinander durch Eau Rouge, weil sie einfach nicht nachdenken. Das nervt schon ein wenig.

Was fasziniert Sie besonders an den Langstreckenrennen?

Ich habe schon einige 24-Stunden-Rennen mitgemacht und muss sagen: Die sind echt Hardcore. Das ist aber das Tolle an iRacing. Da kann man nicht mal so eben mitfahren. Da stecken selbst die kleinen Teams jede Menge Arbeit hinein. Nicht wie aktuell bei den virtuellen Formel-1-Rennen, die man im Fernsehen anschauen kann. Das ist zwar ganz nett, darin die aktuellen Formel-1-Fahrer zu sehen, aber das ist letztlich reines Arcade und hat mit dem Level von iRacing nichts zu tun.

Haben Sie bei einem Ihrer 24-Stunden-Rennen schon mal eine besondere Anekdote erlebt?

Oh ja. Ich war mal mit zwei Kumpels bei den iRacing 24h Le Mans am Start. Leider mussten die beiden am Sonntagmorgen zu einem Fußballspiel, und ich durfte allein einen Sechs-Stunden-Stint fahren. Danach steigst du aus deinem Rig aus und bist fix und fertig.

Haben Sie beim iRacing 24h Nürburgring powered by VCO auch ein wenig den Top-Split verfolgt?

Ja, habe ich. Aber wenn man das Niveau sieht, welche Rundenzeiten da mit einer unglaublichen Konstanz gefahren werden. Das ist schon brutal.

Aktuell tummeln sich ja auch viele Rennfahrer aus der realen Welt im Esports Racing. Sind Sie schon mal einem Promi virtuell auf der Rennstrecke begegnet?

Ich war in der Tat vor einiger Zeit zufällig bei einem Rennen im selben Split wie Max Verstappen. Damals war er noch relativ neu bei iRacing und hatte ein entsprechend niedriges iRating. Als er bei mir im Rückspiegel aufgetaucht ist, hatte ich schon gehörigen Respekt. Denn du willst ja in so einem Rennen nicht unbedingt derjenige sein, der Max Verstappen abräumt (lacht).

Schauen Sie sich auch Rennen im Stream an?

Ja, auf jeden Fall. Da kann ich mir viel abschauen und für meinen eigenen Fahrstil lernen. Am Esports Racing gefällt mir, dass es da nicht nur die 18-jährigen Streamer gibt, sondern auch einige in meinem Alter.

Hat es Sie auch mal gereizt, echte Rennen zu fahren?

Als Zuschauer war ich schon am Nürburgring oder in Oschersleben, aber um da mitzufahren, braucht man so viel Geld, dass man sich das als Normalsterblicher gar nicht leisten kann.

Sie sind aber Motorsport-Fan?

Ja, da bin ich klassischer TV-Junkie. Von der Formel 1 schaue ich meistens nur noch den Anfang und das Ende. Ich interessiere mich eher für andere Rennserien: GT- oder auch andere Formel-Serien. Da würde ich mir wünschen, dass mehr davon übertragen werden.

Dürfen wir Sie auch bei den nächsten iRacing Specials wieder begrüßen?

Klar. Ich habe auf jeden Fall vor, bei den 24-Stunden-Rennen in Le Mans und Spa-Francorchamps wieder dabei zu sein.

Quelle: VCO

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