Oliver Martini, die „Stimme des Nürburgrings“ kennt jeder Langstreckenfan. Als Streckensprecher der VLN und beim 24h-Rennen zählt er inzwischen zum Inventar. Vor 49 Jahren in Adenau geboren ist er mit der Nordschleife vor der Haustüre aufgewachsen. Der Nürburgring beeinflusste seine Kindheit und Schulzeit bis heute.

Wie weit diese Leidenschaft zum Motorsport ging schildert Olli uns heute:

Es war Freitag, der 27. Mai 1983. Ich saß als 13-jähriger in der Schule und hörte bereits sehr früh diese herrlichen Geräusche aus dem Bereich Kallenhard, die über Adenau schallten. Denn es lief das erste freie Training zum 1000 km Rennen. Meine Aufmerksamkeit galt nicht dem Lehrer vorne an der Tafel, sondern mehr dem Blick hoch in Richtung Kallenhard.

Um 09:25 Uhr dann die große Pause, und mein Freund Kurt aus der Parallelklasse 7a stand mit demselben sehnsüchtigen Blick in Richtung Nordschleife auf dem Pausenhof. Kurzer Blickkontakt zwischen uns verbunden mit der Frage „was habt ihr denn gleich nach der Pause?“ und nach einer Nanosekunde des Überlegens war klar, dass ich anstatt des Lateinlehrers und seinem „De Bello Gallico“ doch lieber „Den Bellof aus der Kallenhard“ vorziehen werde. Was brauchen wir noch? Ein belegtes Brötchen und eine Capri-Sonne vom Hausmeister-Büdchen. Doch dort hing leider das Schild „wegen Krankheit geschlossen“. Dann halt ohne Verpflegung auf zum Wehrseifen.

Olli Martini 1976
Foto: Archiv 1976 Olli Martini

Und wer sitzt da gemütlich auf seinem Klappstühlchen? Unser Hausmeister, der uns mit den Worten begrüßte: „Wenn ihr nichts sagt, sage ich auch nichts!“ Immer gut, wenn man beim Schule schwänzen Verbündete hat. Am späten Nachmittag dann zu Hause angekommen, wusste meine Mutter natürlich sofort, was mal wieder los war. „Wie lange hast Du es denn in der Schule ausgehalten heute?“ „Bis zur ersten großen Pause.“ gab ich kleinlaut zu. „Das war mir klar, aber sag bloß dem Papa nichts!“.

Doch was macht Klein-Olli als erstes, als Papa heimkommt? „Papa, ich habe heute gesehen, wie Helmut (das war unser damaliger Schleppwagen-Fahrer) im Wehrseifen einen Porsche aufgeladen hat!“ Sehr schnell wurde meinem alten Herrn klar, dass der Unfall schon früh am Morgen war und ich demnach wieder mal die Schule geschwänzt hatte. Nach einer kurzen, aber heftigen Ansage war der Ärger aber genauso schnell wieder vorbei und ich durfte am nächsten Tag natürlich wieder an die Strecke und konnte die Fabelrunde von 06:11 min. des Stefan Bellof Live miterleben.

Olli Martini
Foto: L. Rodrigues

Egal ob im Fahrerlager beim Bier, beim Dienst auf dem Posten um die Strecke oder an langen Winterabenden mit Glühwein. Es gibt unzählbare Geschichten rund um den Motorsport. Einiges ist in der Tradition des „Seemannsgarn“ frei erfunden, übertrieben – vieles hat sich aber genau so zugetragen. Um ein wenig Licht in die trübe und Motorsport freie Zeit zu bringen haben wir für Euch 24 dieser Anekdoten zusammengesammelt und stellen diese bis Weihnachten vor.

Ganz gleich welche dieser interessanten Erzählungen, wir werden diese nicht nachrecherchieren oder bewerten, wir freuen uns einfach an diesen Perlen der Rennsportgeschichte und hoffen Ihr habt Gefallen daran. Herzlichen Dank an alle die sich bereit erklärt haben aus dem Nähkästchen zu plaudern!

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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