Foto: Lutz Rodrigues

Viel Lärm um Nichts…


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Hallo VLN-Fans,

so langsam ist das zweite Rennen der Saison verdaut, die sozialen Netzwerke überschlugen sich mal wieder förmlich in Meldungen, Fotogalerien und Meinungen.

Die Sicherheit der Besucher in den Boxen und der Startaufstellung wurde angeregt diskutiert. Auch die Moderatoren am Stream äußerten sich. Da ich persönlich inzwischen den Trubel im Fahrerlager vor den 24h meide wie der Teufel das Weihwasser, kann ich nur aus vergangenen Jahren mitreden. Für den VLN-Fan gehört es mit dazu so hautnah am Geschehen zu sein. Während die DTM groß tönt für die Fans mehr Nähe zu schaffen, in dem man gewisse Boxen öffnet, ist das bei der VLN seit Jahren schon selbstverständlich. Fachsimpeln mit Mechanikern, Selfie mit den großen Stars aus allen Zeiten oder Smalltalk mit Freunden aus dem Motorsport sind bei der VLN im Eintrittsgeld von € 15.- inklusive.

Wer in dem ganzen Gewirr des Samstagstrainings mal an der roten Boxenlinie stand, erinnert sich sicher wie unübersichtlich es dort doch zugeht. Schneller als erwartet stoppt ein Auto direkt vor den Füßen, wird betankt oder in die Boxen geschoben, dabei geht es meistens um zentimeterbreit Platz zwischen Reifen oder dem Nachbarwagen. Wenn dann noch mit Rucksack beladene Besucher mit dem Rücken zur Strecke im Weg stehen muss das nicht sein. Die offenen Boxen sind ein Alleinstellungsmerkmal der VLN, diese Fannähe für alle Sinne bietet keine andere Serie. Daher als Fan meine Bitte: Respektiert die Anweisungen der Sportwarte an den Boxen, behandelt sie wie Menschen und hört auf sie. Jeder Moment den sie mit sinnfreien Diskussionen verbringen müssen fehlt für Aufmerksamkeit am Geschehen auf der Strecke. Nutzt die Freiheit das Anlassen der Motoren in den Boxen zu hören, streckt die Nase mal aus der Boxentüre, aber bis da hin und nicht weiter…

Foto: Lutz Rodrigues

Wir sollten uns im Klaren sein, daß ein Zwischenfall mit Zuschauer in den Boxen genug wäre, um das gesamte Veranstaltungskonzept zu kippen. Wer jetzt schon nörgelt oder sich gegen die Anweisungen stellt (sicher nur ein Besucher aus Hunderten) gefährdet nicht nur sich und seine Gesundheit, er gefährdet ein einmaliges Erlebnis für Tausende. Mehr als an die Vernunft appelieren kann ich da nicht.

Ebenso stark wird das Thema Lärmschutz am Nürburgring diskutiert. Da wird auf Fanseite gejammert und mit wegbleiben gedroht wenn der Sound nicht stimmt.

Hallo Leute, was stimmt denn nicht?

Wer sich ein Wenig damit befasst wird schnell erkennen, daß es die Dezibelgrenzen schon lange gibt und diese auch gewissenhaft überwacht werden. Bei Rennen wie bei offenem Touristenfahren. Natürlich wollen die Meisten den vollen und puren Motorensound hören, jedoch auch hier sind strikte Regeln vom Gesetzgeber gegeben. Diese wurden und werden ja schon recht tolerant gehandhabt und ein Durchschnittswert ermittelt. Mal ganz ehrlich, wer von Euch hört den Unterschied von 130dB und 136db noch? So lange ich am Schwalbenschwanz noch erwachsene Menschen mit Gehörschutz stehen sehe ist doch alles in Ordnung. Wer sich mit dem Thema auseinander setzt merkt schnell, daß es viel um das subjektive Hören geht. Bis heute klingt der „Gazprom-Clio“ mit seinem Trompeten in meinen Ohren, das war 2012.

Foto: Lutz Rodrigues
Foto: Lutz Rodrigues

Der saugende Motorklang des Schall-EVO ebenso. Waren die in den Messungen lauter als zugelassen? Ich denke nicht!

Die Spielchen um die dB-Grenzen wurden im vergangenen Jahr ja schon getrieben. So wurden Auspufföffnungen einfach mit umfunktionierten Cateringwannen verändert um den Schalldruck zu beeinflussen. Ebenso sah man häufig die etwas seltsam anmutenden Bananenkrümmungen zum Boden, um auch hier die Emission zu beeinflussen. Wenn am Ende doch gefahren wird ist alles gut.

Foto: Lutz Rodrigues
Foto: Lutz Rodrigues

Der Z4 GT3 von Walkenhorst (meiner Meinung nach der schönste Sound der VLN) kommt bei den Messungen auf etwa 128,5dB -ähnlich ein neuer M6 GT3. Trotzdem wird von uns der Klang anders empfunden. Wegen mir könnte der Z4 auch ohne Schalldämpfer fahren, er könnte nie laut genug sein. Darf er leider nicht.

Peter Posavac dazu: „Der Hammer ist Daytona, da hab ich den Zetti die ganze Zeit gehört obwohl ich in der Box stand. Da sind die aber auch ohne Schalldämpfer gefahren. Hammer, krieg jetzt noch Gänsehaut.“

Foto: Lutz Rodrigues
Sein Teammanager beschreibt es so: „Der Z4 hat im Schnitt einen Geräuschwert von 128-129,5dB(A)-LWA. Die Messpunkte sind mobil gehalten um ein absichtliches liften bzw Geräuschwert senken zu vermeiden. Wichtig noch, dass dieser Wert subjektiv sehr different wahrgenommen wird. Dies liegt vor allem an den verschiedenen Frequenzen. Bedeutet, dass z.B. der M6 ebenfalls genau an diesem Limit fährt aber die Frequenz im menschlichen Gehör nicht als so laut wahrgenommen wird. Wenn wir offen fahren habe ich keinen klaren Wert. Das menschliche Gehör nimmt die Lautstärke doppelt so laut wahr bei einer Anhebung von ca 6-10dB. Dementsprechend kann man sich das etwas herleiten. Subjektiv würde ich sagen dass dann der Z4 ca 140db(A) nach der o.g. Messung abgibt“
Danke für die Informationen.

Einmal mehr sollte auch die Arbeit der Sportwarte und der Streckensicherung erwähnt werden. Wer hat das Video aus dem Brünnchen mit dem verantwortungslosen Fahrer gesehen?

Bei solchen Bildern stelle ich den Sinn einer Nordschleifenpermit bzw. einer Rennfahrerlizenz selbst mal wieder auf den Prüfstand. Neben dem Abstellen des defekten Autos mitten auf der Strecke, begibt sich der Pilot noch mehrfach in Lebensgefahr. Die Männer der Staffel riskieren mit jedem aussteigen ihr Leben und er Telefoniert nebendran noch… Der Herr sollte dringend seine Schulungen wiederholen und mindestens zwei Rennen lang als Sportwart von Morgens bis Abends auf einem Posten Dienst schieben. Gerne auch an so netten Stellen wie Posten 82 (Schwedenkreuz) oder Posten 200 (Antoniusbuche), vielleicht wird ihm dann klar in welcher Gefahr er sich da befand und welche Gefahren er durch das Verhalten Anderen zumutet. Vom Team selbst habe ich noch keine Stellungnahme dazu gefunden.

Mein nächster Ringbesuch wird wohl erst zu VLN 3 wieder sein. Das 24h-Qualirennen mit nichtmal Einhundert gemeldeten Autos werde ich mir zuhause anschauen. Ebenso werde ich mir das Multimediale-Megaangebot an Streams, Sendungen und Zeitentabellen beim 24h-Rennen 2017 im Wohnzimmer daheim geben. Mein Besuch vergangenes Jahr ging mir doch zu teuer aus.
In diesem Sinne wünsche ich Euch eine schöne Zeit bis dahin. Wer an der Strecke ist, soll es genießen. Wer auf der Strecke fährt, soll pushen und knitterfrei durch kommen. Wer Dienst bei der Streckensicherung hat, soll auf sich aufpassen und verdient den höchsten Respekt!

Schöne Ostertage Euch LSR-Freunden wünscht Lutz 🙂

  • Wolfgang Schaloske

    Super Statement! Schöne Oster Feiertage