Walkenhorst Motorsport geht 2021 mit dem BMW M6 GT3 in der DTM an den Start. Pilotiert wird der Wagen von Werkspilot Marco Wittmann. Das Team aus Melle setzt seit Jahren das Auto in unterschiedlichen Serien weltweit erfolgreich ein. Der Kopf hinter Teameigner Henry Walkenhorst ist Niclas Königbauer als Manager der Einsätze. Für die kleine Schwesterserie „DTM Trophy“ hat er Jörg Müller als intelligenten und routinierten Helfer bei der Betreuung der beiden BMW M4 GT4 an seiner Seite.

Nach den ersten beiden Testtagen am 7. und 8. April 2021 auf dem Hockenheimring erreichten wir Niclas Königbauer auf dem Weg in die Heimat und sprachen mit ihm über seine Eindrücke und über das neue Format der DTM mit GT3-Fahrzeugen.

Niclas, wir freuen uns, dass Du dir so schnell Zeit nimmst mit uns Deine ersten Eindrücke zu teilen. Wie verliefen die zwei Tage in Hockenheim für Walkenhorst Motorsport?

DTM, 1. Test Hockenheimring 2021 Niclas Königbauer Walkenhorst Motorsport
Foto: Gruppe C Photography

Beide Tage liefen sehr gut. Am Mittwoch war es doch noch lausig kalt und windig, aber wir konnten die Zeit effektiv nutzen. Der Abbruch vor der Mittagspause war bei den Temperaturen schon fast willkommen, hat uns aber wertvolle Tracktime gekostet. Am späteren Nachmittag fiel dann sogar Schnee.

Der heutige Donnerstag war vom Wetter dann mit Sonne fast perfekt und wir konnten unser Programm durchziehen und wichtige Erkenntnisse gewinnen. Auch die beiden Autos in der DTM Trophy haben top Arbeit geleistet und Theo konnte mit seinen Zeiten ein Ausrufezeichen hinterlassen.

Man darf Walkenhorst sicher als „alte Hasen“ in Sachen BMW M6 GT3 bezeichnen, inwieweit unterscheidet sich das DTM Auto von denen die nach SRO-Reglement fahren? Kannst Du eine Hausnummer zum Leistungsunterschied verraten?

Genaue Zahlen kann ich dazu selbstverständlich nicht sagen. Besonders da die BoP noch nicht endgültig ist. Wir waren jedoch schon am oberen Limit der Leistung – volle Pulle sozusagen. Auch das Gewicht ist deutlich geringer als in anderen Serien, beides zusammen macht die Autos schon sehr schnell.

Wie wirkt sich die Mehrleistung auf das Setup und die Reifenwahl aus? Die Materialbelastung ist vermutlich nochmals intensiver?

DTM Test Hockenheimring BMW M6 GT3 Walkenhorst Motorsport
Foto: Gruppe C Photography

Dass es sich darauf auswirkt, daran gibt es keinen Zweifel. Doch nach den ersten zwei Tagen wissen wir noch lange nicht alles. Gerade mit den Reifen müssen wir noch Erfahrungen sammeln, der Michelin-Pneu funktioniert sehr gut. Aussagekräftige Daten und damit weitere Überlegungen können wir erst nach der endgültigen Festlegung der BoP bekommen. Unsere Erfahrungen basieren ja auf Yokohama Reifen.

Wie aussagekräftig sind die ersten Rundenzeiten der Testtage, ist da noch Luft nach oben oder wurden die Karten schon auf den Tisch gelegt? Marco lag nach dem ersten Tag mit 0,5 Sekunden auf Maximilian Götz auf dem siebten Platz. Es fällt auf, dass Götz mit 1:36,590 Minuten gute 1,5 Sekunden schneller war als die Qualifikations-Zeiten der ADAC GT Masters 2020 auf der Strecke.

DTM Test Hockenheimring Michelin
Foto: Gruppe C Photography

Die Mercedes-AMG sind unglaublich schnell, das konnte wohl jeder sehen. Woran das lag kann ich nicht einschätzen. Möglich, dass die eine andere Mischung der Michelin-Reifen ausgewählt hatten. Grundsätzlich sehe ich uns schon sehr schnell und mit Marco Wittmann haben wir einen erfahrenen Piloten im Cockpit.

Wie lief es bei Jörg Müller und seinen beiden Schützlingen in der DTM Trophy?

Jörg Müller Walkenhorst Motorsport
Foto: Archiv Jörg Müller

Auch da gab es nur zufriedene Stimmen. Die Autos liefen top und beide jungen Piloten haben echt super und intensiv gearbeitet. Wenn ich bedenke, dass Theo Oeverhaus mit gerade 16 Jahren die Bestzeiten der DTM Trophy gefahren hat dürfen wir glücklich sein. Auch Chandler Hull, der extra aus den USA angereist war, durfte sein Können beweisen. Jörg hatte mir auch begeisterte Rückmeldung gegeben. Somit: Alles sehr gut gelaufen in der DTM Trophy.

Es wurde ja bekannt, dass besonders die BMW M4 GT4 zu laut für den angemeldeten Testtag waren. Wo war da das Problem und wie konntet ihr das lösen?

DTM, 1. Test Hockenheimring 2021 Niclas Königbauer Walkenhorst Motorsport
Foto: Gruppe C Photography

Wie ich hörte war der Testtag mit acht Stunden – somit eine Kategorie C Veranstaltung – angemeldet. Das hängt mit den Vorgaben des Landes Baden-Württemberg zusammen. Die Kategorie B darf maximal sieben Stunden fahren, dafür aber mit einem höheren dB-Limit. Vermutlich wurde die Lautstärke der GT4-Autos unterschätzt und zugunsten der Tracktime für die Teams die acht Stunden geplant. Durch den Abbruch und eine etwas längere Mittagspause standen dann sieben Stunden letztendlich zur Verfügung, dafür ohne Änderungen an den Fahrzeugen.

Damit hatten wir zwar etwas weniger Zeit zum Testen, jedoch wäre ein schnelles Umrüsten der Autos mit Schalldämpfern oder ähnlichem nicht produktiv gewesen und hätte uns die Daten verfälscht. Die gefundene Lösung war wohl richtig.

Die beiden Auftaktrennen der DTM sind vom 18. bis 20. Juni in Monza. Davor ist der Jahreshöhepunkt der Langstrecke mit dem ADAC TOTAL 24h-Rennen auf dem Nürburgring. Wie stehen Eure Chancen auf den Gesamtsieg? Dass es der BMW M6 GT3 kann, hat ROWE Racing vergangenes Jahr bewiesen.

DTM Test Hockenheimring BMW M6 GT3 Walkenhorst Motorsport
Foto: Gruppe C Photography

Wir konnten 2020 mit unserem Yokohama-Reifen die Pace des Gesamtsiegers mitgehen und haben in der SP9 ja auch unseren Sieg verbuchen können. Für dieses Jahr werden wir wieder hart in der Vorbereitungsphase arbeiten und unsere Hausaufgaben machen. Wichtig ist noch die perfekte Abstimmung im Regen zu finden. Wie seit Jahrzehnten wird dann gelten, dass du über die Distanz von 24 langen Stunden kommen musst und die Konkurrenz auch nicht schläft. Aber ich sehe uns mit einem starken Paket und wir sind heiß auf den Wettkampf.

Der neue BMW M4 GT3 soll beim vierten NLS-Lauf seine Rennpremiere feiern. Ab wann wird Walkenhorst den M6-Nachfolger bekommen?

Wenn es nach uns ginge so früh als nur möglich. Aber die Tests mit einem vollständig neuen Auto müssen gemacht werden und das ist unter den Pandemie-Bedingungen nicht immer einfach. Aber nach meinem Stand kommen die gut voran und ich rechne zum Jahresende mit der Auslieferung an Walkenhorst Motorsport. Wir freuen uns auf jeden Fall sehr auf den BMW M4 GT3.

Unabhängig von der Serie sind aktuell überall die Chancen für Zuschauer an den Strecken noch sehr gering. Wie sehr vermisst Du die Fans?

Niclas Königbauer Walkenhorst Motorsport
Foto: DTM-Media-Team

Leere Tribünen sind ein trauriger Anblick, auch an der Nordschleife die typischen Plätze so leer zu sehen ist noch immer seltsam und die Stimmung fehlt schon extrem. Dennoch werden wir noch eine Zeitlang so arbeiten und damit leben müssen. Doch, ich wünsche mir nichts mehr als ein Comeback zum normalen Motorsport. Es sind ja nicht nur die Fans, es fehlen die Freunde im Fahrerlager, die Familien der Fahrer, VIP-Gäste und so weiter.

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch Niclas und wünschen dem Team eine erfolgreiche Saison in allen Serien.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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