© 2016 Stefan Deck

GT4: Ein Klassement sorgt für hohe Nachfragen – eine Übersicht


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„GT4 – Das wollen wir!“ – So oder so ähnlich klingt es bereits in einigen Rennsport-Werkstätten.

© 2016 Stefan Deck

Die Hersteller entdecken nach der eskalierten GT3-Klasse nun das GT4-Klassement für sich. Als Mercedes im Herbst 2016 seine GT4-Version vorstellte, erlebte diese Klassifizierung über Nacht einen Aufschwung. Die Hersteller rüsten nun ihre Kundensportprogramme mit neuen GT4-Fahrzeugen aus oder auf. Im Gegensatz zur GT3 sind in der GT4-Klasse viel weniger Änderungen an den Fahrzeugen gestattet. Die GT4-Autos sind also bei Weitem nicht so ausgefeilt, was die Fahrzeug-Preise niedrig hält und Amateurfahrern einen Einstieg in den Rennsport ermöglichen sollte und attraktiver macht.

Zumeist starten GT4-Fahrzeuge in nationalen Meisterschaften. Entsprechend sahen wir die „kleinen Geschwister“ der GT3-Fahrzeuge bereits in Serien wie der VLN oder beim 24h-Rennen am Nürburgring. Aber auch Schweden, Australien, Amerika oder Großbritannien haben eigene GT4-Meisterschaften. So ist es nicht verwunderlich, dass auch beim 24h-Rennen von Dubai 2017 GT4-Modelle. BMW beispielsweise testete in Dubai zusammen mit Schubert Motorsport den neuen BMW M4 GT4. Und das sehr erfolgreich. Nissan schickte im 370Z GT4 seine GT-Academy-Jünger auf die Piste. Beim 12h-Rennen in Bathurst startet das bisher größte GT4-Feld seit Anbeginn dieses Events.

Du willst nun in der nächsten Saison einen GT4-Boliden fahren? Dann haben wir hier für Dich die wichtigsten Informationen zusammengesucht.

Unterschied zwischen GT3 und GT4

Immer wieder redet alle Welt von GT3 und GT4. Was aber genau ist der Unterschied zwischen den beiden Klassements. Das wollen wir hier kurz anschneiden. Angefangen hat alles Mitte der 90er Jahre mit den legendären GT1- und GT2-Fahrzeugen. Wir erinnern uns alle an die Supersportwagen von Mercedes, Porsche und McLaren in Le Mans. In Anlehnung an das Regelwerk des 24h-Rennen von Le Mans wurden eben jene Klassements gegründet. Nachdem das Wettrüsten jedoch auf ein unerträgliches Maß getrieben wurde, entstand in den 00er Jahren das GT3-Klassement. Motorsport sollte wieder bezahlbar werden. Ironie der Geschichte: Genau aus diesem Grund scheint die GT4-Klasse aktuell in aller Munde. Motorsport soll wieder bezahlbar werden. Denn die Preise und Kosten für einen GT3-Boliden stiegen mit dem Wettrüsten der Hersteller in diesem Klassement ebenso ins unermessliche.

Der größte Unterschied liegt also tatsächlich beim Preis. Sicher, die Optik ist auch eine Andere. Während GT4-Rennwagen ziemlich seriennah umgesetzt und auch reglementiert sind, haben die GT3-Boliden nur noch wenig mit den Serienfahrzeugen gemeinsam. Jedoch kosten die GT4 Wagen bisher zwischen 90.000,- € und 140.000,- €. Wobei der McLaren 570s GT4 mit 190.000,- € offensichtlich schon wieder die nächste Runde einleitet. Noch ist nicht bekannt, wo BMW, Mercedes (und evtl. Audi) mit den Preisen landen werden.
Ein GT3-Fabrikat kostet nur selten unter 280.000,- €. Genaue Preise mag hier ja niemand nennen.

Ein weiterer Unterschied ist das technische Reglement. In beiden Regelwerken sind Reifendimensionen, Gewicht und Luftmengen- und Ladedruckbegrenzung genauesten definiert. Zu Beginn jeder Saison werden alle Hersteller zu einem Vergleichstest der FIA eingeladen und die Fahrzeuge entsprechend dem Regelwerk angeglichen. In den Anfangsjahren der GT3-Meisterschaften war übrigens noch der CUP-Porsche das Maß aller Dinge. Aktuell ist hier wohl schon bald das GT4-Bollwerk vorbeigerauscht.

Noch ein Unterschied der Klassen. Während in den Klassen GT1, GT2 und GT3 (inkl. GTE) allein von der FIA bemaßregelt werden, liegt die Entscheidungshoheit in der GT4-Klasse allein bei der SRO.

AC Automotive GT4

AC Automotive liebäugelt bereits seit längerem mit dem Motorsport und entsprechenden Homologationen für die GT-Klassements. Bisher konnte sich der Hersteller der weltberühmten Cobra aus dem nördlichen Schwarzwald aber noch nicht für eine Reglementbasis entscheiden. Seit vergangenem Sommer hörte man auch nichts dergleichen aus Straubenhardt. Das soll sich nun aber ändern. Bereits beim Automobilsalon in Birmingham 2017 soll AC Automotive eine GT4-Version der Cobra vorstellen, so man dem englischen Fachmagazin Dailysportscar glauben darf. Technische Einzelheiten der Schlange gibts noch nicht, lediglich auf den Motorenhersteller konnte man sich einigen. Das Herz der Cobra GT4 soll aus dem Hause GM kommen.

© 2016 AC Automotive

technische Details des AC Automotive GT4

Motor: n/a
Leistung: n/a
Gewicht: n/a
Preis: n/a


Aston Martin Vantage GT4

Der Aston Martin Vantage existiert seit 2005 auf dem Markt und gilt bis heute als das erfolgreichste Modell seiner Klasse. Seit 2006 bereits fährt auf den Rennstrecken der Welt der Aston Martin Vantage GT4 umher. Debüt feierte der 4,3-Liter-V8-Motor befeuerte 450 PS starke Prototyp namens „Rose“ 2006 beim 24h-Rennen am Nürburgring. Der ehemalige CEO Ulrich Bez, der leitende Ingenieur Chris Porritt, Wolfgang Schuhbauer und Horst von Saurma-Jeltsch beendeten den Lauf auf dem vierten Platz in der Klasse.
2007 wurde für den vom SRO ausgetragene GT4 Europacup eine spezielle Rennsportversion des Vantage gefertigt und bei den Vortests auf dem Autodromo Nazionale Monza vom Chris Porritt pilotiert.

2011 erwartete den Vantage GT4 ein umfangreiches Update. Neben dem neuen 4,7l V8 erhielt das älteste aller Kundensport-GT4-Modelle ein Aerodynamikupdate mit größerem Heckspoiler, einem Frontsplitter und einen neu gestalteten Boden auch ein Traktionskontrollsystem und ein BOSCH-ABS-System.

© 2017 Aston Martin

technische Details des Aston Martin Vantage GT4

Motor: 4,7l V8 Motor Saugmotor
Leistung: 331 KW / 450 PS
Gewicht: 1.360 kg
Preis: n/a


Audi R8 GT4

Auch Audi plant einen GT4-Boliden. Ähnlich wie Mercedes, setzt Audi hier auf das Topmodell, den R8. Anders als vor einem Jahr angedacht, setzt man jetzt eben nicht auf den kleineren Bruder, den TT. „Natürlich wäre der Audi TT RS als Basis bestens geeignet, aber Allradantrieb ist in der GT4-Klasse nicht erlaubt, Frontantrieb macht keinen Sinn und bei einer Umrüstung auf Heckantrieb wäre der Aufwand schlicht zu groß“, so Kundensportleiter Chris Reinke. Somit ist der TT-RS ein für allemal vom Tisch. Einzig mögliche Lösung derzeit bleibt die Entwicklung des GT4-Programms auf Basis des GT3-Klasse. „Letztlich haben wir gar keine andere Möglichkeit, als es mit dem R8 zu machen“, bestätigt Reinke. Um Kosten zu sparen, will Audi – ähnlich wie BMW Synerigien zwischen den zwei Klassements schaffen. Doch das sorgt für Kritik aus den Reihen der Konkurrenz, wie die SRO kommentiert: „Das Ziel der GT4-Klasse kann nicht sein, dass man ein abgespecktes GT3-Modell einsetzt, sonst gerät die Klasse mit ihrem Fokus auf Kostenkontrolle und vergleichbarer Performance sofort komplett aus den Fugen.“

© 2015 Audi

Allerdings fehlt hier noch die Freigabe des Vorstandes. „Wir müssen hier die Situation im Konzern im Auge behalten. Es wäre kein gutes Zeichen gewesen, kurz nach dem LMP1-Ausstieg sofort das nächste Programm beim Vorstand zu beantragen. Aber wir sind mitten in der Vorbereitung und hoffen, dass wir im ersten Quartal 2017 eine Entscheidung bekommen.“ erklärt Reinke.

technische Details des Audi R8 GT4

Motor: 5,2l V10 Saugmotor
Leistung: 364 kW / 495 PS
Gewicht: 1.460 kg
Preis: 200.000,00€