Foto: 2017, Horst Bernhardt

24h von Le Mans 2017: Porsche holt den dritten Gesamtsieg in Folge nach fulminanter Aufholjagd


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Mit einer fulminanten Aufholjagd holt der Porsche 919 Hybrid den dritten Sieg in Folge für Porsche beim 24h Rennen von Le Mans 2017.

Foto: 2017, Horst Bernhardt

Timo Bernhard, Earl Bamber und Brendon Hartley fuhren dabei, nach einem technischen Defekt an der Hybrideinheit des Porsche 919, am gestrigen Abend und einer darauffolgenden Reparatur von nahezu 1,5 Stunden von Position 55 auf Platz 1.

Die größte Story des Rennens schrieb aber sicher die kleine LMP2 Mannschaft von DC Racing, die mit Ihrem Oreca Gibson #38 rund um den Schauspieler Jackie Chan, lange Zeit das Rennen anführten und am Ende mit einer fehlerlosen Leistung Platz 2 im Gesamtergebnis erzielen konnten. Die Mannschaft um Ho-Pin Tung, Thomas Laurent und Oliver Jarvis lieferte mit Ihrem Oreca 07 #38 aus der LMP2-Kategorie über mehrere Stunden ein fehlerfreies Rennen, wurde jedoch 67 Minuten vor Schluss vom übermächtigen Porsche 919 Hybrid #2 überholt.  Den zweiten Platz gesamt und den Sieg in der LMP2 Wertung konnte der Mannschaft jedoch niemand mehr nehmen.

Das Rennen für den Porsche mit #2 schien bereits früh gelaufen zu sein. 3,5 Stunden nach dem Start sahen die Ingenieure an der Porschebox einen langsam fahrenden Earl Bamber auf der Strecke. Bamber gelang es jedoch den Porsche zurück in die Box zu bringen, wo ein Schaden an der Vorderachse diagnostiziert wurde. In einer großartigen Leistung gelang es den Mechanikern das Problem zu beheben und den Porsche auf Platz 55 zurück ins Rennen zu schicken. Ab da startete eine bisher noch nicht dagewesene Aufholjagd was 67 Minuten vor Schluss zur Übernahme der Spitze im Feld führte. Möglich war dies nicht zuletzt, da keiner der LMP1 Werksfahrzeuge problemlos über die Distanz kam.

Le Problem in der LMP1

Foto: 2017, Michael Brückner

Nach den Problemen an der Vorderachse des Porsche mit der #2, begannen gegen 22:45 für Toyota Gazoo Racing Stunden des Grauens.

Zunächst kam der an dritter Position fahrende Toyota TS050 Hybrid mit der #8 (Buemi/Nakajama/Davidson) mit demselben Problem an die Box, dass bereits zuvor am Porsche mit der #2 aufgetreten war. Die darauffolgende Reparatur dauerte jedoch wesentlich länger, als im Porsche Lager.

Zwei Stunden später sollte es dann den bis dahin in Führung liegenden Toyota #7 (Kobayashi/Conway/Sarrazin) erwischen. Kamui Kobayashi musste den TS050 nach dem Restart aus einer Safety-Car Phase mit einem Kupplungsschaden an der Strecke abstellen. Kobayashi versuchte das Fahrzeug zwar noch an die Box zurück zu bringen, doch eingangs der Porsche Kurven war Schluss und Kobayashi musste das Fahrzeug abstellen.

Der Toyota mit der #8 war zu diesem Zeitpunkt zwar wieder im Rennen, aber fuhr nach der langen Reparatur auf einer chancenlosen Position. Damit war das dritte Auto von Toyota die #9, die letzte Hoffnung auf einen Sieg. Die #9 fuhr zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei liegend hinter dem Porsche mit der #1, der zu diesem Zeitpunkt die Führung übernommen hatte. Eine halbe Stunde nach dem Ausfall des Toyota #7 kam es jedoch zu einer Kollision zwischen Simon Trummer im Manor Oreca #25 (Gonzales/Trummer/Petrow) und dem Toyota mit #9, wobei das Manor Auto komplett zerstört wurde und der Toyota so schwer am Heck beschädigt wurde, dass N.Lapierre, der zu diesem Zeitpunkt am Steuer der #9 saß keine andere Wahl blieb, als das Auto ebenfalls am Streckenrand abzustellen. Auch Lapierre versuchte zunächst noch den stark beschädigten Toyota zurück zur Box zu bringen, was aber aufgrund der schweren Beschädigungen nicht mehr gelang. Damit hatte sich das Schicksal in Le Mans auch 2017 wieder komplett gegen einen Sieg von Toyota bei dem Langstreckenklassiker an der Sarthe gewendet.

Nun hatte zunächst der Porsche #1 (Jani/Lotterer/Tandy) für viele Stunden leichtes Spiel an der Spitze und sah eigentlich schon aus wie der sichere Sieger. Doch Sonntag gegen 11:15 sollte sich das Schicksal auch gegen dieses Auto wenden. Lotterer der zu diesem Zeitpunkt im Auto saß, meldete einen Verlust des Öldrucks an die Box. Zunächst wurde auch hier versucht, das Auto mit Hilfe des Hybrid Antriebs zurück an die Box zu bringen, was aber auch in diesem Fall nicht gelang. Lotterer musste ebenfalls das Auto an der Strecke abstellen und aussteigen.

Jetzt war das eingetreten was niemand ernsthaft für möglich gehalten hatte. Ein Fahrzeug aus der LMP2 Klasse übernahm die Gesamtführung. Zunächst übernahm der Rebellion Oreca #13 die Führung. Dieser konnte jedoch dem Druck des DC Oreca #38 dahinter nicht lange Stand halten. Der DC Oreca mit Thomas Laurent am Steuer übernahm die Führung.  Das ByKolles Auto aus der LMP1 Klasse musste bereits kurz nach dem Start, aufgrund eines Motorschadens die Segel streichen. Hätte der DC Oreca gewonnen wäre Thomas Laurent mit 19 Jahren der jüngste Le Mans Sieger aller Zeiten gewesen. Dies wurde jedoch von Timo Bernhard im Porsche #2 67 Minuten vor Schluss noch verhindert. Der letzte im Rennen verbliebene Toyota mit der #8, konnte das Rennen nach der Reparatur ohne Probleme zu Ende fahren und nach einer ebenfalls großartigen Aufholjagd das Rennen auf Platz 9 beenden. Für Toyota ein sicher mehr als enttäuschendes Ergebnis. Als Trostpflaster bleibt lediglich, dass die #8 durch in zweiten Platz in der Klasse LMP1 wichtige Punkte für die Sportwagenweltmeisterschaft sammeln konnte.

 

Le Wahnsinn in der LMP2 – Orecas haushohe Überlegenheit

Foto: 2017, Frank Ullrich

Neben der Sensation, welche die DC Mannschaft im Gesamtergebnis erreicht hat, gab es in der stark besetzten LMP2 Klasse viele spannende Zweikämpfe und zahlreiche Führungswechsel. Allerdings hat sich wie schon zuvor in den Tests und Qualifyings eine eindeutige Überlegenheit der Fahrzeuge mit Oreca Chassis gezeigt. Besonders konnten sich unter dem LMP2 Teams neben den DC Fahrzeugen, die Fahrzeuge von Rebellion Racing behaupten.

Lange wurde die Klasse von dem Rebellion Fahrzeug mit der #31 (Prost/Canal/Senna) und #13 (Piquet jun./Heinemeier Hansson/Beche) angeführt. Doch auch dieses Fahrzeug bekam die Launen von Le Mans zu spüren. Zunächst bekam das Fahrzeug in der Nacht Getriebeprobleme und verlor damit schon Plätze. Am Sonntagvormittag wurde dann ein Tausch des Getriebes nötig, was die #31 um 40 Runden zurückgeworfen hat und damit jede Chance auf einen Klassensieg vorbei waren. Der Rebellion mit der #13 übernahm die Führung, konnte jedoch wie oben schon geschrieben dem Druck des DC Oreca mit #38 nicht standhalten, dazu kam noch eine Strafe für das Fahrzeug, was die #13 zunächst auf Platz drei hinter das Fahrzeug von Alpine Signatech mit der #35 (Panciatici, Ragues, Negrao zurückgeworfen hat.

Nur durch einen Fahrfehler von Negrao kurz vor Schluss konnte der Rebellion mit der #13 zurück auf Platz 2 fahren und das Rennen auf diesem Platz beenden, was gleichzeitig Platz 3 Im Gesamtergebnis war. Gleich dahinter auf Platz 3 in der LMP2 Klasse konnte das zweite Auto von DC Racing #37 (Cheng/Gommendy/Brundle) das Rennen beenden. Emmanuel Collard, der in der Nacht mit dem TDS Fahrzeug einen schweren Unfall hatte und ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat sich offensichtlich keine schweren Verletzungen zugezogen. Das Pole-Setter Fahrzeug der Oreca von G-Drive Racing ‚#26 fiel bereits kurz nach dem Start durch einen Unfall mit einem Proton Porsche aus der GTE AM aus.

 

Le Spannung in der LMGT Pro

Foto: 2017, Frank Ullrich

Keine Klasse bot während der 24 Stunden mehr Zweikämpfe und Führungswechsel wie die Fahrzeuge der GTE Pro Klasse. Bis zur letzten Runde wurde um die Führung gekämpft und Jonny Adam im Aston Martin #97 (Turner/Adam/Serra) konnte auf den letzten Metern noch die Führung von Jordan Taylor in der Corvette #63 (Magnussen/Garcia/Taylor) übernehmen.

Der Zweikampf zwischen der Corvette und dem Aston Martin ging in der Endphase über mehrere Runden in denen sich Taylor lange Zeit den Attacken von Adam erwehren konnte. Allerdings bekam die Corvette in der vorletzten Runde offensichtlich Probleme mit der Bremse, was ihn letztlich den Sieg gekostet hat. Auch der bis dahin Drittplatzierte in der GTE Pro, der Ford #67 (Priaulx/Tincknell/Derani) konnte auf den letzten Metern noch an der Corvette vorbeifahren. Damit blieb für die schnelle Corvette Platz 3.

Faszinierend waren in dieser Klasse die engen Zweikämpfe und Führungswechsel über das gesamte Rennen. So gab es in dieser Klasse kaum ein Auto was nicht einmal in Führung lag.

Der sensationell klingende Porsche #91 (Lietz/Makowiecki/Pilet) belegte hinter der Corvette Platz 4 noch vor dem Ferrari 488 #71 (Rigon/Bird/Molina) und den beiden Ford GT aus der amerikanischen Imsa Serie.

Foto: 2017, Horst Bernhard

In der GTE Am  Klasse verlor der favorisierte Aston Martin #98 (Dalla Lana/Lamy/Lauda) durch einen Reifenschaden am Samstagabend alle Siegchancen und machte den Weg frei für den JMW-Ferrari #84 (Smith/Stevens/Vanthoor), der sich schadlos hielt und das Rennen von da an dominierte und am Ende sicher gewann. Der Pole-Setter, die Art Car Corvette C7R des Larbre Competition Teams, konnte nach mehreren Ausflügen ins Kiesbett, das Rennen nicht unter den ersten 10 beenden.

Le Fazit

Insgesamt, war auch Le Mans 2017 ein Rennen voller Überraschungen und Tragödien, mit einer Leistungsdichte gerade bei den LMP2 Fahrzeugen und in der GTE PRO Klasse, die es so bisher noch nicht in Le Mans gegeben hat. Ich denke wir können uns auch 2018 auf ein spannendes Rennen freuen. Ob jedoch Porsche und Toyota in der LMP1 Klasse mit dabei sein werden bleibt sicher abzuwarten.

Denn obwohl Porsche letzten Endes den 19. Sieg nach Zuffenhausen holen konnten, so war dies doch nicht zuletzt dem Debakel geschuldet, welches die anderen Fahrzeuge in der LMP1 Kategorie erlebt haben. Und obwohl die Aufholjagd der #2 sicher einmalig war, so war die Vorstellung auch bei Porsche keine vollkommen souveräne.

 

Vorläufiges Gesamtergebnis 24 Stunden von Le Mans 2017

1. Porsche #2 (Bernhard/Bamber/Hartley)
2. DC-Oreca #38 (Tung/Laurent/Jarvis)
3. Rebellion-Oreca #13 (Piquet jun./Heinemeier Hansson/Beche)
4. DC-Oreca #37 (Cheng/Gommendy/Brundle)
5. Signatech-Alpine #35 (Panciatici/Ragues/Negrao)
6. United-Autosports-Ligier #32 (Owen/de Sadeleer/Albuquerque)
7. Graff-Oreca #40 (Allen/Matelli/Bradley)
8. Manor-Oreca #24 (Graves/Hirschi/Vergne)
9. Toyota #8 (Davidson/Buemi/Nakajima)
10. Villorba-Corse-Dallara #47 (Lacorte/Sernagiotto/Belicchi)

Vorläufiges Ergebnis GT Am

1. JMW-Ferrari #84 (Smith/Stevens/Vanthoor)
2. Spirit-of-Race-Ferrari #55 (Cameron/Scott/Cioci)
3. Scuderia-Corsa-Ferrari #62 (MacNeil/Sweedler/Bell)
4. Beachdean-Aston-Martin #99 (Howard/Gunn/Bryant)
5. Clearwater-Ferrari #61 (Mok/Sawa/Griffin)
6. Proton-Porsche #77 (Ried/Cairoli/Dienst)
7. TF-Aston-Martin #90 (Yoluc/Hankey/Bell)
8. Aston Martin #98 (Dalla Lana/Lamy/Lauda)
9. Proton-Porsche #93 (Long/Al Faisal/Hedlund)
10. Gulf-Porsche #86 (Wainwright/Barker/Foster)

Vorläufiges Ergebnis GT-Pro

1. Aston Martin #97 (Turner/Adam/Serra)
2. Ganassi-Ford #67 (Priaulx/Tincknell/Derani)
3. Corvette #63 (Magnussen/Garcia/Taylor)
4. Porsche #91 (Lietz/Makowiecki/Pilet)
5. AF-Corse-Ferrari #71 (Rigon/Bird/Molina)
6. Ganassi-Ford #68 (Hand/Müller/Kanaan)
7. Ganassi-Ford #69 Briscoe/Westbrook/Dixon)
8. Corvette #64 (Gavin/Milner/Fässler)
9. Aston Martin #95 (Thiim/Sörensen/Stanaway)
10. Ganassi-Ford #66 (Mücke/Pla/Johnson)

Vorläufiges Ergebnis LMP2

1. DC-Oreca #38 (Tung/Laurent/Jarvis)
2. Rebellion-Oreca #13 (Piquet jun./Heinemeier Hansson/Beche)
3. DC-Oreca #37 (Cheng/Gommendy/Brundle)
4. Signatech-Alpine #35 (Panciatici/Ragues/Negrao)
5. United-Autosports-Ligier #32 (Owen/de Sadeleer/Albuquerque)
6. Graff-Oreca #40 (Allen/Matelli/Bradley)
7. Manor-Oreca #24 (Graves/Hirschi/Vergne)
8. Villorba-Corse-Dallara #47 (Lacorte/Sernagiotto/Belicchi)
9. Signatech-Alpine #36 (Dumas/Menezes/Rao)
10. Tockwith-Ligier #34 (Moore/Hanson/Chandhok)

Dieser Beitrag wurde von verfasst.

Frank Ullrich ist seit seiner Kindheit begeisterter Motorsportfan und Fotograf. Was liegt da näher, wie die beiden Hobbys miteinader zu verbinden. Sein erstes Rennen was er besucht hat war das 1000km Rennen 1971 am Nürburgring, dem dann unzählige Besuche bei vielen Rennen seitdem folgten. Anfangs ohne Kamera, ab Mitte der 90er Jahre dann mit Kamera. So richtig ersthaft wurde das Thema Motorsportfotografie dann erst mit der ersten digitalen Spiegelrflexkamera ab 2006. Seitdem wurden weit mehr als 100.000 Aufnahmen bei den verschiedensten Motorsportveranstaltungen aufgenommen, von denen sich viele in seinem großen Archiv befinden. Für Frank ist das Fotografieren ein guter Ausgleich zu seinem Beruf in der IT. neben dem Fotografieren interessiert sich Frank für alles was mit Fahrzeugen, Technik und Benzin zu tun hat.
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