Jammer- und Motzkultur par excellence

Ich habe lange überlegt und habe mich auch lange gescheut, diese Plattform zur Veröffentlichung meiner persönlichen Meinung zu nutzen. Doch nun muss ich die Form, die ich jedem Motorsportfan gerne zur Verfügung stelle, selbst nutzen.

Mir geht es um den zwischenmenschlichen Umgang, miteinander – gegeneinander – untereinander. Und ich bin schwer überrascht, wie sich Menschen untereinander verhalten, obwohl alle dem gleichen Hobby oder gar Beruf fröhnen: Motorsport.

Hauptsache, die Luft hat gescheppert!

Da wird sofort geschimpft, gemotzt und sogar gedroht. Innerhalb weniger Minuten werden ganze Shitstorms vom Zaun gebrochen. Für was? Nur um sich und seinem Unmut Luft zu machen „Hauptsache, die Luft hat gescheppert!“. Ob es die Sache wert ist, weiß keiner so recht. Jeder muss der Lauteste, der Schnellste, der Beste oder einfach nur der Erste sein. Das betrifft aber nicht nur den Motorsport. Dieses Prinzip funktioniert inzwischen in allen Lagen des täglichen Lebens, egal ob im Reisverschlussverfahren auf der Autobahn, im Stau ignoriert man sogar die Pflicht einer Rettungsgasse und beschimpft – bedroht sie sogar – die Einsatzkräfte. Im Supermarkt an der Kasse wird gepöpelt, weil man mit einem einzelnen Artikel in der Hand freundlich darum bittet, vor dem Wochenendeinkauf durchzukommen. Leute, das nervt!

Aber ich will mich mal auf den Motorsport konzentrieren.

Beispiel 1: Das neue N24h-Logo

Nehmen wir das Beispiel „neues N24h-Logo“. Mir persönlich gefällt es. Ich habe in einem einzigen Beitrag auch zu verstehen gegeben, was mir gefällt und dass auch ich durchaus Verbesserungspotenzial sehe. Ich habe meine persönliche Meinung geäußert, mit allem was dazugehört: Pro & Contra und Begründung. Aber was ich da für Kommentare lesen musste – unglaublich! „Zum Kotzen!“ und „Scheisse!“ waren da noch die „freundlichsten Gegenargumente“. Ich versteh das nicht. Warum muss man denn immer gleich seinem Frust so Luft machen. Warum denkt der geneigte Kommentator nicht erst nach, bevor er sich kritisch äußert. Versteht mich nicht falsch: ich bin für eine Auseinandersetzung über verschiedene Ansichten und Sichtweisen. Ich diskutiere gerne. Es ist doch ganz normal, dass jeder andere Ansichten hat. Das macht uns ja schließlich aus. Aber dabei sollte auch nie irgendjemand vergessen, dass gegenüber auch nur Menschen sitzen.

Beispiel 2: Zutritt für Fans in die Boxengasse

Erkennen lässt sich die Verrohung der Kommunikationskultur auch am Beispiel der VLN und dem Zutritt in die Boxengasse für Fans, während des Rennens. Fans drohen damit, von der Veranstaltung wegzubleiben, weil sie während des Rennens nicht mehr in die Boxengasse dürfen. Geht es noch? Was soll das denn?! Ich persönlich bin der Meinung, wer so droht, soll doch bitte allen anderen den Gefallen tun und tatsächlich Zuhause bleiben.

Denn niemandem ist geholfen, wenn auch nur einem Fan im Rennbetrieb etwas zustößt. Ich als akkreditierter Journalist/Fotograf muss mich genauso an Regeln halten. Ja, ich komme in den Genuss während des Renngeschehen die Boxengasse zu betreten. Wie leichtfertig die VLN den Zutritt gewährt und wie viel Zugeständnisse man da macht, merkte ich auch erst, als ich am vergangenen Wochenende beim N24h-Qualifikationsrennen dabei war. Ohne feuerfesten Anzug und Helm gibt es da keinen Zutritt während des Rennens. Und das ist auch gut so! Hier können sich die Verantwortlichen der VLN sogar noch ein Beispiel nehmen. Fannähe hin oder her. Ohne Schutzkleidung hat keine Menschenseele etwas in der Boxengasse, wenn nicht sogar in den Boxen verloren.

Beispiel 3: Fans zweier Klassen?

Was – liebe ältere Fans – ist denn so schwer daran, sich die Meinung von den jüngeren anzuhören?! Ich empfinde es als arrogant und anmaßend zu behaupten, der Gegenüber könne gar nicht mitreden, weil er ja keine Erfahrung habe. Bitteschön, welche Erfahrung brauche ich denn als Fan, um bei Themen – wie unter Beispiel 1 genannt, das neue N24h-Logo – mitzudiskutieren? Was macht eure Erfahrung denn so besonders, das eure Meinung höher gewichtet?
Ich möchte das jetzt mal kurz aus meiner persönlichen Sicht erklären. Ich verfolge das Treiben im Motorsport erst seit ca. 5 Jahren so intensiv, dass ich ein eigenes Magazin auf die Beine stellen konnte. Nach Ansicht vereinzelter „älterer Fans“ gehöre ich nun aber zu den unerfahrenen Fans, die keine Ahnung haben und deswegen auch nicht mitreden können. Nun stellt sich mir die Frage: Welche Erfahrungen brauche ich denn, um mir ein 24h-Rennen entsprechend anzuschauen? Welche Erfahrung brauche ich als Fan, um zu beurteilen ob mir ein Logo gefällt oder ob es mir nicht gefällt? Woher nehmen sich vereinzelte Fangruppierungen das Recht, mir zu sagen ob ich Ahnung habe oder nicht?

Vielleicht sollten wir alle hin und wieder mal einen Gang zurückschalten. Vielleicht sollten wir uns einfach mal vornehmen, eine zu rauchen oder einen Schluck zu trinken oder einfach mal bis 10 zählen und kurz an die frische Luft gehen, bevor wir uns der Kommentarwut hingeben. Denn mit frischem Kopf denkt es sich leichter und manches wird dann auch auf einmal weniger wichtig.

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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