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Drama in Le Mans: Porsche gewinnt das 24h-Rennen in der letzten Runde

Nie lagen Freude und Leid so nah beieinander. Porsche hat bei der 84. Auflage des 24-Stunden-Rennens von Le Mans den 18. Gesamtsieg für das Unternehmen gewonnen.

Die Piloten Romain Dumas (FR), Neel Jani (CH) und Marc Lieb (DE) brachten den Porsche 919 Hybrid auf Platz eins ins Ziel. Ihre Teamkollegen Timo Bernhard (DE), Brendon Hartley (NZ) und Mark Webber (AU) beendeten das Rennen nach einem langen nächtlichen Reparaturstopp auf dem Gesamtrang 14.

„To finish first, you first have to finish!“

Es war das 31. Rennen an der Sarthe für das Kölner Team Toyota Gazoo Racing mit Werksunterstützung aus Tokio und wieder einmal war der Sieg zum Greifen nah. Doch alles kam anders.

Porsche 919 Hybrid, Porsche Team: Romain Dumas, Neel Jani, Marc Lieb
In der letzten Runde des 24h Rennens von Le Mans wechselte die Führung noch einmal von Toyota zu Porsche. Nach 23 Stunden und 55 Minuten musste der bis dahin führende Kazuki Nakajima seinen Toyota TS050 Hybrid nach der Start/Ziellinie abstellen und den Verfolger Neel Jani im Porsche 919 Hybrid mit der Startnummer 2 passieren lassen.

Sechs Minuten vor Rennende funkte der Japaner mit der Startnummer 5 an die Box: „Ich habe keinen Vortrieb mehr!“ Erst wurde der Toyota langsamer, dann rollte er aus. In der Toyota-Box: das blanke Entsetzen in den Gesichtern. Was Toyota nach über 5.000 Rennkilometern und 384 Runden fehlte: genau 1 Runde mehr, 13,6km.

Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich, dessen Team in diesem Jahr selbst arg gebeutelt wurde und etliche technische Pannen erlitt, sprach Toyota sein Mitgefühl aus. „Sie tun mir von ganzem Herzen leid“, meint er. „Trauriger geht es nicht.“

„Le Mans kann brutal sein. Das wissen wir. Aber jeder war sicher, dass sie dieses Rennen endlich gewinnen würden. Es schien festzustehen. Und dann passiert so etwas Unfassbares.“

Toyota: Der Sieg war sicherer denn je




Toyota hatte die Konkurrenz mit dem für die Saison 2016 neu entwickelten Prototypen-Boliden fest im Griff. Während die Mannschaften aus Ingolstadt und Zuffenhausen nur mit 13 Runden am Stück auf der Strecke zurechtkokmmen mussten, fuhr Toyota eine Runde mehr. Bei gleicher Geschwindigkeit. Alles schien perfekt. Porsche und Audi fuhren von Anfang an den Japanern hinterher und mussten sich die ausgeklügelte Taktik aufzwingen lassen. Der TS050 Hybrid lief wie ein Uhrwerk. Ganz das Gegenteil war bei Porsche und Audi der Fall.
Während die Zuffenhausener die Nummer 2 stetig im Rennen halten konnten, musste die Nummer 1 bereits kurz nach Mitternacht in die Box und verlor so 39 Runden auf den Führenden durch einen Kühlerschaden. Dennoch belegte Audi mit den Fahrzeugen #8 und #7 die Plätze drei und vier und rettete somit immerhin einen Podestplatz. Auf Rang fünf folgte mit dem #36 Signatech-Alpine bereits der beste LMP2-Vertreter, der zugleich den Klassensieg einfuhr. Der Porsche 919 Hybrid mit der Nummer 1 rund um

Audi hingegen hatte von Anfang an mit Problemen zu kämpfen. Angefangen bei Turbolader-Problemen, bis hin zu Ausfällen der Telemetrie. Audi war der Sieg dieses Jahr nicht vergönnt.

Sieg zum 50. Jubiläum für Ford

Ähnlich spannend ging es in der GTE-Klasse zu. Vor genau 50 Jahren gewann die US-amerikanische Sportwagenschmiede über die Konkurrenz aus Bella Italia. Und dieses Ziel nahm man sich auch dieses Jahr wieder vor. Während die Konkurrenz von Porsche, Chevrolet und Aston Martin nur hinterher schauen konnten, lieferten sich Ford und Ferrari – auch als Gruppe F bekannt – einen Schlagabtausch an der Spitze. Die Weissacher (Porsche Pro Team Manthey) betrachteten das Geschehen gar nur aus der Box, da beide Werkswagen zurückgezogen werden mussten.

Bei Ford und Chip Ganassi Racing feiert man ein perfektes Wochenende. Drei der vier besten Fahrzeuge in der GTE-Pro-Klasse tragen ein blaues Oval auf der Fronthaube. Dirk Müller, Sébastien Bourdais und Joey Hand haben das Rennen trotz einer Last-Minute-BoP-Änderung dominiert.

technische Probleme bei Porsche

Porsche 911 RSR (92), Porsche Motorsport: Frederic Makowiecki, Earl Bamber, Joerg Bergmeister
Die vom Werksteam Porsche Motorsport eingesetzten 911 RSR mit den Startnummern 91 und 92, die Doppelsieger von 2013, haben es auf dem Circuit des 24 Heures nicht durch die Nacht geschafft. Nachdem sie in der Anfangsphase des Rennens die mit 14 Autos von fünf renommierten Herstellern traditionell stark besetzte Klasse GTE-Pro angeführt hatten, fielen sie im weiteren Verlauf durch verschiedene Probleme zurück.
Die Nummer 91 mit Nick Tandy, dem britischen Le-Mans-Gesamtsieger von 2015, sowie den Franzosen Patrick Pilet und Kévin Estre verlor zunächst wertvolle Zeit, als ein aufgewirbelter Stein ein kleines Loch in den Kühler schlug. Nach Boxenstopp und Kühlertausch starteten sie eine Aufholjagd mit konstant schnellen Rundenzeiten, die um 01.12 Uhr nach Motorproblemen ein jähes Ende fand.

Die Nummer 92, in deren Cockpit sich der Neuseeländer Earl Bamber als Le-Mans-Gesamtsieger 2015 mit Frédéric Makowiecki (Frankreich) und Jörg Bergmeister (Langenfeld) abwechselte, büßte erst wegen abgescherter Radmitnehmer, die einen neuen Radträger erforderten, einige Positionen ein. Danach musste der 911 RSR wegen einer defekten Lenkunterstützung an die Box. Das Aus kam schließlich um 02.36 Uhr wegen eines gebrochenen Anbindungspunktes an der vorderen Chassisaufhängung.




Als erfolgreichstes Porsche-Kundenteam bei den 24 Stunden von Le Mans belegte Abu Dhabi Proton Racing vor mehr als 260.000 Zuschauern mit einer konstant starken Leistung und nach langer Führung den dritten Platz in der Klasse GTE-Am. Bei der 84. Auflage des Langstreckenklassikers in Frankreich, der wegen heftiger Regenfälle am Samstag erstmals in seiner Geschichte hinter dem Safety Car gestartet wurde, teilte sich Porsche-Werksfahrer Patrick Long (USA) mit David Heinemeier Hansson (Dänemark) und Khaled Al Qubaisi (Abu Dhabi) den 470 PS starken Porsche 911 RSR, der siebten Generation der Sportwagenikone 911. Für das Team war es nach 2014 die zweite Podiumsplatzierung beim härtesten Autorennen der Welt. Mit 60 Autos wies die 84 Auflage des 24 Rennens eine neue Rekordteilnehmerzahl auf.

Der nächste Lauf der WEC – Die Revange von Le Mans – findet vom 22. – 24. Juli auf dem Nürburgring statt. Zum Abschluss noch mal eine Zusammenfassung der letzten dramatischen Runde.

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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