Historiker Alexander Kraß erzählt uns heute eine interessante Hintergrundstory welche vielen nicht bekannt ist: Die erste offizielle Runde auf dem gerade erst eröffneten Nürburgring wurde von einer Frau gefahren. Wer das war – dazu gleich.

18./19. Juni 1927. Nach etwas weniger als zwei Jahren Bauzeit, während der bis zu 2.300 Menschen gleichzeitig an der damals über 28 Kilometer langen Strecke gearbeitet hatten, war das große Eröffnungswochenende gekommen. Für Samstag, den 18. Juni, waren die Feierlichkeiten angesetzt, ebenso wie die ersten Rennen, welche damals Motorradrennen waren. Am 19. Juni, also dem Sonntag, fand das erste Wagenrennen statt, welches, wie bekannt ist, vom Remagener Hotelierssohn Rudolf „Carratsch“ Carracciola gewonnen wurde.

Alexander Krass
Foto: Archiv A. Krass

Nach den Eröffnungsreden an besagtem Samstag wurde feierlich das Band durchfahren und eine Kette von unzähligen Fahrzeugen machte sich auf zur ersten offiziellen Runde auf der „Ersten Deutschen Gebirgs-Renn- und Prüfungsstraße“, so der Arbeitstitel der neuen Strecke. Treibende Kraft für den Bau war der damalige Adenauer Landrat Dr. Otto Creutz – aber auch wenn er die Eröffnungsrede hielt und damals allen als Erbauer des Nürburgrings bekannt war, war es nicht er, der die erste Runde fahren durfte, sondern seine Frau Hedwig Creutz. Der Name sagt Ihnen etwas? Natürlich: Die Hedwigshöhe kurz nach der Hohen Acht soll nach ihr benannt worden sein. Hedwig Creutz durfte nun samstags morgens mit dem Führungsfahrzeug durch das Eröffnungsband und dann die erste Runde fahren – mit an Bord waren hochrangige Minister der damaligen Regierung. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten musste Frau Landrat natürlich entsprechend modisch gekleidet sein – dieses modische Schuhwerk passte aber so garnicht zum Anspruch, eine Runde auf dieser fast 30 Kilometer langen Strecke zu fahren. Also wurde ihr beim Einsteigen in den Wagen mit den Ministern halbwegs versteckt geholfen, ihre Schuhe zu wechseln.

Hedwig Creutz fuhr die erste Runde auf dieser großartigen, wunderschönen und faszinierenden Strecke – denken Sie doch einmal kurz daran, wenn Sie das nächste Mal an der Hedwigshöhe sind.

Diese und mehr Informationen über den Bau, die Eröffnung und die ersten Jahre des Nürburgrings gibt’s im Buch „Vor 90 Jahren“ von Alexander Matthias Kraß, hier zu bestellen. Der gesamte Erlös geht an ein Kinderhospiz – mit der Lektüre tun Sie also noch etwas Gutes!

Buch 90 Jahre Nürburgring Alexander Krass

Mehr Informationen über den Autor, der am Nürburgring auch als Moderator und Historiker unterwegs ist, finden Sie auf seiner Homepage.

Egal ob im Fahrerlager beim Bier, beim Dienst auf dem Posten um die Strecke oder an langen Winterabenden mit Glühwein. Es gibt unzählbare Geschichten rund um den Motorsport. Einiges ist in der Tradition des „Seemannsgarn“ frei erfunden, übertrieben – vieles hat sich aber genau so zugetragen. Um ein wenig Licht in die trübe und Motorsport freie Zeit zu bringen haben wir für Euch 24 dieser Anekdoten zusammengesammelt und stellen diese bis Weihnachten vor.

Ganz gleich welche dieser interessanten Erzählungen, wir werden diese nicht nachrecherchieren oder bewerten, wir freuen uns einfach an diesen Perlen der Rennsportgeschichte und hoffen Ihr habt Gefallen daran. Herzlichen Dank an alle die sich bereit erklärt haben aus dem Nähkästchen zu plaudern!

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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