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WEC – In der LMP1 bewegt sich was


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Noch vor wenigen Tagen hatte man den Eindruck, in der Supersaison 2018/19 würden die Privatmannschaft ByKolles alleine gegen das einzig verbleibende Hersteller-Team von Toyota in der LMP1 fahren. Sofern die Japaner denn bleiben.

Foto: Ginetta

Doch so langsam kommt Bewegung in die Klasse. Ginetta hat nach einem Feuerwerk an Pressemitteilungen, einen Fisch an der Angel. Ein bisher namentlich nicht bekanntes Team kaufte für ein Zwei-Fahrzeuge Einsatz in der WEC 2018/2019 drei LMP1 Chassis. Um welches Team es sich genau handelt ließ Lawrence Tomlinson noch offen. Es ist aber wahrscheinlich, dass es entweder Manor oder das DC-Racing-Team von Hollywood-Legende Jackie Chan ist. Nicht nur für Ginetta sondern auch für die LMP1 Klasse ist diese Meldung ein großer Erfolg. Nachdem Audi 2016 das Aus des LMP1-Programmes verkündete, wird Porsche zum Ende dieser Saison folgen.

„Das ist ein großer Schritt vorwärts für das Programm und ist auch eine großartige Nachricht für die WEC und den ACO, die große Hoffnung in ihre neuen LMP1-Regeln gesetzt haben. Jetzt warten wir auf die Ankündigung des Kunden für mehr Informationen zu seinem Programm.“, sagte Lawrence Tomlinson.

Ginetta plant bis zu zehn LMP1 Chassis zu bauen. Drei sind an den ersten Kunden gegangen und ein Chassis dient als Testobjekt. Bleiben also noch sechs.

SMP testete bereits eigenen LM-Prototypen

Foto: SpyShot

Während Ginetta also erste Verkäufe vermeldet, wird bei SMP bereits getestet. Der von Dallara und BR Engineering entwickelte LMP1-Wagen von einem Turbomotor von AER angetrieben. Der BR1 Prototyp wird nach Angaben von SMP auch für Kunden verfügbar sein. Man ist dabei nicht nur auf das AER-Triebwerk angewiesen, sondern kann auch Motoren anderer Hersteller in dem Chassis verbauen. Das Fahrzeug soll direkt einen kompletten Testtag ohne größere Probleme absolviert haben. SMP plant gemeinsam mit Dallara weitere Testfahrten um das Fahrzeug weiter zu entwickeln, ehe die finale Spezifikation ab Januar 2018 zur Verfügung stehen soll. Für die WEC Supersaison will SMP zwei Fahrzeuge melden.

„Wir sind bemüht, die Szene zu unterstützen“, hatte Rotenberg unlängst zu Protokoll gegeben. „Wir sind bereit, unser Fahrzeug an Kunden zu veräußern und wünschen uns, dass einige davon in der Meisterschaft mitfahren. Wir stellen die gleiche Spezifikation bereit, die auch wir verwenden, auf Kundenwunsch könnten wir zudem Anpassungen vornehmen.“, so Boris Rotenberg.

ByKolles gibt sich kämpferisch

Foto: Michael Brückner

Auch ByKolles Racing hat mit den Testfahrten des weiterentwickelten Fahrzeuges angefangen. Am Hungaroring unterzog sich das Team einem Zwei-Tages-Test. Bei den Probefahrten kamen neue Entwicklungen aus den Bereichen Aerodynamik und Mechanik zum Einsatz. Auch das Wetter war ideal. Ein kompletter Testtag fand unter trockenen Bedingungen statt – der andere im Regen. Mit den Entwicklungen war Einsatzleiter Boris Bermes sehr zufrieden, er sprach über die Testfahrten viel Positives.

„Für uns waren die Testtage rundherum ein Erfolg. Unsere neuesten Entwicklungen haben genau jene Fortschritte gebracht, die wir uns von ihnen erwartet hatten. Wir konnten viele Testrunden absolvieren, viele Erkenntnisse gewinnen und neue Ideen für die nächsten Entwicklungsschritte sammeln. Auch das Wetter spielte uns in die Karten. Wir konnten jeweils einen Tag bei trockenen und bei nassen Bedingungen absolvieren. Das war wichtig, um die Einstellungen unter verschiedenen Streckenzuständen überprüfen zu können. Mit den aktuellen Fortschritten sind wir sehr zufrieden – und es wird noch mehr kommen. In den nächsten Wochen erwarten wir weitere Neuteile, die wir dann erneut bei umfangreichen Probefahrten austesten werden.“

Keine Entscheidung bei Oreca

Bei Oreca gibt es weiterhin Interesse aber keine Entscheidung bezüglich eines Einstiegs in die LMP1-Klasse. Das größte Problem ist weiterhin der Zeitrahmen. Das Interesse von Teams sei riesig. Laut Floury könne man sich vor Anfrage kaum retten. „Wir haben viele Anfragen von potentiellen Kunden. Aktuell stehen wir auch mit Toyota in Verhandlungen, weswegen wir sorgfältig prüfen müssen, welchen Weg wir gehen.“, berichtete der Teamchef vor einigen Wochen.

Ein komplett neues Fahrzeug schließen sie aber direkt aus. Ein sogenannter LMP2+ Bolide sei die einzige Möglichkeit nächste Saison ein Fahrzeug in der LMP1 Kategorie zu stellen. „Das ist die einzig realistische Möglichkeit, nächstes Jahr ein LMP1-Fahrzeug auf die Beine zu stellen, mit der Nutzung bereits vorhandener Komponenten.“ Beim Motor gibt es ebenfalls Einschränkungen. Man steht zwar mit möglichen Lieferanten in Verhandlungen, viel Auswahl gibt es aber nicht. Durch die ganzen Unsicherheiten geht man bei Oreca ein großes Risiko ein. Man kann nicht warten, bis man sichere Kunden hat, man müsse zeitnah anfangen, das Fahrzeug zu entwickeln. „Ich glaube nicht, dass wir warten können, bis wir einen festen Kunden haben, um dieses Projekt zu verwirklichen. Denn dann haben wir keine Zeit mehr. […] Wir wollen auch nicht nur ein Auto bauen, um das Feld aufzufüllen. Wenn wir ein Auto bauen, dann wollen wir das richtig machen!“ Auch die Unsicherheiten beim zukünftigen Reglement ist ein Hindernis für den Hersteller. „Dürfen wir nur in der kommenden Saison mit dem Fahrzeug fahren oder ist das langfristig?“, fragt Floury und erntet damit in weiten Kreisen viel Verständnis. Denn so unsicher, wie zum aktuellen Zeitpunkt, war die kommende Saison nie zuvor.

Foto: S. Schneider

Bereits im Juli hatte Jota Motorsport Pläne verkündet in die LMP1 Klasse aufzusteigen. Damals gab es allerdings noch keine Informationen, ob es überhaupt eine private LMP1 Klasse geben werde. Im Sommer gab es viele Ankündigungen bezüglich neuen Herstellern in der privaten LMP1-Kategorie. Damals bedauerte man allerdings auch: „Es wird immer viel geredet, aber bisher war noch nicht viel zu sehen.“ Mittlerweile ist aber bekannt, dass einige Hersteller langsam Ernst machen in Sachen LMP1 Einstieg. Auch erste Testfahrten und Bilder gibt es bereits. Ob Jota Motorsport nächste Saison in der LMP1 Klasse an den Start geht ist derzeit nicht bekannt. Aufgrund der vielen Projekte, ist es aber nicht unwahrscheinlich, dass sie es tun.

Wie genau die LMP1-Klasse der WEC und von Le Mans also zukünftig aussieht, steht noch nicht hundertprozentig fest. Von Toyota gibt es bisher keine Entscheidung, ob und wie es weitergehen soll. Eine Entscheidung der einzig verbliebenen Herstellermannschaft soll aber noch diesen Monat getroffen werden.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob die LMP1-Kategorie gerettet ist oder ob sich der ACO eine neue Idee einfallen lassen muss.

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Mein Name ist Keanu Buschmann. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Leipzig. Geboren bin ich 1996 in Hamburg. Meine Liebe zum Motorsport begann schon sehr früh. Wann genau weiß ich nicht. Zum ersten mal an die Rennstrecke ging es für mich 2003. Es ging zur MotoGP an den Sachsenring. Seitdem wurde ich komplett in den Bann gezogen. Nach einigen Jahren am Sachsenring wurde es 2012 Zeit für etwas neues. Es ging für mich zum ersten mal an die Nürburgring Nordschleife und zur VLN: 2013 war ich dann zum ersten mal beim 24 Stunden Rennen am Nürburgring. Mittlerweile bin ich über das Jahr verteilt bei verschiedenen Serien an verschiedenen Strecken unterwegs. Meine Leidenschaft zum fotografieren begann ebenso im Jahre 2012. Seitdem ist meine Kamera mein treuester Begleiter an Rennstrecken und auf Reisen.
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