Der Mann hinter dem AVIA racing Renault Clio RS und Teamchef von aufkleben.de ist schon lange in der VLN-Langstreckenmeisterschaft und anderen Rennserien unterwegs. LSR-Freun.de nahm ihn etwas genauer unter die Lupe.

Stephan Epp
Foto: Archiv Stephan Epp

Wer die VLN längere Zeit verfolgt kennt die Renault Clios noch aus der Zeit als die „Brüllmücken“ einen eigenen Cup hatten. Inzwischen wird der Cup-Wettbewerb nicht mehr gewertet, einige der Renner sind in den Klassen SP3 oder der H2 bis heute im bunten Starterfeld zu finden.

Einer dieser treuen VLN-Teilnehmer ist der Clio von aufkleben.de unterstützt von AVIA racing. Teamchef und Stammpilot Stephan Epp bleibt auch 2019 der Langstrecke treu und wird den Clio die gesamte Saison mit den Fahrerkollegen Gerrit Holthaus und Michael Bohrer in der Klasse H2 über die Nordschleife jagen. In dieser Klasse befindet er sich in prominenter Gesellschaft, denn es tummeln sich dort Puplikumslieblinge wie der Opel Manta und Calibra oder der Golf 3-16V und kämpfen um die Wertungspunkte.

Stephan Epp ist mit 36 Jahren Geschäftsführer der wuppertaler Firma aufkleben.de welche Namensgeber des Rennteams ist. Epp kann auf viele Jahre und Erfolge im Motorsport zurück blicken und sprach mit uns darüber.

Stephan, danke das Du uns das Team und dich selbst etwas näher vorstellen möchtest, was gibt es über Dich zu sagen?
„Hallöchen erstmal, ich freue mich sehr über Euer Interesse an unserem Team und meiner Person. Mein Name – Stephan Epp, wurde ja schon erwähnt. Ich bin 36 Jahre alt, demnächst schon 37. Aktiv Motorsport auf der Nordschleife betreibe ich seit dem Jahr 2000 -also mit erlangen der Fahrerlaubnis. Angefangen habe ich in der VLN 2001 mit Christian Thaler, dem Sohn von Klaus Peter Thaler -Meister aus 2002 und Markus Mauer, dem Sohn von Karl Mauer. Auch auf einem Renault Clio der Phase 1 jedoch.

Da kamen auch die Verbindungen zu einem Urgestein der Eifel, Reinhard Sesterheim und einem tollen Einsatz beim 24h Rennen 2002 oder 2003 wo wir leider 45 min vor Ende wegen eines potidefektes ausgefallen sind. Da war ich mit Martin Tschornia und Hubert Nacken zusammen auf dem Auto unterwegs.

Jedoch hatte ich dann ab 2003 länger pausiert um mein Geschäft aufzubauen. Dort folieren wir schwerpunktmäßig Fahrzeuge aller Art, teilweise ganze Firmenflotten. Somit war auch da der Bezug zum Motorsport immer gegeben, nahezu jedes Rennauto ist heutzutage mit Folie „lackiert“.

Wann hast Du dann selbst wieder Platz am Volant genommen?
Das war 2011 mit einem unfassbaren Vizemeister-Titel und dem Gewinn der Renault Clio Speed Trophy. Daher hat sich das auch mit dem Clio weiter entwickelt, eigenes Auto und Team usw.

Stephan Epp
Foto: Archiv Stephan Epp

Die Zusammenarbeit mit Reinhard hat sich 2011 wieder gefunden als ich nach einem fehlgeschlagenen Porsche Test (Auto lief nicht) zu Reinhard fuhr und mich in seinen Clio setzte. 2 Wochen später rief er mich an und hatte ein Cockpit für mich – der Rest ist Geschichte – Vizemeister der VLN 2011 zusammen mit Dominik Brinkmann auf seinem Clio.

Damals war die Klasse mit über 20 Autos heiß umkämpft, gerade gegen den Gazprom-Clio gab es tolles racing auf der Nordschleife. Auch das Gefühl eine solche Meute beim Start anzuführen ist schon was besonderes, war eine geile Zeit auf jeden Fall.

Was macht für Dich den Renault Clio RS aus, warum bleibst Du ihm treu?
Es ist zwar ein kleines, dafür echtes, schnelles und ehrliches Rennauto. Dazu noch bezahlbar. Viele sagen „Och ja, der kleine Clio…“, aber wenn man sich unsere Zeiten anschaut mit im Schnitt 9:20 Minuten – 9:30 Minuten fahren wir schon fast mit dem vorderen Drittel des Feldes mit. Er unterscheidet sich komplett von einem seriennahen Auto der V-Klasse. Sequenzielles Getriebe, leicht und dadurch eine super Performance auf der Strecke. Mit dem Umstieg von der SP3-Klasse in die H2 haben wir auch ein tolles und volles Konkurrentenfeld mit oft über 10 Autos welche bauartbedingt schon komplett unterschiedliche Konzepte mitbringen.

Wie entwickelten sich dann die Team-Leistungen in den letzten Jahren?
Nach einer gewissen Durststrecke 2017/18, abgesehen von zwei Klassensiegen beim 24h-Rennen versuchen wir dieses Jahr wieder Podestplätze zu erkämpfen. Ziel ist auch der Hattrick beim 24er, was sicherlich recht hochgegriffen ist aber machbar.

Was lässt Dich daran glauben drei Mal hintereinander in Folge beim wohl schwersten Rennen der Welt einen Sieg zu erreichen?
Das es nicht einfach wird ist uns vollkommen klar, jedoch sind wir sehr gut vorbereitet und ich habe aus der Vergangenheit viel gelernt. Durch meine Zeit als Werksfahrer bei Peugeot 2013 konnte ich viel wertvollen Input mitnehmen, auch weil ein Werksteam natürlich sehr professionell arbeitet. Das kann man sich als Vorbild nehmen und eben diese Erfahrungen bringe ich mit ein, das klappt ganz gut und genau das motiviert uns, ich glaube wir schaffen das. Wir haben ein solides Paket geschnürt und sind heiß bis in die Haarspitzen. Letztendlich bestimmt das Rennen selbst den Ausgang, das liegt nicht in unserer Hand. Aber eben das ist der Reiz am Motorsport, neben der Technik und dem Talent muss halt noch so viel mehr stimmen um zu gewinnen.

Wie kam es dann zum „AVIA-Clio“?
Die Zusammenarbeit mit AVIA racing begann schon früh, ich fuhr schon im AVIA Kartteam damals und war mit Stephan Hauke, verantwortlich für das Marketing bei AVIA, immer in engem Kontakt. 2014 war dann der „AVIA-Clio“ der Beginn einer festeren Kooperation und Partnerschaft.

Renault Clio RS, Stephan Epp
Foto: L. Rodrigues

Wie sieht die Teamarbeit für die kommende Saison aus? Besonders nach dem Wechsel von AVIA racing zu Sorg Rennsport. Arbeitet Ihr mit Sorg zusammen?
Wir werden weiterhin als eigenständiges aufkleben.de-Team antreten, mit eigener Mannschaft. Wobei die Zusammenarbeit mit Sorg schon immer kollegial und gegeben war. Die Sorg-Brüder haben ja eine komplette Box für sich und meistens die Box daneben noch mit einem oder zwei Autos besetzt, in der Box sind wir dann auch immer zu finden und arbeiten da auch zusammen. Auch durch mein Einsatz als Fahrer bei Sorg Rennsport sind wir da eng verbunden.

Stimmt, mit Sorg Rennsport konntest Du vor kurzem einen Erfolg feiern. Wie war das?
Das erste 24h-Rennen dieses Jahr in Dubai war eine spannende Erfolgsgeschichte mit einem Wechselbad der Gefühle. Im BMW M4 GT4 in den letzten Minuten auf Platz 2 zu kommen war großartig. Es war unglaublich spannend, ja geradezu dramatisch das zu erleben.

Sorg Rennsport BMW M4 GT4 Sinziger #451
Foto: Oliver Selzer

Wie sehen Deine Pläne abseits der VLN Langstreckenmeisterschaft aus, wirst Du weitere Einsätze haben?
Ich würde sehr gerne den in Dubai erzielten Erfolg in der Creventic weiter ausbauen, fest geplant ist aber noch nichts. Mal sehen was sich so ergibt, sag niemals nie! Der absolute Focus liegt auf der gesamten VLN-Saison und dem 24h-Rennen.

Wagst Du einen Blick in die Kristallkugel, wie schließt ihr nach neun Rennen im Oktober 2019 dann ab?
Eine Plazierung unter den ersten drei in der H2 sehe ich als möglich, ein Wörtchen in der Gesamtwertung mitzureden kann man erst ab der zweiten Saisonhälfte absehen, das ist aber auch nicht der Plan. Dafür sind wir sehr gut aufgestellt, motiviert und freuen uns wenn es dann ende März endlich los geht.

Das sind ehrgeizige Pläne, wir wünschen gutes Gelingen! Stephan, danke Dir für das Gespräch. Das letzte Wort überlassen wir Dir gerne.
Bei solchen Interviews kommen schnell Erinnerungen zurück und man wird sich über manches klar. Meinem Team kann ich für die Zeit nur immer wieder danken, ebenso meinen Fahrerkollegen die auch immer einen tollen Job am Lenkrad machen. Damit möchte ich nicht nur die Standartphrasen bemühen sondern die Jungs kennen mich und wie ich das meine. Das ich nun das fünfte Jahr AVIA racing an meiner Seite habe ehrt mich sehr und ich bin dankbar für diese Unterstützung, ebenso allen anderen Sponsoren. Ich bin mir im Klaren das es ohne Euch nicht möglich wäre im Clio zu starten. Ich freue mich sehr auf die Saison und unsere Fans im Fahrerlager und rund um die Nordschleife.

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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