Wohl einer der sympathischsten und legendärsten Fahrer erzählt uns von seinem Notfall in Le Mans. Jörg Müller, ehemaliger Werkspilot hat mit seinen 50 Jahren sicherlich alle bedeutenden Rennen und Serien gefahren. Mit unterhaltsamen Hintergrundgeschichten erzählt er auf seinem Facebook Profil gerne und unterhaltsam aus alten Zeiten.

Für unsere Adventsgeschichten erinnert er sich an das 24h-Rennen in Le Mans 1998:

Wir waren mit dem Porsche GT1 das gesamte Rennen über im Kampf um Platz eins oder zwei und beendeten dieses dann auch auf dem zweiten Rang. Am frühen Abend des Samstags kam mein Ingenieur zu mir und sagte: „Jörg, nach der nächsten Runde gehst Du ins Auto!“ Ich als braver und erfahrener Rennfahrer ging natürlich nochmal hinter die Box, um Pipi zu machen. Den Rennanzug hatte ich natürlich schon an. Da waren also Container mit Toiletten, zu denen ich rannte. Dort erleichterte ich mich nochmals, denn die Zeit drängte. Etwas überschwänglich wollte ich wieder raus, dabei habe ich offensichtlich den Türgriff abgerissen. Jörgi also fünf Minuten vor seinem Stint somit gefangen im dunklen „Sch****haus“ in Le Mans.

Was macht man da? Nicht nur dass ich einen roten Kopf und Panik bekam, ich fing an zu brüllen und zu wüten, klopfte wie wild gegen die Türe. Mein einziger Gedanke war nur: Gleich kommt das Auto in die Box und der nächste Fahrer ist nicht da, sondern eingesperrt im Dixi-Klo!

Nach gefühlten fünfzig Minuten – was eigentlich nur etwa zwei Minuten waren – hörte ich die Rettung. Es kam jemand von außen und hat dann ganz vorsichtig die Türe geöffnet. Verwundert schaute mich ein Mann an, der war etwas über mein Geschrei und Poltern schockiert. Ich bin nur wie eine Furie an ihm vorbei gesprintet. Ab in die Box und die Murmel auf den Kopf. Keine zwanzig Sekunden später kam auch schon das Auto. Das war vermutlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich verschwitzter ins Auto sprang als ich sonst herausstieg. Stress und Adrenalin pur – aber es ging ja noch gut und wir kletterten letztlich sogar auf das Podium.

Jörg Müller
Foto: L. Rodrigues

Egal ob im Fahrerlager beim Bier, beim Dienst auf dem Posten um die Strecke oder an langen Winterabenden mit Glühwein. Es gibt unzählbare Geschichten rund um den Motorsport. Einiges ist in der Tradition des „Seemannsgarn“ frei erfunden, übertrieben – vieles hat sich aber genau so zugetragen. Um ein wenig Licht in die trübe und Motorsport freie Zeit zu bringen haben wir für Euch 24 dieser Anekdoten zusammengesammelt und stellen diese bis Weihnachten vor.

Ganz gleich welche dieser interessanten Erzählungen, wir werden diese nicht nachrecherchieren oder bewerten, wir freuen uns einfach an diesen Perlen der Rennsportgeschichte und hoffen Ihr habt Gefallen daran. Herzlichen Dank an alle die sich bereit erklärt haben aus dem Nähkästchen zu plaudern!

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Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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