Zum vierten Advent erinnert sich Historiker Alexander Kraß an sein Treffen mit Sir Jackie Stewart welcher scheinbar immer noch in Zeiten lebt in denen galt „when racing was dangerous and sex was safe“:

2017 – Jubiläumsjahr des Nürburgrings: 90 Jahre Motorsport in der Hocheifel. Dieses Ereignis wurde natürlich auch im entsprechenden Rahmen gefeiert und so hatte der Nürburgring Mitte Juni eine ganze Menge Motorsportprominenz zu einer Feierstunde mit Ausstellungseröffnung ins ring°werk geladen, unter anderem Legenden wie Rainer Braun und Klaus Ludwig. Ebenso war zu diesem Abend ein Ehrengast unter den Besuchern, der in ganz enger Verbindung mit der Geschichte dieser Strecke steht: Sir Jackie Stewart.

Für Historiker wie mich natürlich eine einmalige Gelegenheit, eine solche Legende kennenzulernen – nach einem sehr netten Plausch war Stewart auch damit einverstanden, mit meiner Freundin und mir ein Erinnerungsfoto zu machen. Kaum war dieses gemacht, fiel das Gespräch auf die Veranstaltung, die während des Jubiläumswochenendes stattfand, die Nürburgring Classic. „Fahren Sie dort auch mit?“ fragte mich Stewart auf Englisch. „Nein, leider nicht“ antwortete ich ihm, etwas überrascht von der Frage. „Warum denn nicht?“ Meine Antwort war ehrlich: „Für so einen Oldtimer-Rennwagen fehlt mir leider das Geld!“ In jedem anderen Gespräch hätte man an dieser Stelle wohl das Thema gewechselt, nicht aber bei dem damals 78jährigen: Der deutete mit seinem Finger einfach auf meine Freundin und meinte trocken „Na dann schicken Sie Ihre Freundin doch mehr arbeiten, dann können Sie sich auch so einen Rennwagen leisten.“

Moment, was? Betretene Stille bei allen Beteiligten. Verstörte Blicke. Entsetzen. Hatte er das grad wirklich gesagt – und hatte er das auch so gemeint? Ein paar Sekunden vergingen. Dann wechselte sein ernster Blick plötzlich zu einem spitzbübischen Lächeln, Stewart ging charmant auf meine Freundin zu, gab ihr höflich die Hand und spätestens dann war jedem klar, dass es ein Scherz sein sollte. Man muss wohl sich wohl sein ganzes Leben selbst zur Legende machen, um solch einen Spruch bringen zu können, vor allem muss man aber auch einen guten Namen haben, damit jeder erkennt, dass es nicht ernst gemeint sein konnte. Ganz ehrlich: Mich hatte dieser Spruch erstmal so aus dem Konzept gebracht, dass ich mich schon gar nicht mehr genau erinnern kann, worüber wir sonst mit ihm noch an dem Abend gesprochen hatten.

Ein anderer Gast, der die Situation am Rande mitbekommen hatte, nahm mich kurz danach auf die Seite und sagte nur trocken „Naja, wer Golf-GTI-Sitzbezüge als Hosen trägt, hat halt manchmal auch einen etwas anderen Humor!“ – wohl wahr.

Interessante und wertvolle Informationen über den Bau, die Eröffnung und die ersten Jahre des Nürburgrings gibt’s im Buch „Vor 90 Jahren“ von Alexander Matthias Kraß, zu bestellen auf www.vor90jahren.de. Der gesamte Erlös geht an ein Kinderhospiz – mit der Lektüre tun Sie also noch etwas Gutes!

Mehr Informationen über den Autor, der am Nürburgring auch als Moderator und Historiker unterwegs ist, finden Sie auf www.alexkrass.de.

Alexander Krass
Foto: Archiv A. Krass

Egal ob im Fahrerlager beim Bier, beim Dienst auf dem Posten um die Strecke oder an langen Winterabenden mit Glühwein. Es gibt unzählbare Geschichten rund um den Motorsport. Einiges ist in der Tradition des „Seemannsgarn“ frei erfunden, übertrieben – vieles hat sich aber genau so zugetragen. Um ein wenig Licht in die trübe und Motorsport freie Zeit zu bringen haben wir für Euch 24 dieser Anekdoten zusammengesammelt und stellen diese bis Weihnachten vor.

Ganz gleich welche dieser interessanten Erzählungen, wir werden diese nicht nachrecherchieren oder bewerten, wir freuen uns einfach an diesen Perlen der Rennsportgeschichte und hoffen Ihr habt Gefallen daran. Herzlichen Dank an alle die sich bereit erklärt haben aus dem Nähkästchen zu plaudern!

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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