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Die Balance of Performance – Fluch oder Segen

Während die Balance of Performance für die einen ein Fluch ist, ist sie für die anderen in der Tat ein Segen. Aber warum ist das so?

Zum Wochenanfang haben die Veranstalter des legendären ADAC Zurich 24h-Rennens am Nürburgring die aktualisierte Balance of Performance für das Rennen in der Eifel veröffentlicht. Bei Fahrern, Teams und Fans sorgte die neuerliche Anpasssung zum Teil für Verständnis und zum Teil für Unmut. Grund genug für uns, mal die Beteiligten zu befragen.

Die Anfänge der Balance of Performance gehen in die frühen Anfänge des Motorsports zurück. Wann immer ein Rennen ausgetragen wurde, sollte die Chancengleichheit für alle Teilnehmer so groß wie möglich sein. In den verschiedenen Cup-Serien ist diese Balance recht einfach zu erklären. Alle Rennfahrer fahren das baugleiche Auto, mit gleichen Motoren, gleichen Chassis und gleichen Anbauteilen, wie Bremsen oder Auspuffanlagen.

Auch in den Formelserien ist die Performancebalance relativ einfach geregelt. Alle Bauteile am Fahrzeug sind klar reglementiert. Spielraum für Hersteller gibt es kaum. Ebenso bei den aus Le Mans bekannten Prototypen, sorgen strenge Regulierungen für die Bauart der Fahrzeuge für eine Chancengleicheit für jedes Team und jedes Fahrzeug.

Im GT-Sport – speziell die seriennahen Rennwagen – sieht das ein wenig anders aus. Nicht jedes Fahrzeug ist mit Blick auf Renntauglichkeit und Aerodynamik gebaut worden. Hier zählten im Ursprung oftmals Komfort und Platzausnutzung höher. Aber genau jene seriennahe Fahrzeuge gelten als Basis für den GT-Sport. Denn eine Voraussetzung für die Homologation als Rennfahrzeug ist die Serienproduktion des Fahrzeuges.

Zwar sind bei den GT-Fahrzeugen auch Anbauteile wie Spoiler und Heckflügel durch die Homologation vorgeschrieben. Dann wird es aber schon schnell undurchsichtig. Klar, auch für die GT-Fahrzeuge sieht die FIA klare Regelungen vor. Motoren dürfen nur eine bestimmte Leistung bringen, Fahrzeuge dürfen nur ein vorher festgelegtes Gesamtgewicht auf die Waage bringen. Und bereits hier greift die – bei den Fans und Fahrern oft gehasste – Balance of Performance der FIA ein.

So berichtet Georg Weiss (Wochenspiegel Team Monschau) auf Nachfrage: „Wer die alten Zeiten kennt, der braucht keine BoP. Für mich ist es eher ein Fluch als ein Segen. Man sollte ein technisches Reglement machen und gut ist. Damit könnte dann jeder Hersteller sich überlegen was er wie macht.“. Weiter fügt Weiss hinzu: „Und keiner braucht Standzeiten, dass würde sich auch von alleine lösen.“

Die Balance of Performance – besser bekannt unter BoP – versucht nun alle Fahrzeuge auf ein Level zu bringen. Das klingt im ersten Moment ja mal nicht schlecht. Somit bekommt ein 911er Porsche die gleichen Chancen auf der Rennstrecke, wie der massive Klotz eines Bentley Continental GT. Nicht vergessen: Der Brite kann bis zu 2,5 Tonnen Lebendgewicht auf die Waage bringen, während der 911er mit gerade mal ein Maximalgewicht von 1,7 Tonnen auf die Straßen stellt. Klar, die Bentley-Ingenieure haben etwas fertiggebracht, um das sie von einem Großteil der Damenwelt schlicht beneidet werden. Sie haben das Gewicht des Continental einfach mal halbiert.

Berechtigte Kritik oder Jammern auf hohem Nievau?

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Neben unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten treten Hersteller auch mit unterschiedlichen Motorkonzepten an. Während man bei Mercedes und Audi auf einen klassischen 8-Zylinder-Saugermotor setzt, verbauen Bentley im Continental und BMW im M6 zwar auch 8-Zylinder-Motoren. Diese werden aber durch Turbos aufgeladen. Porsche kommt gar mit einem 6-Zylinder-Boxermotor aus. Und hier beginnt die Schwierigkeit und das Hin und Her der BoP. Wie bringt man Gewicht, Leistung, Benzin- und Luftzufuhr auf eine Linie? Zu beneiden sind die Macher der Balance of Performance gewiss nicht.

Für Peter Posavac (PP Group Z4) ist die Balance of Performance eine Kastrastion der Entwickelungsarbeit der Ingenieure und der Fähigkeiten der Fahrer. „Wenn ich mir die Diskussion der letzten Jahre anschaue kommt erschwerend hinzu, dass immer ein „Geschmäckle“ übrigbleibt warum denn welche Entscheidung getroffen wurde. Der eine Hersteller „sandbaggt“ der andere fährt angeblich voll. Immer alles basierend auf hypothetischen Annahmen und vorliegenden Daten von 2 oder 3 Rennen. Es herrscht eine ständige Diskussion über Anpassungen und die Reaktionen darauf.“ Ähnlich sieht es auch Lucas Luhr (Frikadelli Racing, Motul Porsche):“[…] die Tage „Wer das schnellste Auto hat, gewinnt auch das Rennen“ sind damit vorbei. Ich persönlich finde das sehr sehr schade“.

So sieht Posavac die Lösung in einem eventuellen Einheitsregelwerk: „Warum kann nicht einfach ein leicht überprüfbares Regelwerk erstellt werden? Mindestgewicht, Mindesthöhe, Tankinhalt, Einheitsreifen pro Serie, etc.“ Doch eigentlich soll die Balance of Performance genau das sein: Ein Einheitsregelwerk, welches den Herstellern die Möglichkeit gibt, im Rahmen der festgeschriebenen Begrenzungen, ein Fahrzeug auf die Rennstrecke zu stellen, welches konkurrenzfähig ist.

Christopher Brück, zum Beispiel, versteht die ganze Aufregung nicht: „Ich persönlich finde, dass die BoP gerade für alle sehr gut passt. Wenn man mal das Zeitraining vom N24h-Qualifikationsrennen sieht, dann waren alle Marken in den Top-10 in drei Sekunden auf einer Strecke von 25km. Was will man mehr?“

Fotoserie: N24h Qualifikationsrennen – 1. Qualifying

Unterschiede in den Serien

Neben den unterschiedlichen Konzepten werden die einzelnen Fahrzeuge aber auch von Serie zu Serie unterschiedlich bewertet und reglementiert. Während man bei der SRO (Blancpain GT Series / Intercontinental GT Challenge) den Dreh offenbar raus hat, suchen andere Serien vergeblich nach einer Gleichheit. Christopher Mies dazu: „Wenn Balance of Performance wie bei der SRO funktioniert, ist es Top. Wo hat man sonst 25 Autos in 5 Zehntel Sekunden.“
Warum das so ist, konnte uns bisher kein Verantwortlicher sinnvoll erläutern. Doch scheint genau das den Unterschied in den einzelnen Serien auszumachen.

Alex Lambertz (PP-Group BMW Z4) sieht das ganze mit gemischten Gefühlen. „Für mich ist die BoP weder Fluch noch Segen. Sollte sich daran vor dem 24h Rennen nichts mehr ändern, sind die Chancen für uns mit dem Z4 GT3 gering vorne mit zu fahren, da wir mit den aktuellen GT3 wie im Quali Rennen gesehen so nicht mithalten können. Somit werden wir noch mehr auf die Haltbarkeit und Zuverlässigkeit unseres Autos setzen.“ Lambertz fügt noch hinzu: „Im generellen allerdings finde ich die Idee BoP sehr gut, da man so alle Unterschiede der verschiedenen Autos ausgleichen kann.“

Fazit zur Balance of Performance

Zwei Sachen werden aus unserer kleinen Umfrage bei den Rennfahrern und Teams ganz deutlich:
1. Es muss sich was tun, in der Balance of Performance.
2. So, wie es ist, passt es hervorragend.
Mit der Balance of Performance verhält es sich wie mit einem Film. Die einen mögen ihn und könnten Ihn sich immer wieder anschauen. Die anderen verstehen nicht, wie man sich den Film ansehen kann. Man kann es eben niemandem Recht machen. So wird die BoP auch in Zukunft immer wieder zu Diskussionen führen, die kein Ende kennen.
Entweder man akzeptiert die Regeln oder man akzeptiert nicht und bleibt damit dem Rennen fern. Einzig mehr Transparenz bei der Einteilung der Balance wünschen wir uns, den Fahrern und den Fans.

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Michael Brückner ist seit Jahren begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Außerdem sammelt er wissbegierig allerlei Informationen und arbeitet diese dann auf. Warum also nicht alles unter einen Hut bringen und der Welt zur Verfügung stellen. So entstand LSR-Freun.de. Neben der fotografischen und redaktionellen Arbeit kümmert sich Michael auch um die technischen Aspekte des Internetauftritts.
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