N24h 2017 – Böse Überraschung in der „grünen Hölle“ für die „skate-aid“ Viper


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Was für ein Pech für die skate-aid grüne Viper beim 45. ADAC Zurich 24h-Rennen: Nach einem perfekten Start bescherrt eine Lärmgrenzen-überschreitung um zwei Dezibel dem Team um Titus Dittmann schließlich die Disqualifikation.
Besser hätten die Bedingungen für das Team um Titus Dittmann beim diesjährigen 24h-Rennen am Nürburgring nicht sein können: Traumhaftes Sommerwetter in der Eifel, Pole Position nach dem Qualifying und ein perfekter Rennstart. Ab der ersten Runde gelingt es Fahrer Reinhard Schall, das volle Potenzial der skate-aid grünen Dodge Viper Competition Coupé auf den heißen Asphalt zu bringen. Bis auf einen sensationellen Platz 36 von 160 Teilnehmern arbeitet er sich zunächst in der Gesamtwertung vor.
Doch kaum sind XX Runden gefahren, da macht das Schaltgetriebe unverhofft Probleme und zwingt den Boliden in die Box. In weniger als einer Stunde baut die Mechaniker-Crew ein Ersatzgetriebe ein – bei Temperaturen, die das heiße Auto jetzt locker an die 50-Grad-Marke schiebt, echte Schweißarbeit. Dank dieser herausragenden Leistung kann Michael Lachmayer als zweiter Fahrer auf die Nordschleife und legt mit einem perfekten 8-Runden-Stint die Grundlage für die Aufholjagd.

Beim folgenden Boxenstopp übernimmt Titus Dittmann das Steuer, aber bereits nach wenigen Kilometern schlägt das Pech erneut zu. Diesmal ist es das Lenkgetriebe. Ab der Döttinger Höhe ist Dittmann im Blindflug unterwegs, weil ihm auf die Frontscheibe spritzendes Öl die komplette Sicht nimmt. Mit äußerster Vorsicht manövriert er die Viper im Fußgängertempo in die Box. Wieder müssen die Mechaniker ran, diesmal ist der Fall allerdings komplizierter. Etwas mehr als eine Stunde dauert es, bis die Viper zurück ins Rennen geht. Der Zeitverlust ist zwar herb, doch bei einem Rennen, das 24 Stunden dauert, muss das noch nichts heißen. Das Team ist guter Dinge, da das Auto von nun an reibungslos läuft und die Rundenzeiten stimmen.
Kurz nach 23 Uhr traut Reinhard Schall im Cockpit seinen Augen nicht. Er kriegt die schwarze Flagge gezeigt und muss umgehend aus dem Rennen. Verwirrung und Unverständnis im Team, nur langsam kommt Klarheit in die Sache.
Wie sich herausstellt, faucht das „grüne Biest“ um 2 Dezibel zu laut und wir deswegen disqualifiziert. Auch am Nürburgring gelten Lärmschutzauflagen, die während des Rennens durch Messstationen permanent überwacht werden. Verstöße werden umgehend an das Umweltbundesamt in Berlin gemeldet, es drohen empfindliche Geldbußen. Damit der Übeltäter auf der Rennstrecke identifiziert werden kann, ist in jedem Rennwagen ein kleiner Funksender eingebaut. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände hatte die Viper zwei davon an Bord.
Der Fehler fällt zunächst nicht auf. Die Offiziellen gehen davon aus, dass die Überschreitung dadurch verursacht wird, dass zwei Wagen gleichzeitig den Messpunkt passieren. Die Regeln im Lärmschutz sind streng. Vier Messungen über den zulässigen Grenzwerten, und es folgt die Disqualifikation. Pro Runde wird dreimal gemessen. Sobald ein Verstoß festgestellt wird, erfolgt immerhin eine Verwarnung, damit das jeweilige Team technisch reagieren kann. Hier schlägt an diesem Tag dann zum dritten Mal das Pech zu. Als die Nachricht den Chefmechaniker erreicht, sind schon sechs Verstöße gezählt und das Auto wird mit der schwarzen Flagge von der Strecke geschickt.
Unverständnis wird zu Niedergeschlagenheit im Team. Der mögliche Klassensieg und ein Platz im vorderen Drittel des Gesamtklassements futsch wegen zwei Dezibel? Gespräche von Team-Chef Bernd Albrecht mit der Rennleitung ändern das nicht mehr, das Rennen ist gelaufen.

Im Teamzelt gelingt es Dittmann, die Stimmung wieder ins positive zu drehen. Mit einer emotionalen Rede muntert er die Mannschaft auf. „Das war das packendste Rennen, das ich je erlebt habe. Ich bin so zufrieden und happy mit allem, das möchte ich auf euch übertragen. Vergesst nicht, was ihr alle heute und in der ganzen Vorbereitung geleistet habt. Ihr könnt stolz sein! Und immerhin haben wir auch einen tollen Achtungserfolg erzielt: Das „grüne Biest“ brauchte für zwei Runden Nordschleife weniger Zeit als der Bote mit der Verwarnung für etwa einen Kilometer.“ Er ruft auch nochmal ins Gedächtnis, dass das Team ja in erster Linie für skate-aid rollt. Und dank starker Besucherzahlen aufgrund des traumhaften Wetters verzeichnet die Tombola bereits am Samstag einen Rekorderlös für die gute Sache.
So bleibt am Ende die „alte Lady“, die grüne Viper aus den Vorjahren, die einzige mit Tränen in den Augen. Ihr Abschiedsrennen hat sie sich sicher anders vorgestellt. Aber das ist eben Rennsport. Und da der Fahrer des Abschleppwagens, an dessen Haken sie in der Müllenbachschleife über der Strecke hing, am Samstagabend auch noch Vater geworden ist, waren es vielleicht auch Freudentränen in ihren Scheinwerfern. Das 24h-Rennen 2017 ist für den skate-aid Rennstall an Emotionen nicht zu überbieten.

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Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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