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Marketingschritt nach vorne oder Praktikantenschnellschuß?

Aus Raider wurde Twix, der Inhalt und das Produkt blieb das Selbe. Die Empörung damals war groß, am Ende wurde der Schoko-Karamel-Riegel weiterhin gegessen wie vorher.

Gestern hat der ADAC recht überraschend sein neues Logo für das 24h-Rennen am Nürburgring vorgestellt. Auf Facebook kam innerhalb von Stunden nicht nur ein Shitstorm, sondern ein ganzer Tsunami an Kritik auf. Ich versuche mal ein Wenig das ganze zusammen zu fassen.

Die Googlesuche nach dem Logo bringt verschiedene Ergebnisse, die bis 1972 zurück reichen. Damals sah das ganze noch so aus:

Quelle: Nuerburgring.de / http://www.nuerburgring.de/typo3temp/fl_realurl_image/adac-24h-rennen-24-25-06-1972-69.jpg

Am Feinschliff des Logos wurde über die Jahrzehnte immer mal etwas geändert. Die Hand mit Stoppuhr und der Nordschleifenumriss in Verbindung mit den 24h blieb und hat sich nach über 45 Jahren in den Fanköpfen fest verankert. „Corporate Idendity“ wird dies in Marketingkreisen auch genannt. Ein Festhalten daran untermautert eine über lange Zeit aufgebaute Konstante, verbindet Kunden/Fans mit Unternehmen oder Vereinen. Warum wurde das 24h-Logo nun so schnell geändert?

Quelle: 24h-rennen.de / http://24hrennenassets.azureedge.net/wp-media/2017/04/24h-Rennen-neues-Logo-1030×687.jpg

Zitat von der ADAC-24h Homepage:
„Es wurde auch notwendig, weil sich die seit dem ersten 24h-Rennen im Jahr 1970 genutzte Bildmarke in vielen technischen Anwendungen nur noch eingeschränkt als verwendbar erwies. In der Hauptvariante, die künftig etwa auf der Homepage und vielen Druckwerken verwendet wird, signalisiert darüber hinaus ein kräftiger Grünton die Verbundenheit zum Austragungsort – der „Grünen Hölle“ im Herzen der Eifel.“
„Die Diskrepanz zwischen der Aussage des bisherigen Logos und dem Anspruch des 24h-Rennens mit seinen Hightechboliden wurde in den vergangenen Jahren immer offensichtlicher “, so Peter Lauterbach. „Die analoge Stoppuhr steht für die mechanische Vergangenheit – in einer Zeit von Hybridmotoren und Livestreams passt dieses Bild nicht mehr zur Kernbotschaft des Events.“
Walter Hornung ergänzt: „Ich freue mich über das gelungene neue Logo. Die kursive Schrift und der markante Farbton passen gut zum Racing in der Grünen Hölle.“

Mir ist als erstes die Ähnlichkeit zur RTL-Nitro-Homepage und Farbgebung aufgefallen. Das neue Logo lässt sich sicher einfacher in Bauchbinden einarbeiten und dient somit mehr deren Corporate Idendity. Schaue ich mich in meinem Arbeitszimmer um, so finde ich viele Fanartikel, Bücher oder Plakate aus den letzten Jahren, auf keinem sah das bisherige Logo „eingeschränkt“ oder unkenntlich aus. Lese ich bei Facebook in den Gruppen die Kommentare, so stehe ich mit der Meinung nicht alleine da. Einige Beiträge haben über 180 Kommentare, wovon gefühlte 90% nur Empörung, Enttäuschung oder Spott ausdrücken. Viele wünschen sich das alte Logo zurück, was sicherlich nicht kommen wird. Andere schlagen vor, die Fans zu befragen. Wie soll das gehen? Online-Abstimmung, Nutzervorschläge? Eine Flut an schnell zusammengewürfelten und in „MS Paint“ gebastelte Pixelbilder wäre wohl die Folge gewesen. Ich denke die Einbindung von Fans und außenstehenden Fachleuten in der Planungsphase wäre nötig gewesen. Die „Vogel friss oder stirb“ Taktik ging nach hinten los. Für viele sieht es nach einem Schnellschuß eines Praktikanten aus. Offensichtlich wurden sogar direkt Merchandising-Artikel hergestellt.

Stimmen aus dem Netz zum neuen 24h-Rennen Logo

Guido Kramer:
„Der fairness halber muss man schon sagen das das alte Logo wirklich schon sehr alt ist. Das kommt noch aus den Ende 70er/ Anfang 80er Jahren. Es wurde immer nur sehr leicht und Behutsam einem Facelift unterzogen. Kaum ein anderes Logo anderer Firmen ist so lange gleich geblieben. Dieser radikale Schritt -zudem zu einer ungünstigen Zeit- ist natürlich erstmal abschreckend und nicht jedermanns Sache. Meins ist das absolut auch nicht. Motto „Evolution statt Revolution“ wäre hier besser angebracht gewesen. Mir kommt es vor als ob es für eine „upper class“ gemacht wurde. Das Logo sieht auf edlem Zwirn vornehmer aus als das „plumpe Fan-Logo“. Da haben ultraschlaue Marketingstrategen am Produkt vorbei desinged, meine Meinung.“

Jessica Lazarus:
„ganz schön hässlich! Viel zu viel Text für ein Logo. Die 2 sieht auf dem ersten Blick aus, wie eine 7. Die Neigung der Zahlen passen nicht zur Neigung von „nürburging“. Wieso steht ADAC AUF der 2, wenn der Rest drüber und drunter steht? Heißt es jetzt Zurich 24 ADAC Nürburgring? Oder Zurich ADAC 24 Nürburgring? Ist das grün auch auf weißem Grund barrierefrei? Sieht man die 24 überhaupt im Bewegtbild, wenn es häufig grünen Hintergrund gibt? Entsteht kein Flimemrkontrast, wenn die 24 im Bewegtbild auf dem Asphalt steht? Oder wenn es immer mit diesem grauen Kasten zusammen stehen soll, was passiert auf weißem Hintergrund? Da wird man den grauen Kasten nicht mehr sehen. Zwischen diesem grauen Kasten und dem Grün gibt es auch schon einen Flimmerkontrast. Wieso ist der Kasten unten auf dem Bild dann doch nicht so grau, sondern dunkler? Wo ist da die Konsistenz? Ach im Artikel steht ja schon „Das in mehreren Varianten entwickelte Logo“. Ganz ehrlich, das ist ein Satz mit dem man sich selbst eingesteht, dass man es verkackt hat und das Logo schlicht weg nicht medienweit funktionieren kann. Ich sehe an diesem Etwas, was ein Logo sein möchte, dass da viel zu kurz gedacht wurde. Sieht mir sehr nach „Joa mach mal was neues“ (5min später) „ja geil, passt!“ aus! Hauptsache mal schnell was neues für wenig Geld. Welche Agentur hat das verbrochen? War das überhaupt eine Agentur? Davon wird ja nichts gesagt. Kommt das von Intern? Hat derjenige der das verbrochen hat, auch Ahnung davon? So viele Fragen…“

Christian Usinger:

„Hätte man wenigstens das „24h“ und das „nürburgring“ auf eine einheitliche Schräge angepasst, würde das schon viel stimmiger wirken (siehe mein Bild). Der Grünton ist meiner Meinung nach viel zu gelblich und beisst sich mit den anderen Tönen. Aber der Gipfel ist dieser völlig übertriebene Schlagschatten… Sie aus als wäre dem Designer (wenn man ihn so nenn kann….) nix mehr eingefallen ist. „Och, mach ich halt noch n Schlagschatten dazu – fertig.“ Kann mir nicht vorstellen das sich Fanartikel mit dem Logo gut verkaufen lassen. Und was ich mich die ganze Zeit schon frag: Wenn das Logo die Entscheidung gewonnen hat, wie sahen dann erst die anderen Vorschläge aus?
LG von einem gelernten Mediengestalter.“

Der LSR-Freunde Chefredakteur sieht es anders, Michael Brückner:
„Gemeckert ist natürlich immer schnell. Dass man es nicht allen Recht machen kann, ist allseits bekannt. Dass der gemeine Nordschleifenfan schwer zufrieden zu stellen ist, vor allem wenn es mit der CNG oder dem ADAC zusammenhängt, ist auch kein Geheimnis. Wenn man sich jedoch mal die Hintergründe dazu durchliest, macht das neue Logo durchaus Sinn. Ich bin auch der Meinung, dass es schönere Logos gibt. Die Schräge des Schriftzuges hätte schon eine Linie mit der 24 haben können. Insgesamt mit dem Hintergrund der „grünen Hölle“ und der Moderne der Sportwagen und der Technik ist es sehr gelungen. Daumen hoch!“

So viel an Zustimmung kann ich dem Logo nicht abgewinnen. Jedoch wurden die Teams, Medien und Fans nun vor vollendete Tatsachen gestellt. Bleibt zu hoffen, daß das neue Logo schnellstmöglich noch geändert wird, bevor Dritte ihre Merchandisingartikel und Drucksachen für viel Geld und Lizenzgebühr herstellen und es erst später nachgebessert wird.

Ihr seht, es gibt immer etwas zu diskutieren. Macht dies, macht Euch Luft, erfahrene und professionell arbeitende Unternehmen machen dazu auch vorher Marktstudien. Hierfür ist es zu spät! Wir können Dinge ändern, manches jedoch liegt nicht in unserer (Fan-)Hand…

Ein schönes Wochenende noch, viel Spaß beim 24h-Qualifikationsrennen, wo auch immer Ihr es erlebt!
Lutz Rodrigues