BoP sorgt erneut für Zündstoff

2016 sorgte Frikadelli Racing für einen kleinen Aufschrei, als Teamchef Klaus Abbelen den Start beim 24h-Rennen und allen weiteren Läufen nach der 2. Runde der VLN, aufgrund einer angeblich benachteiligenden BoP-Einstufung, absagte.

Land Motorsport, Audi R8 LMS, 24h-Rennen Nürburgring 2017
Foto: 2017, Michael Brückner
Heute nun ein Deja-vu: Land-Motorsport zieht sich diesen Schuh an und sagt alle weiteren Läufe – aufgrund Chancenlosigkeit durch die Balance of Performance – ab. Das mag nun verstehen wer will. Waren es nicht die Audis, die die ersten Läufe überragend dominiert haben und sogar das 24h-Rennen trotz diverser Fehler bei den Boxenstopps gewannen? War es nicht auch das Team Land-Motorsport, welches in der Saison 2016 die VLN anführte und sogar den Jahrespokal der Gesamtsiege holte?
Ein Schelm, wer nun böses denkt, wenn Land-Motorsport nun dem Eifelrundrennen der VLN eine Absage erteilt, weil sie zurückgestuft wurden. Wie seinerzeit Frikadelli-Racing, so spürte nun eben heute Land-Motorsport die Konsequenzen der Dominanz auf der Nordschleife.
Ziel der BoP ist es doch, dass alle GT3-Boliden mit den gleichen Waffen kämpfen, egal aus welchem Haus, die Fahrzeuge kommen. Entsprechend ist es doch nur logisch, dass man einer solchen Vorherrschaft nun einen Riegel vorschiebt und die Audianer nun eben doch mal einbremst. Und wenn man den vielen VLN-Fans glauben mag, kommt dieser Schritt viel zu spät.

Der Zusammenhang zwischen der Audi-Vormachtstellung und der geringen Starterzahl lässt sich zwar nur erahnen. Doch wenn wir ehrlich sind: Wer hat den Lust darauf, gegen ein bevorzugtes Exponat anzutreten? Bei BMW wird man sich hüten, einen Ton von sich zu geben. Ebenso ist auch die Kritik aus dem Hause Mercedes leiser geworden. Hier wird zwar immer wieder über das Reifenproblem diskutiert, das ist jedoch ein anderes Thema.
Wenn man sich die vergangenen Läufe so anschaut, dann kann nur der Eindruck entstehen, dass Audi hier ganz klar bevorzugt wurde. Die geringe Ausbeute der tatsächlichen Audi-Siege bei den vergangenen VLN-Läufen war dann ja doch auf menschliches Versagen oder falsche Strategien zurückzuführen. Wir erinnern uns, wie der Land-Motorsport bereits zweimal ohne Sprit auf der Döttinger Höhe ausrollte.

Christopher Mies
Foto: Stefan Deck
Etwas überraschend dazu äußerte sich auf Christopher Mies zum Thema am Donnerstag bei Facebook. „[…] Nur zum Geld verbrennen machen wir diesen Sport ja auch nicht. […]“. Man möchte sich an dieser Stelle fragen, wie die anderen 148 Teilnehmer beim 4. VLN Lauf über eine solche Aussage denken. Denn nicht jedes Team hat reelle Chancen auf einen Sieg, oder zumindest einen Podestplatz. Macht es denn demnach überhaupt noch Sinn, irgendeinen VLN-Lauf zu starten?

Am Ende ist es so, dass die Balance of Performance für einigermaßen gleiche Vorraussetzungen sorgen soll. Dass das nicht immer funktioniert, liegt wohl an vielen Umständen, über die man nur mutmaßen kann. Schade ist am Ende nur, dass politische und taktische Entscheidungen jegliche Erfolge und Ereignisse überschatten. Und das hat schlussendlich nichts mehr mit dem Motorsport zu tun, den wir sehen wollen.