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WEC / Le Mans: Porsche LMP1-Abschied aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft?

Die Motorsportszene ist im Aufruhr. Spekuliert wird schon lange. Sicher ist, dass nichts sicher ist. Entsprechend hat die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) eine mögliche Ente veröffentlicht. Denn noch ist nichts bestätigt.

Am heutigen Donnerstagmorgen folgt nach dem Ausstieg von Mercedes aus der DTM der offensichtlich nächste Paukenschlag. Der Vorstand der Sportwagenschmiede Porsche habe sich Medienberichten zu Folge gegen einen weiteren Einsatz in Le Mans und der damit verbundenen Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC entschieden. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist der Rückzug von Porsche am Mittwoch vom Mutterkonzern VW abgesegnet worden. Dies jedoch kann seitens Porsche so nicht bestätigt werden.

Auf Nachfrage bei Porsche bestätigte man uns, dass die Meldung – zumindest die Headline – der FAZ eine definitive Falschmeldung sei und man sicherte uns zu, Porsche werde auch Le Mans und der damit verbundenen Langstrecken-Weltmeisterschaft treu bleiben. Ob und wie das LMP1-Projekt davon betroffen sei, konnte man uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen.

„[…]richtig ist: Porsche hat den Ausstieg aus der LMP1 weder bekannt gegeben noch bestätigt. Es handelt sich hierbei um Medienspekulationen. In jedem Fall falsch ist der Überschrift des faz.net-Artikels. Porsche bleibt Le Mans und dem Langstreckensport in jedem Fall treu! Bzgl. der Beantwortung der weiteren Fragen muss ich Sie noch um ein wenig Geduld bitten. Wir werden in Kürze dazu kommunizieren.“ so eine Pressesprecherin von Porsche Motorsport

Porsche hatte zuletzt drei Mal in Folge das berühmteste 24h-Rennen der Welt – die 24h von Le Mans gewonnen. Porsche würde mit seinem Rückzug damit der Konzernschwester Audi folgen, die bereits Ende 2016 den Stecker gezogen hat. Hinter den Rücktritten werden Kosteneinsparungen im Bezug auf die möglichen Strafzahlungen wegen der Umwelt- und Kartellskandale der letzten Wochen des Mutterkonzerns VW vermutet. Zudem sieht man bei Porsche wohl keine Zukunft in der Prototypenklasse der WEC, da sich bisher noch kein weiterer Hersteller dazu bekennen konnte, Teil dieser durchaus kostenintensiven Prestigeklasse zu werden. Auf ein Bekenntnis von Peugeot wartet man seit dem 24h-Rennen an der Sarthe bisher vergeblich. Während ein LMP2-Projekt zwischen 5 und 7 Millionen Euro pro Saison kostet, müssen für eine durchschnittliche LMP1-Saison bis zu 250 Millionen Euro aufgebracht werden. Wenn man sich das Ergebnis des vergangenen 24h-Rennens an der Sarthe anschaut, stehen die Kosten in keinem Verhältnis zu der tatsächlichen Leistung der Klasse. Bis zur 23. Stunde führte nämlich das LMP2-Team Jackie Chan DC Racing aufgrund der Defektorgie der LMP1-Boliden.

Auch ein möglicher Eintritt eines chinesischen Herstellers, zusammen mit Jackie Chan, kann derzeit nur mit viel Vorsicht betrachtet werden. Zusammen mit Jota-Motorsport sondiert der gebürtige Hongkonger verschiedenste chinesische Hersteller. Aufgrund der extrem hohen Kosten scheint dieses Unterfangen aber kaum lösbar.

Wie sich die Zukunft der WEC entwickelt bleibt somit weitgehend offen. FIA-Präsident Jean Todt sieht die Lage hingegen noch immer entspannt. „Warum soll ich mir ständig Sorgen machen?“, der Franzose auf die Frage, ob er Angst vor einem solchen Szenario habe. „Wir sollten positiv denken. Negatives Denken ist immer so frustrierend. Mache ich mir also Sorgen? Nein! Warum auch? Es ist doch alles fantastisch.“ Todt fügt weiter hinzu „Früher hatten wir gar keine Langstrecken-Weltmeisterschaft.“ Man können also froh, sein, überhaupt eine solche Meisterschaft genießen zu dürfen.

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Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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