Yannick Mettler gehört aktuell zu den erfolgreichsten Schweizer Rennfahrern im Langstreckenbereich. Zu seinen wichtigsten Erfolgen zählen Siege in jeder durchlaufenen Kategorie (Formel 4, Formel 3, Tourenwagen, GT4, GT3), sowie je ein Meistertitel in der 24h Series (TCR Intercontinental) und in der VLN (GT4 Klasse). Zudem ist der in Zürich wohnhafte Luzerner bereits sechsfacher 24-Stunden-Klassensieger – davon dreimal in Folge auf der Nürburgring Nordschleife. Ausserhalb des Cockpits ist der ETH Maschinenbauingenieur als Fahrer-Coach tätig und wirkt an der Entwicklung von hochwertigen Rennsimulatoren mit.

Foto: Gruppe C Photography

Wie viele Rennen bist du in diesem Jahr gefahren?

Es waren insgesamt 9 Endurance Rennen. Nebst den fünf Läufen der GT World Challenge bin ich bei drei Rennen der 24h Series und einen Gaststart beim Goodyear 60 (GTC) gefahren.

Bist du mit dem Verlauf der Saison zufrieden?

Nicht ganz. In der World Challenge war die Ausgangslage allerdings auch schwieriger, wie in anderen Jahren: für beide meiner Teamkollegen war es ihre erste GT3 Saison und wir hatten nicht viele Erfahrungswerte mit den Pirelli-Reifen. Entsprechend war es für alle ein Aufbau-Jahr.

Nach einem Sprung ins kalte Wasser ging es zunächst aufwärts, dann stagnierte der Aufwärtstrend aber wieder etwas – daher konnten wir zum Saisonende hin nicht wie erhofft um Podiumsplätze mitfahren. Mit dem 5. Rang im Silver Cup bei den 24h of Spa gelang uns aber ein toller Achtungserfolg!

Foto: Y. Mettler Archiv

In der 24h Series konnte ich bei 3 Events zweimal die Pole Position in der TCR Klasse einfahren, die Rennen in Dubai und Paul Ricard verliefen mit zwei Podestplätzen auch ganz gut, nur in Hockenheim sind wir leider in Führung liegend ausgeschieden.

Insgesamt waren also doch einige positive Momente mit dabei! Dass es nicht immer so reibungsfrei wie in den letzten paar Jahren laufen kann, ist mir natürlich auch klar.

Was war dein persönliches Highlight in der Saison 2021?

Foto: Gruppe C Photography

Definitiv die 24h von Spa, das war schon der Hammer! Sich in einem Feld von über 60 GT3 Fahrzeugen mit den weltbesten Fahrern zu messen, ist bereits ein Highlight für sich.

Obwohl die Anfangsphase des Rennens zunächst gar nicht für uns lief, konnten wir am Ende das beste Saison-Ergebnis erzielen. In den frühen Morgenstunden hatten wir einen richtig guten Lauf und waren zeitweise das schnellste Fahrzeug im Silver Cup [die für uns relevante Wertung der GT World Challenge]. Spa im GT3 ist immer genial, umso mehr wenn man es richtig fliegen lassen kann!

Hattest du in diesem Jahr einen Zweikampf auf der Strecke der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Foto: Xynamic

Beim World Challenge Auftaktrennen in Monza bin ich von P38 gestartet und konnte innerhalb einer Stunde fast 20 Positionen gutmachen. Da waren auf jeden Fall einige tolle Zweikämpfe mit dabei! Zuerst durch das Startgetümmel, dann mit Slicks ins Nasse, als Regen einsetzte – anschliessend die ersten Meter auf dem Pirelli Regenreifen bei strömendem Regen – und dabei im ständigen Zweikampf. Dieser Stint hat einem alles abverlangt, was man als Rennfahrer so drauf haben muss, war aber auch einer der spannendsten dieser Saison!

Im Laufe der Saison kamen auch wieder Fans zurück an die Strecke und letztlich sogar ins Fahrerlager. Wie war das für dich, als man wieder im direkten Kontakt mit den Fans stand?

Das war eine auf jeden Fall eine Erleichterung für mich, denn unser Sport lebt nur mit den Fans so richtig. Es war teilweise schon ein trauriger Anblick vorher, aber es musste halt erstmal irgendwie weiter gehen. Wieder vor vollen Tribünen zu fahren und die Leidenschaft mit den Fans zu teilen, tat uns allen gut nach dieser Zeit!

Im Motorsport hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Wie siehst du die aktuelle Entwicklung und was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Foto: Gruppe C Photography

In erster Linie würde ich mir wünschen, dass sich der Sport und die Industrie dahinter möglichst von den Folgen der Pandemie erholen kann. Das ist mal das Wichtigste. Ansonsten ist mein Eindruck ist, dass die Debatte um die Motorisierung aktuell etwas in den Hintergrund gerückt ist. Im Sprint-Bereich gibt es hie und da neue Elektro-Serien, aber für den Endurance-Motorsport wird es wohl der Verbrennungsmotor bleiben, entweder als Hybrid-Konzept oder eben mit alternativen Kraftstoffen wie eFuels oder Wasserstoff. Ich finde diesen Ansatz super, weil Batterie-betriebene Fahrzeuge ja von Natur aus keine Lösung für Langstrecken sind.

Wie verbringst du die Winterpause?

Die klassische Winterpause von 2-3 Monaten gibt es dank der Rennen im Januar und Februar eigentlich gar nicht mehr, was mir aber natürlich ganz recht ist! Die Zeit nutze ich in erster Linie zum Vorbereiten, Trainieren und um einige Projekte weiter voranzutreiben. Seit 2020 setzt ich mich im Rahmen des Nachwuchsprogramms MISSION:PRO immer mehr für junge Fahrer ein, das ist ein Projekt dass mir sehr am Herzen liegt und in das ich aktuell viel Zeit investiere. Langweilig wird’s mir jedenfalls nicht so schnell!

Gibt es schon Pläne für die kommende Saison?

Es gibt Pläne für drei Serien im GT3 Bereich, allerdings will ich da noch vorsichtig sein mit Aussagen, bis sich die aktuelle Situation wieder etwas stabilisiert. Abgesehen von diesem Vorbehalt sieht es aber ganz gut aus aktuell.

Quelle: Pressemitteilung Yannick Mettler

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