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Foto: L. Rodrigues

Mit Trillerpfeife und Radarpistole – Herbert Pfeil im Interview

Inzwischen gilt Herbert Pfeil an der Nordschleife als eine feste Einheit, wenn es um die Sicherung des allgemeinen Renngeschehens geht. Das war für uns Grund genug, Herbert mal in die Zange zu nehmen.

Foto: L. Rodrigues
Herbert Pfeil – Jahrgang 49, motorsportverliebt seit der ersten Minute – gilt als Urgestein am Nürburgring. Nach 45 Jahren regulärer Arbeitszeit suchte Pfeil noch einmal die Herausforderung und sorgt seitdem am Rande der Strecke und in der Box für Ordnung, Sicherheit und Einhaltung der Regularien. Lutz Rodrigues hat Herbert Pfeil im Namen der LSR-Freun.de in die Mangel genommen und ein paar interessante Details zur Arbeit am Streckenposten oder in der Box und seinen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren heraus gepresst.

LSR-Freunde: Hallo Herbert, wir freuen uns, daß Du uns Rede und Antwort stehst. Zu Beginn etwas über deine Person.
Herbert Pfeil: Autos, LKW, Motorsport – das hat mich schon immer fasziniert und mein Leben lang begleitet. Vor über 40 Jahren gehörte ich in meiner Heimat, dem Oberbergischen, zu einer Clique von Leuten, die dort die ersten waren, die an ihren Autos herumschraubten. „Tuning“ war da noch richtige Handarbeit. Mini und BMW, das waren unsere Fahrzeuge, die wir für kleinere Rally- und Slalomrennen modifizierten. Als LKW-Fahrer entwickelte ich Interesse an Schwertransporten, die ich gern als Modell nachbaue und dazu auch Teile maßanfertige. Nach 45 Jahren „auf dem Bock“ bin ich inzwischen in Rente, und habe Zeit und Muße Hobbys nachzugehen. Vor einigen Jahren ergab sich für mich die Möglichkeit, dem Nürburgring und dem Rennsport auf eine andere Weise näher zu kommen: als ehrenamtlicher Sportwart, im Einsatz als Streckenposten, in der Boxengasse, und überall da, wo Helfer gebraucht werden. Teils bringe ich dabei sogar Freunde und Familie mit.

Foto: D. Pfeil
Deine Einsatzgebiete am Nürburgring umfassen viele Facetten und Bereiche, wo warst Du bisher überall im Einsatz?
Eigentlich überall, wo es Unterstützungsbedarf gab. Bei Veranstaltungen wie der Formel 1, DTM-Rennen und dem Truck-Grand-Prix sind das eher Ordner-Dienste. Lange war ich als Streckenposten an verschiedenen Posten der Nordschleife im Einsatz, im Pflanzgarten und beim Schwalbenschwanz. Inzwischen bin ich meist in der Boxengasse zu finden. Hier gibt es verschiedene Aufgaben z.B. bei den VLN-Läufen, bei der WEC, oder als Aufsicht bei der Betankung der Autos beim 24-Stunden-Rennen.

Welche Lehrgänge und Lizenzen musstest Du erwerben oder besuchen, um beispielsweise bei der WEC als Marshal Dienst zu leisten?
VLN- und DMSB-Lehrgänge, um die Sportwart-Lizenz zu bekommen. Nach der Grundlagen-Ausbildung nehme ich nun in regelmäßigen Abständen an Auffrischungs- und Weiterbildungseinheiten teil, man muss sich einfach sicher und auf dem aktuellsten Stand der Dinge sein.

Wir (Lutz Rodrigues) durften ja einige Rennen zusammen an der Strecke verbringen. Was war aus Deiner Sicht das einprägsamste Erlebnis bisher?
Richtig, wir beide haben uns damals im Pflanzgarten kennengelernt. Die einprägsamsten Momente… eine gute Frage.
Das sind sicherlich immer die, wenn du unmittelbar Unfälle miterlebst. Kleinere Einschläge, Pannen, „that´s racing“. Als aber vor 3 Jahren gleich in den ersten beiden VLN-Läufen 2 schlimme Unfälle bei mir am Posten passiert sind, das war schon etwas anderes. Da flog ein BMW ab, über die dreifache Leitplanke, und schoß gerade mal 20 cm an meinen Füßen vorbei, da wird dir schon mulmig. Du hast das ja von der anderen Seite aus miterlebt.
Danach hat mich der damalige Leiter Streckensicherung gefragt, wie man wohl eigentlich aus dem Hochsitz rauskomme, wenn man so abgeräumt wird. Gute Frage eigentlich. Ein anderes Mal habe ich einen Fahrer aus dem verunfallten Wagen geholt; und als bei einem 24-Stunden-Rennen ein Marc-VDS in der Boxengasse direkt vor mir brannte und ich einer der ersten mit Feuerlöscher war wusste ich auch genau, wozu wir dort feuerfeste Kleidung inkl. Balaklave und Helm tragen.

Foto: H. Pfeil
Welches war der seltsamste Regelverstoß/Zwischenfall den Du melden musstest?
Seltsam… so viel Seltsames gibt es es eigentlich nicht zu melden. Obwohl es schon erstaunlich ist, wie oft man „Überholen unter gelb“, also bei gelber Flagge, melden muss, nämlich quasi jedes Rennen. Die wirklich ungewöhnlichste Meldung, die ich schreiben musste, lautete aber „alleinstehender Feuerlöscher“. Während eines Tankvorgangs müssen nämlich normalerweise zwei Personen mit einem Feuerlöscher neben dem Fahrzeug stehen. In diesem Fall fehlten die Personen, das sah nicht nur seltsam aus, sondern geht natürlich gar nicht.

Was unterscheidet den Dienst an der Box bei der VLN und der WEC?
Bei beiden Rennserien fungieren wir im Boxenbereich sozusagen als Sachrichter, achten auf die Einhaltung von Regeln, haben ein Auge auf die Teams und die korrekten Abläufe.
Die VLN ist sehr publikumsnah, da kommen viele Zuschauer auch ins Fahrerlager, schauen in die Boxen. wir achten dann auch darauf, dass die Besucher nicht in die Boxengasse geraten, den Rennbetrieb stören oder gar sich selbst und Andere gefährden. Die WEC ist als Weltmeisterschafts-Serie ganz anders aufgestellt. Hier ist auch im Fahrerlager und vor den Boxen schon Aufsichtspersonal, wer nicht das richtige Bändchen am Arm hat kommt da nicht weit. Da verteilen sich die Aufgaben anders, dieses Jahr hatten wir dabei eine für uns ganz neue: mein Sohn und ich übernahmen die Geschwindigkeitskontrolle in der Boxengasse.

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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