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Ginetta, das LMP1 Projekt aus dem Norden Englands

Spätestens nach dem LMP1 Debakel von Le Mans stellt sich die Motorsportwelt die Frage, wie es wohl mit dieser Klasse in den kommenden Jahr weitergehen kann.

Quelle Foto: ginetta.com
Während Porsche aktuell mit einem Ausstieg aus der LMP1 von sich Reden macht und der Bekanntgabe des vorzeitigen Ausstiegs aus der LMP1 von ByKolles, wird in der Nähe der nordenglischen Stadt Leeds kräftig an einem LMP1 Projekt für die Saison 2018 gearbeitet. Der englische Sportwagenhersteller Ginetta hat sich auf die Fahnen geschrieben für die Saison 2018 nicht weniger als 6 LMP1 Fahrzeuge zu bauen, die dann von 3 Teams zu je zwei Fahrzeugen eingesetzt werden sollen.

Das Projekt

Es gab nicht wenige die mehr als erstaunt waren, als Ginetta Anfang Januar 2017 ein LMP1 Fahrzeug für die Saison 2018 angekündigt hat. Jedoch war es für den Besitzer von Ginetta, Lawrence Tomlinson ein logischer Schritt wie er auf der Birmingham Motorshow in einem Interview gesagt hat. Tomlinson sagte: „ Wenn man sich nicht mit der Entwicklung von Formel 1 Fahrzeugen beschäftigt, dann ist die Langstrecken-Weltmeisterschaft die größte Nummer die man machen kann“. Es gibt bereits erste Interessenten aus der WEC um mit Ginetta zusammen das LMP1 Projekt 2018 anzugehen. So sollen das Manor Team, die Mannschaft von ARC Bratislava und PRT Racing Interesse bekundet haben.

Vom LMP3 zum LMP1

Quelle Foto: ginetta.com
Dass es Ginetta durchaus sehr ernst ist mit dem Engagement in der LMP1 lässt sich schon alleine daran erkennen, dass Tomlinson keine Kosten und Mühen scheut um das Projekt zum Erfolg zu führen. So wurden mit Adrien Reynard und Paolo Catone zwei echte Spezialisten aus dem Chassis bau verpflichtet und für die Produktion des Chassis wurden die Ginetta Hallen erweitert und um eine eigene Kohlefaser Fabrik ergänzt.
Der 52-Jährige Firmenchef sieht in der LMP1 Klasse durchaus ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell und will dabei auch neue Wege gehen um die immensen Fixkosten in der WEC für die Teams im erträglichen Rahmen zu halten. Die Idee von Tomlinson ist dabei, mit langjährigen Partnerschaften, die Kosten für die Teams über mehrere Jahre zu verteilen. Er selbst sieht sich dabei ebenfalls eher in die Rolle des Partners, wie in die Rolle des reinen Zulieferers.

Anders als z.B. momentan in der LMP2 oder LMP3 will Ginetta die Autos nicht nur an die Kunden verkaufen, sondern will die Boliden aktiv mit den Einsatzteams kontinuierlich weiterentwickeln. Dabei schwebt Tomlinson vor, dass die Teams, welche das Auto bekommen schon während der Entwicklung ihre Ideen mit einbringen können, deren Umsetzung dann aber in den Händen der Ingenieure von Ginetta liegen. Mit Reynard, der bis zum Konkurs von Reynard Motorsport äußerst erfolgreich Chassis für diverse Rennserien entwickelt hat und Catone, der unter anderem die Peugeot 908 entworfen hat , ist Tomlinson auf jeden Fall gut gerüstet.
Auf Motorenseite stehen verschiedene Optionen offen, Was sicher scheint, ist dass die Motorisierung auf einen Turbomotor hinauslaufen wird. Gespräche wurden bisher mit Mecachrome, Honda, und auch Gibson geführt. Gibson Technology liefert aktuell den Einheitsmotor für die LMP2 Fahrzeuge.

Der aktuelle Stand

Stand Juni 2017 wurden die ersten Tests des LMP1 Fahrzeuges im Windkanal von“ Williams Advanced Engineering“ erfolgreich absolviert. Andy Lewis, der Chef der Aerodynamikabteilung, und Technikchef Ewan Baldry äusserten sich auf der Homepage des Unternehmens nach Abschluss der Windkanal Tests sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Neben Ginetta haben auch SMP in Zusammenarbeit mit Dallara Interesse an einem LMP1 Engagement für die WEC Saison 2018. Die Fahrzeuge würden die LMP1 Klasse auf jeden Fall mehr als bereichern.

Das Unternehmen

Ginetta wurde 1957 von den Brüdern Bob, Ivor, Trevers und Douglas Walklett in Witham, Essex gegründet. Die Wurzeln des Unternehmens liegen ähnlich wie die von Lamborghini in der Landmaschinenproduktion. 1957 begannen die Inhaber vereinzelt Sportwagen für den Eigenbedarf zu konstruieren. 1962 veräußerten die Walklett-Brüder den Landmaschinenbau und konzentrierten sich auf die Herstellung von Sportwagen. Ginetta beschäftigte sich bis 1974 hauptsächlich mit der Herstellung sogenannter KIT Cars, Fahrzeug Bausätze, die dann durch die Käufer in Eigenarbeit zusammengebaut wurden. Diese Kit Cars, waren bis 1973 in England steuerlich begünstigt und damit wesentlich günstiger wie vergleichbare Komplettfahrzeuge der Konkurrenz.

Über das Unternehmen Ginetta

Foto: 2009, Frank Ullrich
1989 verkauften die Walklett-Brüder Ginetta Cars an eine Investorengruppe. Nach einem weiteren Verkauf des Unternehmens Mitte der 90er-Jahre, kaufte 2005 der britische Unternehmer Lawrence Tomlinson Ginetta auf. Unter seiner Leitung entstehen seit 2007 Sport und Rennwagen für verschiedene Klassen. So war Tomlinson einer der Vorreiter der LMP3 Kategorie. Für die Produktion der LMP3 Fahrzeuge hat Tomlinson bereits Juno Racings Cars übernommen, das vom ehemaligen Williams-Formel-1-Ingenieur Ewan Baldry gegründet wurde. Baldry ist heute technischer Direktor von Ginetta. Die LMP3 Fahrzeuge werden auch in den Hallen von Juno Cars gefertigt.
Aktuell hat Ginetta neben den LMP3 Fahrzeugen mit den Typen G55 GT3, und dem G55 GT4 zwei Fahrzeuge in der GT3 bzw. GT4 Supercup Klasse im Programm. Weiter gibt es noch das Modell G57, einen Prototyp, der auf dem LMP3 basiert, aber mit einem stärkeren Motor und frei entwickelter Aerodynamik die Performance der alten LMP2-Boliden erreicht. Der Einstieg bei Ginetta ist momentan der G40, den es in den drei Varianten Junior, Club Car und GT5 gibt.
Ginetta hatte sich auch für die Saison 2017 um einen Platz als LMP2 Konstrukteur beim AOC beworben musste sich aber letzten Endes Dallara geschlagen geben.
Bereits 2009 gab es in der damaligen Le Mans Serie zusammen mit Zytec ein Engagement in der LMP2 Klasse. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um den im Bild gezeigten Ginetta-Zytek 09S/2

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Frank Ullrich ist seit seiner Kindheit begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Was liegt da näher, wie die beiden Hobbys miteinader zu verbinden. Sein erstes Rennen was er besucht hat war das 1000km Rennen 1971 am Nürburgring, dem dann unzählige Besuche bei vielen Rennen seitdem folgten. Anfangs ohne Kamera, ab Mitte der 90er Jahre dann mit Kamera. So richtig ersthaft wurde das Thema Motorsportfotografie dann erst mit der ersten digitalen Spiegelrflexkamera ab 2006. Seitdem wurden weit mehr als 100.000 Aufnahmen bei den verschiedensten Motorsportveranstaltungen aufgenommen, von denen sich viele in seinem großen Archiv befinden. Für Frank ist das Fotografieren ein guter Ausgleich zu seinem Beruf in der IT. neben dem Fotografieren interessiert sich Frank für alles was mit Fahrzeugen, Technik und Benzin zu tun hat.
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