Foto: 2017 Horst Bernhardt

Vorschau auf die 24h von Le Mans 2017


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Morgen Mittwoch den 14.6.2017 startet die große Rennwoche zum 24h Rennen von Le Mans mit dem ersten freien Training und dem ersten Qualifying. Wir versuchen euch eine kleine Vorschau zu vermitteln was uns die nächsten Tage erwartet.

LMP1

Foto: 2017, Horst Bernhardt
In der LMP1 Kategorie liegt die Favoritenrolle für das diesjährige Rennen klar bei Toyota mit dem neu entwickelten TS050 Hybrid. Schon beim ersten offiziellen Testtag in Le Mans hat Toyota mit den 3 schnellsten Zeiten gezeigt, welches Potential in dem Auto steckt. Kamui Kobayashi ist es da schon gelungen mit einer 3:18.132 im TS050 mit der Startnummer 7 die Bestzeit mit dem 2016er TS050 um über 4 Sekunden zu unterbieten und die Polezeit aus 2016 hat er damit ebenfalls 1,601 Sekunden unterboten. Damit ist Toyota in diesem Jahr ein gewaltiger Schritt nach vorne gelungen, wie auch Toyota Technikchef Pascal Vasselon bestätigt.

Toyota geht davon aus, dass sie den Speed im Qualifying noch einmal kräftig steigern können, wie auch Sebastian Buemi in einem Interview mit „Motorsport-Total.com“ bestätigt hat. Wie weit die Fortschritte tatsächlich gehen bleibt abzuwarten. Aber eines steht jetzt schon fest, die aerodynamischen Beschränkungen, die man für 2017 mit dem Ziel eingeführt hat die Geschwindigkeiten in der LMP1 Szene einzubremsen, wurden nicht nur kompensiert, man hat es sogar geschafft das Tempo noch signifikant zu steigern.

Zudem konnte Toyota an dem Testtag mit den 3 Fahrzeugen über 300 Runden abspulen ohne jedes technische Problem, was in Summe in etwa der Distanz entspricht, die beim 24h Rennen zurück gelegt wird. Damit hat Toyota reichliche Daten sammeln können, um das Auto weiter nach vorne zu entwickeln und optimal auf das Rennen vorzubereiten. TMG Boss Rob Leupen ist überzeugt davon, dass es dieses Jahr ein gutes Ende nehmen wird und Toyota endlich den lange ersehnten Sieg auf dem Circuit de la Sarthe holen wird. Wie Technikchef Pascal Vasselon bestätigt will Toyota auch in diesem Jahr wieder 14-Runden-Stints fahren.

Foto: 2017, Horst Bernhardt
Bei Porsche verlief der erste Testtag nicht ganz so problemlos wie der bei Toyota. Nicht nur dass die Porsche 919 HybridDer Porsche 919 Hybrid wurde für die WM 2017 umfassend überarbeitet. 60 bis 70 Prozent des Le-Mans-Prototyps sind Neue... nach dem ersten Testtag rund 2,5 Sekunden hinter der Konkurrenz aus Japan liegen, es gab auch beim Fahrzeug von Timo Bernhard, Brendon Hartley und Earl Bamber Probleme mit einem Ölleck, was einen Wechsel des Verbrenners nötig gemacht hat. Dadurch konnte Porsche am Testtag nur 156 Runden fahren, was nicht unbedingt das nötige Datenmaterial für eine optimale Rennvorbereitung geliefert hat. Das zweite Auto von André Lotterer, Neel Jani und Nick Tandy lief allerdings sehr stabil. André Lotterer bestätigte in einem Interview, dass zwar noch etwas Speed fehlt, aber ansonsten alles im grünen Bereich sei. Auch bei Toyota ist man sicher, dass Porsche am Testtag noch bei weitem nicht das ganze Potential gezeigt hat was in dem 919 Hybrid steckt. Porsche Teamchef Andreas Seidl war allerdings sichtlich beeindruckt vom Tempo der Toyota am Testtag, ist sich aber sicher dass es möglich ist den Konkurrenten über die Distanz zu schlagen. Porsche ist dabei durchaus bewusst, dass bis zum Rennen noch viel Arbeit vor dem Team liegt um die fehlenden Sekunden zu kompensieren.

Es wurden beim Test aber auch viele Dinge bemerkt die bis zum Qualifying noch verbessert werden. So wurde beispielsweise bemerkt, dass im Umgang des Fahrzeuges mit den Reifen noch viel Potential liegt. Mit bisher 18 Siegen in Le Mans sollte man Porsche auf jeden Fall für einen 19 Sieg am kommenden Wochenende auf der Rechnung haben.

Auch das dritte LMP1-Fahrzeug, der privat vom Team ByKolles eingesetzte Enso P1/01 Nismo wurde konsequent auf das Saisonhighlight an der Sarthe vorbereitet So wurden auch an diesem Fahrzeug für die 24h von Le Mans zahlreiche Updates, wie beispielsweise eine neue Lenkung installiert, die dafür sorgt, dass die drei Piloten Dominik Kraihamer, Oliver Webb und Marco Bonanomi das Fahrzeug einfacher kontrollieren können.

Aus eigener Kraft wird es ByKolles, der ohne Hybridsystem in der LMP1 Klasse fährt sicher nicht möglich sein auf einen Podiumsplatz zu fahren. Sollten allerdings drei der Werksboliden Probleme bekommen, so ist es auch für ByKolles möglich einen Podiumsplatz zu erreichen. Hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Enso P1/01 Nismo hat ByKolles bereits in Spa Francorchamps gezeigt, dass man da gegenüber dem Vorjahr erhebliche Fortschritte erzielen konnte. Als Herausforderung könnten sich für ByKolles die engen Positionskämpfe der LMP2 Klasse ergeben. Obwohl man bei ByKolles 2017 4,5 Sekunden schneller ist wie im Vorjahr, sind die aktuellem LMP2 Fahrzeuge durch die Regeländerungen in 2017 so schnell geworden, dass der LMP1 von ByKolles und die LMP2 Fahrzeuge auf nahezu dem gleichen Niveau fahren.

LMP2

Foto: 2017, Horst Bernhardt
Damit kommen wir dann auch zur am dichtesten besetzten Klasse in Le Mans 2017, den LMP2 Racern. Nicht weniger als 25 Fahrzeuge gehen bei der 85. Ausgabe des Langstreckenrennens an den Start. Durch das neue Reglement 2017, fahren alle Fahrzeuge mit dem leistungsstarken V8 Saugmotor von Gibson Technology. Damit sind die LMP2 Rennfahrzeuge sagenhafte 8 Sekunden schneller pro Runde als noch im Jahr 2016.

Bestand 2016 noch die Gefahr, dass sich die LMP2 Fahrzeuge mit den GTE Pro Racern in die Quere kommen, so ist diese Jahr eher die Gefahr, dass sich LMP1 und LMP2 Fahrzeuge gegenseitig behindern könnten. So ist bei den LMP2 Fahrzeugen von Dallara während des Testtages ein Topspeed von 340 Km/h auf der Geraden gemessen worden. Was durchaus auf LMP1 Niveau ist.

Insgesamt gehen in Le Mans 4 LMP2 Fahrzeughersteller in den Kampf um den Sieg. Nach dem Testtag lässt sich dazu folgendes bemerken: Oreca/Alpine hinterließ beim Testtag sicher den stärksten Eindruck. Die schnellsten Zeiten von Platz 1-13 gehen dabei an Oreca/Alpine Fahrzeuge. Die Dallara‘s haben den höchsten Topspeed auf den Geraden, mit einem Ligier lässt sich schwer etwas gewinnen und mit einem Chassis von Riley ist offensichtlich gar nichts zu gewinnen.

Was die Autos von Dallara betrifft, so hat Ex-Formel 1 Pilot Rubens Barrichello, der auf einem Dallara für das Team Nederlande erstmalig in Le Mans an den Start geht , bemerkt dass man am Testtag ein Setup mit wenig Downforce gefahren ist, was dann auch den hohen Topspeed der Fahrzeuge erklärt. Dies könnte sich allerdings zum Rennen hin noch ändern. Dann würden wir sicher einen spannenden Kampf zwischen den Oreca/Alpine und den Dallara Fahrzeugen sehen. Sicher wird in der LMP2 auch die Qualität der Teams und Fahrer für den Ausgang eine erhebliche Rolle spielen. Vor allem die Frage wie die „Gentlemandriver“ mit den enorm gestiegenen Anforderungen, der Fahrzeuge an die Fahrer zurechtkommen, dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen. Denn dabei gibt es offensichtlich große Unterschiede.

Aktuell gibt es realistisch ca. 10 Fahrzeuge mit echten Siegchancen. Dazu zählen unter anderem die beiden Rebellion Autos, beide Alpine A470, G-Drive Racing, SMP-Racing, sicher aber auch der stark besetzte Dallara des Teams Nederlande.

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Frank Ullrich ist seit seiner Kindheit begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Was liegt da näher, wie die beiden Hobbys miteinader zu verbinden. Sein erstes Rennen was er besucht hat war das 1000km Rennen 1971 am Nürburgring, dem dann unzählige Besuche bei vielen Rennen seitdem folgten. Anfangs ohne Kamera, ab Mitte der 90er Jahre dann mit Kamera. So richtig ersthaft wurde das Thema Motorsportfotografie dann erst mit der ersten digitalen Spiegelrflexkamera ab 2006. Seitdem wurden weit mehr als 100.000 Aufnahmen bei den verschiedensten Motorsportveranstaltungen aufgenommen, von denen sich viele in seinem großen Archiv befinden. Für Frank ist das Fotografieren ein guter Ausgleich zu seinem Beruf in der IT. neben dem Fotografieren interessiert sich Frank für alles was mit Fahrzeugen, Technik und Benzin zu tun hat.
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