Bernd Plauschinat, Jahrgang 1960, ist seit Jahrzehnten als Sportwart der Streckensicherung aktiv. Inzwischen ist er der „Chief Marschall“ der VLN Langstreckenmeisterschaft und Bindeglied zwischen den Sportwarten und Abschnittsleitern draußen an der Strecke und der Racecontrol. Auch er erlebte schon einige kuriose Dinge beim Dienst auf dem Posten.

Gerne erzähle ich auch eine Geschichte welche sich wiederum im Rahmen des „Porsche Weekends“ zugetragen hat.

Es fuhren Porsche 911 – welcher mit Trockensumpf Schmierung einige Liter Öl an Bord hat. Ich schätze mal, so 12-14 Liter hatten die damaligen Modelle sicherlich. Ein Teilnehmer kam aus der Boxengasse auf die Strecke und begann sofort mit starkem Ölverlust, welcher der Fahrer wohl auch bemerkte. Wie Rennfahrer nun mal so ticken, versuchte er trotzdem das Auto wieder zur Box zurückzubringen und umrundete die Grand Prix Strecke. Dabei legte er eine Betriebsmittelspur von einem halben Meter Breite auf der gesamten Piste. Das sah schon richtig „toll“ aus dieser schillernde Ölstreifen. Die Veranstaltung wurde mit Roter Flagge erst einmal unterbrochen.

Es gab zu der Zeit natürlich noch keine E-Unit für solche Fälle. Auf jedem Posten waren je zwei Säcke mit 50KG Bindemittel verteilt. Nun schafft man bei einer 40-50 cm breiten Ölspur damit etwa einen bis zwei Meter abzustreuen, um das Öl effektiv aufzunehmen. Mit viel gutem Willen und verteilen mit einem Besen kamen somit pro Posten etwa fünf Meter „sauberer Strecke“ zustande. Für die restlichen 195 Meter zum nächsten Posten wurde dann tonnenweise Bindemittel in Säcken angekarrt und verteilt.

Symbolbild Ölbindemittel Feuerlöscher
Foto: L. Rodrigues

Letztendlich wurde über zwei Stunden – mit brennenden Oberarmen – die gesamte Runde damit abgestreut und anschließend weggekehrt. Der Fahrer wurde auch im Fahrerlager von allen nicht sehr freundlich begrüßt – war durch diese Aktion ja die gesamte Veranstaltung eine gefühlte Ewigkeit unterbrochen worden. Wer weiß wie viel das Bindemittel kostet, kann sich schnell ausrechnen, dass es für den Schuldigen besser gewesen wäre die Karre sofort abzustellen, anstatt egoistisch eine solche Aktion anzustoßen. Die Verfluchungen der Sportwarte und der anderen Teams waren wohl aufs übelste.

Bernd Plauschinat
Foto: L. Rodrigues

Egal ob im Fahrerlager beim Bier, beim Dienst auf dem Posten um die Strecke oder an langen Winterabenden mit Glühwein. Es gibt unzählbare Geschichten rund um den Motorsport. Einiges ist in der Tradition des „Seemannsgarn“ frei erfunden, übertrieben – vieles hat sich aber genau so zugetragen. Um ein wenig Licht in die trübe und Motorsport freie Zeit zu bringen haben wir für Euch 24 dieser Anekdoten zusammengesammelt und stellen diese bis Weihnachten vor.

Ganz gleich welche dieser interessanten Erzählungen, wir werden diese nicht nachrecherchieren oder bewerten, wir freuen uns einfach an diesen Perlen der Rennsportgeschichte und hoffen Ihr habt Gefallen daran. Herzlichen Dank an alle die sich bereit erklärt haben aus dem Nähkästchen zu plaudern!

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Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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