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Christian Büllesbach im Interview – RCN, VLN oder NES 500?


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Christian Büllesbach, geboren 1986 ist seit 2010 aktiv im Motorsport unterwegs. Als zweifacher RCN Fahrer-Meister und mehrfacher Klassensieger bei der VLN und 24h-Rennen haben wir ihm ein paar Fragen gestellt.

LSR-Freun.de: Hallo Christian, vielen Dank, das Du dir Zeit für unsere Leser nimmst. Du bist nun vor Deiner achten aktiven Saison. Wie hast Du dich über die Winterpause darauf vorbereitet? Trainierst Du mit Simulator?
Christian: Mit Simulatoren trainiere ich eher weniger. Zeitlich und finanziell ist es für mich sehr schwer im Winter viel zu fahren. Trotzdem fahre ich meist 1 bis 2 Tage in Spanien. Das muss für mich reichen und so ist der Winter für mich nicht ganz so lang.

Du startest in der RCN und VLN sehr erfolgreich. Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede sind bei den beiden Langstrecken-Serien?
Die VLN ist ein professionelles Autorennen, wogegen die RCN eher eine Einsteigerserie ist. Die Gangart in der VLN ist deutlich härter. Zudem besitzt die RCN den Charakter einer Leistungsprüfung. Man fährt nicht direkt mit dem Konkurrent wie bei der VLN.
Lange Zeit bist Du im BMW Z4 in der V5 gestartet. Warum kam nach den Erfolgen der Wechsel auf den Porsche Cayman?
Der Z4 war ein tolles Auto, welches mir sehr viel Spaß gemacht hat. Als im Team die Entscheidung fiel, einen Porsche zu bauen und ich die Möglichkeit bekam diesen zu fahren und auch im Team das Porsche-Projekt zu leiten – sowohl vom Aufbau als auch über die Wartungen durch die Saison – diese Chance musste ich nutzen!

Wie siehst Du die aktuelle Problematik und Diskussion mit dem Regelwerk der V-Klassen. Das Team Adrenalin-Motorsport setzt ja einige Fahrzeuge in den Klassen V4 und V5 ein. Welche Änderungen wären nach Deiner Meinung eine Lösung für alle Beteiligten?
Ich persönlich sehe das neue Regelwerk als nicht sinnvoll an. Die Teams waren zufrieden mit dem alten Reglement und das alte Reglement hat auch funktioniert. Auch die Begründung der Kostenreduzierung und der Kontrollierbarkeit ist in meinen Augen nicht gegeben. Eine gute Lösung wäre, wenn die VLN auf die – in der Umfrage bestätigte Meinung der Teams – das neue Reglement 2018 aussetzt und gemeinsam mit den Teams und den Verantwortlichen während der Saison 2018 ein umfassendes Reglement ausarbeitet.

Ein weiterer heiß diskutierter Punkt ist der Einheitsreifen bei der RCN. Wie denkst Du darüber?
Auch diese Entscheidung finde ich nicht gut. Es funktioniert nicht jedes Auto mit jedem Reifen. Es ist allerdings auch ein sehr komplexes Thema und es bleibt abzuwarten, wie gut die Teams mit den neuen Reifen klar kommen werden.

Du hattest die Möglichkeit einen GT3-Boliden zu testen. Wie war das Erlebnis, welche Unterschiede fielen Dir auf im Vergleich zu den Autos der Produktionswagen-Klassen?
Die SP9 Fahrzeuge sind wirklich in allen Belangen anders als die Fahrzeuge der V Klassen. Die Verzögerung, die Kurvengeschwindigkeiten und auch Beschleunigung, es war eine super Erfahrung solch ein Auto testen zu dürfen.

Wäre es für Dich denkbar in der SP9 anzutreten, oder siehst Du langfristig keine Zukunft mehr für die GT3 in der VLN? Es wird ja seit Jahren immer wieder der langsame Tot dieser Klasse vorhergesagt.
Wenn ich die Möglichkeit bekäme mit solch einem Auto anzutreten, so würde ich keine Sekunde zögern dies zu tun. Ich finde, diese Autos gehören zur VLN wie auch die kleinen Klassen. Für mich hat es einen großen Reiz mit diesen Autos zusammen zu fahren. Sollten die GT3 eines Tages aus dem Reglement fallen, würde ich das als großen Verlust ansehen.

Unabhängig vom Budget und dem Team-Fuhrpark, was wäre Dein persönlicher Traumwagen für eine Saison?
Die Klasse SP9 wäre schon ein großer Traum. Gerade der BMW M6 GT3 hat es mir nach dem Test natürlich angetan. Aber auch der Porsche oder der Mercedes-AMG GT3 wären meine Favoriten. Ich bin da überhaupt nicht festgelegt.

Es wird ja regelmäßig das Thema Flaggensigale und die „Zusammenarbeit“ zwischen Fahrern und Sportwarten diskutiert. Mit der Aktion „Danke Marshals“ soll den Sportwarten bei einer Taxi-Runde die Piloten-Sicht vermittelt werden. Hälst Du es für denkbar und hilfreich, wenn jeder Pilot (vielleicht als Permit-Bestandteil) auch ein Rennen auf einem Posten Flaggendienst machen soll? Wer einmal an der Planke reagieren musste, weiß wie hoch auch die Anforderungen an die Sportwarte sind.
Ich habe, bevor ich aktiv Fahrer wurde, selbst zwei Jahre als Marshal bei der Streckensicherung geholfen. Daher weiß ich was die Jungs und Mädels draußen an der Strecke bei Wind und Wetter leisten! Davor kann man nur den Hut ziehen! Trotzdem wirkt es oft von außen anders als aus dem Fahrzeug. Die Situationen sehen völlig unterschiedlich aus, daher finde ich diese Sache sehr gut. Jedoch sollte das meiner Meinung nach nicht zur Pflicht werden. Auch die Aktion, dass Marshals die Sicht aus einem Fahrzeug vermittelt bekommen, finde ich gut. Vielen ist gar nicht klar, was in so einem Fahrzeug alles auf einen einwirkt.


Stehen für 2018 auch andere Rennserien auf Deinem Plan, neben RCN und VLN?
Als Privatfahrer habe ich natürlich nur ein begrenztes Budget und so sind die beiden Serien für mich die attraktivsten. Aber auch einen Start in der DMV NES 500 wäre für mich denkbar.

Was macht die NES 500 so attraktiv, dass Du einen Start in Erwägung ziehst?
Naja, das ist eigentlich ganz einfach erklärt. Das Budget ist um einiges geringer und die verschiedenen Strecken bieten eine willkommene Abwechslung zu Nordschleife. Und Fahrpraxis gibt es noch dazu.

Herzlichen Dank Christian für die interessanten und informativen Einblicke. Wir wünsche Dir für 2018 viel Erfolg, nur knitterfreie Runden und viel Spaß auf der schönsten Rennstrecke der Welt.

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Lutz Rodrigues Do Nascimento wurde in den 70er Jahren vom Motorsport-Virus infiziert, sein Onkel war im Porsche-Werk Weissach tätig und nahm ihn damals schon mit zu den Rennfahrzeugen. Seit 2011 ist er regelmäßig am Nürburgring bei der VLN mit der Kamera vor Ort und konnte sich somit ein Netzwerk an Bekanntschaften zu Teams, Fahrern und der Streckensicherung knüpfen. Seit März 2017 ist Lutz Teil der LSR-Freun.de und gilt als unser Draht zu den Teams und Fahrern. Mit Fotos und Stories aus den engsten Kreisen sorgt er immer wieder für staunende Gesichter.
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